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Stefan & Steffu's travels

Cahal Pech & Xunantunich

Um Neun standen wir, wie auf dem Plan des Anbieters angewiesen, bereit. Weit und breit war aber niemand in Sicht, der uns abholte. Um halb Zehn liessen wir uns mit dem Hotel Cahal Pech, welches unsere Touren durchführen sollte, verbinden. Immerhin wussten sie mit unseren Namen etwas anzufangen und mit einer Verspätung von mehr als einer Stunde stand dann auch tatsächlich ein Shuttle für uns vor dem Radisson. Allmählich kommt es gut.

Die Fahrt nach San Ignacio, in das zu Guatemala nahe gelegene Hinterland Belizes, dauerte beinahe zwei Stunden. Dabei kamen wir an sechs Polizei-Checkpoints vorbei.

Geschwindigkeitsbeschränkungen sahen wir nirgends, hier scheint das mit Road Bumps gelöst zu sein. Nach rund zweihundert solcher, mir wurde allmählich übel vom jeweiligen Bremsen, Bump vorne, Bump hinten und wieder Beschleunigen, erreichten wir dann gottlob San Ignacio.

Verspätungsbedingt mussten wir das Mittagessen binnen zwanzig Minuten hinunterwürgen, weil um Punkt Eins unser Guide eintreffen sollte. Dieser war dann auf die Minute pünktlich hier und ist ganz allgemein sehr auf zack. Cipriano, oder Cippi, wie er sich selber nennt und wie er quer durch Belize bekannt zu sein scheint, ist ein energischer Mittvierziger kreolischer Abstammung, der sich intensiv mit der Materie auseinandergesetzt hat und auf Bird Spotting, Hiking, Höhlen- und Kanu-Führungen spezialisiert ist.

Die Tempelanlage von Cahal Pech.

Mit Cippi ging es also auf nach der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen und ältesten Maya-Ruine Belizes. Die Geschichte Cahal Pechs reicht bis ins Jahr 1000 zurück. Vor unserer Zeitrechnung wohlverstanden. In der Maya-Stätte sollen einst bedeutende Priester und Maya-Königsfamilien abgetrennt vom normalen Volk gelebt haben. Eine mächtige Wand mit 13 Toröffnungen, die symbolisch für die 13 himmlischen Gottheiten stehen, trennt den Hauptbezirk von der übrigen Anlage ab. Nebst verschiedenen kleineren Pyramiden, die um die einzelnen Plätze angeordnet sind, beeindruckte uns natürlich das 25 m hohe Hauptgebäude, von dem man einst bis zu den anderen Mayastätten wie Xunantunich blicken konnte. Obwohl viele Strukturen wieder aufbaut wurden, harren verschiedene Tempel als bewaldete Hügel immer noch auf eine archäologische Untersuchung. Vieles liegt hier also noch verborgen.

Cahal Pech nimmt sich weniger beeindruckend aus als andere Tempelanlagen, allerdings ist sie mit einer 3000-jährigen Geschichte die älteste.

Die Anlage besass auch mehrere Ballspielfelder. Mit zusammengefunden Händen mussten die Spieler mit Kopf-, Ellenbogen- oder Kniestössen einen Kautschuckball durch einen horizontalen Steinring befördern. Der Sieger des Ballspiels wurde schliesslich ehrvoll den Göttern geopfert. So kann man das natürlich auch machen. Auf diese Weise sparte man sich wahrscheinlich teure Transfersummen.

Spielfeld für das Ballspiel der Maya, rechts und links waren die Sitzplätze für die Zuschauer.

Unser Guide Cippi lieferte uns nicht nur kulturelle Hintergründe, sondern machte uns auch auf viele Pflanzen und Tiere aufmerksam. In den trapezförmigen Räumen der Ruinen hingen zum Beispiele verschiedene Fledermäuse oder waren braune Streifen auszumachen, einem Minitunnelsystem von Termiten, deren mächtiger Bau in den umliegenden Bäumen zu sehen war. Beim Besucherzentrum, dass leider nur wenige Ausstellungsstücke zu bieten hatte, streckte er uns ein Zitronengrasblatt entgegen. Er machte uns auch auf den amerikanischen Balsambaum (Gumbo Limbo) aufmerksam, der scherzhaft auch Touristenbaum genannt wird, da der Baum, wie Touristen eben, rot wird und dann die Rinde abschält. Aus diesem Baum wird heilendes Baumöl gewonnen.

Ich rieche sie, Touristenblut – lecker!

Mit dem Hotelbus holperten wir dann weiter zur nächsten Maya-Stätte Xunantunich. Um dorthin zu gelangen, musste jedoch der Mopan überquert werden. Dazu stand eine mit Handkurbel betriebene Fähre zur Verfügung, die etwa die Hälfte des Flusses abdeckte und für vier Fahrzeuge Platz bot. Da man für die kurze Überfahrt aussteigen musste, bot sich die Zeit den auf einem Baum drapierten orangen männlichen Leguan und die unter den Bäumen hängenden Wasserfledermäuse zu beobachten.

Eine Fähre bringt Ross und Mensch über den Mopan.

Nach einem kurzen Anstieg auf einer ehemaligen Mayastrasse standen wir dann mitten auf einem Plateau umgeben von mächtigen Steinbauwerken eingebetet in einem tropischen Wald mit Zedern-, Mahagony- und Giftbäumen. Im Hintergrund ragte die mächtige Hauptpyramide Xunantunichs, El Castillo, mit ihren 40 m in die Höhe. Zuoberst auf dem imposanten Bauwerk angekommen, erblickten wir zwei Soldaten, die sich mit ihren Sturmgewehren bestmöglich in den Schatten gesetzt hatten. Cippi meinte „We’re near to the border. In Belize it’s peaceful, but Guatemala has some issues. And that’s why they are here.“ Wir waren also gut geschützt. Einst war der obere Teil der Pyramide von einem Figurenfries umgeben, von dem heute noch zwei zum Schutz vorgelagerte Fieberglasreplika sichtbar sind. Neben dem benasten Sonnengott und dem U-förmigen Mondgott liess sich auch eine Göttin in menschenform ausmachen, die steineren Frau, die der Anlage ihren Namen gegeben hat.

Die Stufen sind hoch, waren aber auch nicht zum Begehen gedacht. Kriechen war vorgesehen.

Die Brüllaffen sorgen in Xunantunich für ein stimmiges akustisches Ambiente.

Als wir vorsichtig die gerade noch zu verantwortende Stehposition auf der Pyramide ausgelotet hatten und die beeindruckende Sicht genossen, ging gerade stimmig dazu ein Geschrei, ja ein Gebrüll beeindruckender Lautstärke (siehe Clip) los. Cippi meinte, dass das Brüllaffen seien, ich konterte dann aber, dass ich eher Drachen vermutete, was er mit einem lauten Lachen quittierte. Wäre doch möglich, nicht?

 

 

Allmählich wird es definitiv gruselig …

… und in der Tat geht es hier steil nach unten. Ein Schritt weiter und die Reise kommt zu einem verfrühten Ende. Unten eine Maya Roulette-Spielhalle

Vom Dach des Tempels erschliesst sich eine ausgezeichnete Übersicht über Xunantunich.

Dass Cippi jeden Winkel hier kennt, wurde auch deutlich, als er einen Grashalm abriss und in einem Loch guselte, dann aber meinte, dass sie vielleicht nicht zu Hause sei, manchmal sei sie auch schlecht gelaunt, doch, da sei sie. Und schon kamen ein Satz pechschwarze Beinpaare der Tarantel zum Vorschein, die es offenbar nur bedingt liebte, mit einem Grashalm beim Mittagsschlaf gestört zu werden.
Leider schloss die Anlage bereits um 16.00 Uhr, wodurch wir leider keine Zeit mehr hatten, uns die verschiedenen Steinstelen und das Besucherzentrum ausführlich anzuschauen. Schade, aber es sollen ja noch mehr Mayastätten auf dieser Reise folgen.

Kann man hier eigentlich nicht in Ruhe sein Mittagsschläfchen halten?

Zurück im Hotel entspannten wir uns im kühlen Pool und bei einem feinen Abendessen im Hotelrestaurant mit Blick auf San Ignacio.

Beeindruckende und mitunter grosse, aber harmlose Bewohner Xunantunichs.

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