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Stefan & Steffu's travels

Im Rovos Rail

Hier sind wir richtig

Was dann folgte,  ist irgendwie  verrückt. Bereits beim Edelhotel Victoria Falls Hotel abgeladen wähnten wir uns sowohl in einer Zeitkapsel als  auch in einer Wohlstands-Blase. Die Zeitreise ist dem kolonialistischen Prunkbau geschuldet, in welchem vor hundert Jahren die internationale High Society verkehrt haben dürfte.

Beim Victoria Falls Hotel beginnt unser Abenteuer mit dem Rovos Rail

Das Wohlstandgefälle nahmen wir wahrscheinlich vor allem darum wahr, weil wir von diesem total chicen Ort Sicht auf die Brücke hatten, welche Simbabwe und Sambia miteinander verbindet und welche wir am  Vortag noch in einem Spiessrutenlauf abgeschritten sind. Ein Kilometer trennen diese beiden Orte, Welten sind dazwischen.

Folklore darf beim Einsteigen nicht fehlen

Alle Zuggäste fanden sich in einem Saal des Hotels ein. Es folgte ein hölzerner Speak der Zugsmanagerin, welcher man ohne zu zögern zumutet, den Zug zur Not eigenhändig und mit Muskelkraft zu rangieren. Dann  wurden die Namen der Gäste verlesen, welche sich dann erhoben und zum Zug geleitet wurden. Wir kamen uns vor wie in einem dieser Endzeitmovies, in welchem einige Auserwählte evakuiert werden. Irgendwann waren auch wir an der Reihe und folgten unserer Hostesse zu unserem Wagen.

Für einmal nicht Deluxe, sondern Royal

Wer hat schon einmal ein Bad im Zug genommen!

Endlich kommen unsere Anzüge zum Einsatz, die wir bereits durch afrikanische Wüsten geschleppt haben

Wir haben eine Deluxe Twin Cabin gebucht, erhalten haben wir dann aber eine noch grössere Royal Suite. Damit sind wir die einzigen Gäste, welche eine solche Suite behausen – keine Ahnung, wie wir zu dem Privileg kamen. Royal Suite heisst riesiges Doppelbett, Tisch,  gefüllter Kühlschrank (mit Champag-ner) zwei Sessel und Badezimmer mit Toilette, Dusche und Badewanne. Das ganze auf grosszügige 17 m2, wir sind die einzigen im Zugwagen.

Der Zug rollt langsam los

Beim Diner sind Anzug und Krawatte Pflicht, selbstverständlich werden die vom Personal vorab gebügelt, damit die Gäste nicht einen zerknitterten Eindruck machen.

Das Ambiente ist dem frühen letzten Jahrhundert entlehnt, wir kommen uns vor wie Mitwirkende im Film „Vom Winde verweht“. Jetzt fehlen nur noch Vivien Leigh und Clark Gable. Erstaunen würde es uns nicht, wenn die beiden erschienen.  

Gepflegtes Dinner mit zwei Rotweinen – wir konnten uns nicht entscheiden

Der Rovos Rail fuhr die ganze folgende Nacht durch. Da das Schienennetz in Simbabwe allerdings so schitter beieinander ist, tat er dieses mit gerade mal einem 20-er. Uns soll es recht sein, da es sich so besser schläft und wir zudem keine Ambitionen haben, allzu schnell von diesem rollenden Fünfsternehotel rauszukommen. Ist ganz anders als in SBB-Zügen, welche man jeweils möglichst rasch verlassen möchte. Man will ja nicht noch Andreas Meyer begegnen.

Morgens um halb Sechs stand der Zug dann aber für gut zwei Stunden vor Messina, dem Grenzort zwischen Simbabwe und Südafrika. Die Einreiseformalitäten wurden für uns erledigt, während wir schlafen konnten. Auch mal nett, dass man nicht in einer Schlange stehen muss. Und vorn wurde eine südafrikanische Lok vorgehängt. Rovos Rail hat zwar eigene Lokomotiven, aber Südafrika besteht auf ihre Zugfahrzeuge in diesem Land. 

Abenddekoration unseres Zimmers

Nach den vielen Reiseerlebnissen der vergangenen Tage, ja Wochen, geniessen wir diesen Tag unterwegs im Zug. Etwas Reisetagebuchführen, im hintersten Panoramawagen auf dem Balkon stehen und die Landschaft auf sich wirken lassen, auf dem Bett fläzen und dazwischen Weine, Champagner, Likör und Gin Tonic absacken lassen. Letzteres gilt nicht als Alkohol, da es sich wegen dem Chinin um das erste wirksame Malaria-Medikament handelt.

Als wir gestern Abend durch etwas ruralere Teile Simbabwes fuhren, fiel uns auf, dass viele Kinder, aber auch Erwachsene den Rovos Rail abpassten oder angerannt kamen. Manche erhofften, dass Etwas abfiel und ein Junge wollte uns ein Bündel Brennholz verkaufen. Ich überlegte noch lange, wie er sich das vorstellt, Brennholz in einen fahrenden Zug zu verkaufen. Die meisten Menschen standen aber bloss da, winkten lachend und freuten sich, wenn die Reisenden zurückwinkten. Für Augenblicke treffen die Welten des Human Development Index 3 (Schweiz) und 154 (Simbabwe) aufeinander und treten in einen kurzen Austausch. Die Reichen lehnen sich anschliessend im klimatisierten Wagen zurück und nippen zu Lachsbrötchen an ihren Tees, die Menschen aus Simbabwe gehen noch einen Moment den Zuggleisen entlang und bleiben ohne Chance zurück, jemals auf der anderen Seite des Fensters zu sein. Es fühlt sich nicht gut an.

Der Speisewagen für den Lunch gedeckt – bei der Kleidung reicht casual smart für einmal aus

Schön gestaltete Menukarte

Simbabwe zieht an uns vorbei

Nach dem wie immer köstlichen Mittagessen stand heute aber dennoch ein Programm auf der Tagesordnung: Auf 23° 26′ 05″ südlicher Breite hielt der Zug für uns an. Auf diesem Breitengrad befindet sich nämlich der südliche Wendekreis, im Englischen Tropic of Capricorn also Wendekreis des Steinbocks genannt. Viel zu sehen gab es hier zwar nicht, aber solche Orte – der Nullmeridian bei Greenwich, der Äquator oder ein Polarkreis – sind doch immer auch etwas Spezielles, wo man sich gleich irgendwie mit dem grösseren Ganzen verbunden fühlt.

Tea and Sandwiches gibt es am Nachmittag beim Observation Desk

Prosit auf Rovos Rail

In Simbabwe waren wir nochmals auf Safari. Doch darüber berichten wir morgen. Hakuna Matata!

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