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Stefan & Steffu's travels

Actun Tunichil Muknal

Xibalbá, Ort der Angst, war im Glauben der Maya die neunstufige Unterwelt, in welcher Verstorbene so lange bleiben mussten, bis sie diese nach bestandenen Prüfungen, Kämpfen und auferlegten Leiden schliesslich verlassen durften. Nur Selbstmörder, Geopferte und im Kindbett verstorbene Frauen stiegen direkt in den Himmel auf. Die Maya glaubten, dass ihre Priester mit Xibalbá Kontakt aufnehmen konnten, wenn sie Höhlen betraten. Die neun Götter der Unterwelt, wie auch die dreizehn Götter der Oberwelt konnten sowohl gut, wie auch böse sein. Es war daher wichtig, diese mit Opfergaben gnädig zu stimmen. Geopfert wurden beispielsweise Kakao, Früchte oder Getreide. Die wertvollsten Opfer waren allerdings Menschenleben.

Actun Tunichil Muknal ist ein solches, für die Maya wichtiges und über fünf Kilometer führendes Höhlensystem. Die Entdeckung der Höhle wird Thomas Miller und dem Jahr 1989 zugeschrieben. Tatsache ist jedoch, dass die Maya erstens nicht ausgestorben sind und sie zweitens von der Höhle wussten. Sie betraten sie aus Ehrfurcht lediglich nicht.

Leider hielt der Seesack später nicht dicht

Actun Tunichil Muknal kann heute unter strengen Auflagen wie Fotografieverbot, Gruppengrösse, Anzahl Gruppen, handverlesene Guides etc. und vor allem auch unter Inkaufnahme einiger Anstrengungen besucht werden. Also nahmen wir die Strapazen auf uns und gingen heute auf Höhlenexpedition.

Ausgerüstet für die Höhlenexpedition

Eine Auswahl, die man bei uns im Kaufhaus selten findet – die Macheten stehen neben den Reinigungsmitteln

Beim Ausrüsten auf dem Parkplatz erfuhren wir rasch, dass wir heute nur einmal nass würden, nämlich bereits fünfzig Meter nach dem Parkplatz und dann so lange nass bleiben würden, bis wir fünf Stunden später wieder zurückkämen. Also gingen wir los. Über den Fluss ist ein Seil zum Festhalten gespannt, that’s it. Der Guide meinte noch „Don’t mind the crocodiles, they have all been eaten by the piranhas.“ Na dann ist ja alles gut.

 

Eine der drei Flussdurchquerung (Bild von http://blog.heiberg.dk)

Nach drei Flussdurchquerungen, einem dreiviertelstündigen Fussmarsch und einem Briefing betraten wir schliesslich die Höhle. Also eigentlich betraten wir sie nicht, man muss die ersten fünfzehn Meter nämlich schwimmen, die Lampe auf dem Helm eingeschaltet. Danach hiess es waten, schwimmen, klettern, auf dem Hosenboden vorwärts tasten und sich zwischen Felsblöcken durchwinden. Wer Actun Tunichil Muknal besucht, darf also keine Angst vor engen Räumen haben. Auch von Vorteil ist, wenn man keine grösseren Probleme mit Fledermäusen, umherschwirrenden Insekten und Spinnen hat.

Schwimmend gelangen wir in die Höhle (Bild von www.jmbelizetravel.com)

Irgendwann gingen gleichsam Zeitgefühl und Distanzsicherheit flöten. Die Bilder, welche die Höhle Besuchern bietet sind beeindruckend. Im Schein der Stirnlampe funkelt es immer wieder, wenn Stalaktiten oder Stalagmiten mit Calcitkristallen übersät vom Licht getroffen werden. Für die Maya musste es damals noch viel eindrücklicher gewesen sein, weil sie mit Fackeln einen heiligen Ort zu begehen glaubten und wohl auch nicht zuletzt, wegen der Zuführung psychoaktiver Substanzen. Ich regte den Guide an, dass sie ja solche special tours durchführen könnten. Diese Idee vermochte ihn sehr zu amüsieren.

Grosse Halle mit wunderbaren Sinterformationen und Tropfsteinen (Bild von http://discovermagazine-com)

Nach gefühlten Stunden erreichten wir schliesslich die heiligen Stätte. Von nun an hiess es zum Schutz der Artefakte in Socken weiterzugehen. Leute, es gibt Angenehmeres, als stundenlang in nassen Socken auf lehmigsandigem Boden umherzugehen. Allerdings betraten wir dann auch eine verrückte Welt. Überall lagen Gefässe verteilt, welche die Maya als Opfergaben wahrscheinlich primär dem Regengott Chac darbrachten. Dazu zerschlugen sie die gefüllten Gefässe ganz oder teilweise oder bohrten sie auch nur an.

Pinke Absperrbänder am Boden verhindern, dass man auf die herumliegenden Tonartefakte steht (Bild von http://rumorsresort.com)

Plötzlich tauchte im Licht meiner Lampe ein Schädel auf. Beim genaueren betrachten fiel auf, dass der Schädel länglich war, also von Geburt an flach bandagiert wurde, damit der Hinterkopf schön hübsch und lang wurde. Am Schädel zu erkennen war auch die damalige Todesursache in der Höhle, nämlich ein seitlicher Schlag auf den Kopf. Die Maya haben nicht irgendwelche Leute geopfert, sondern die Besten.

Schönheit des Schreckens (Bild von http://belizescuba.com)

Vorbei an weiteren Opfern gelangten wir schliesslich zum Höhepunkt der Expedition. Intakt, wie damals hingelegt, kann das ‚Crystal Maiden‚ genannte Skelett eines jugendlichen Menschenopfers bewundert werden, welches mittlerweile von Kristallen überzogen ist, daher auch der Name. Allerdings ist nicht schlüssig geklärt, ob es sich tatsächlich um eine junge Frau, oder aber um einen jungen Mann handelt. Klar ist aber, dass die Opferung durch die Entfernung der Eingeweide erfolgte.

Beeindruckt vom Bild des glitzernden Skeletts traten wir nun den Rückweg über und unter Fels, Wasser und Stein an.
Der Besuch von Actun Tunichil Muknal war anspruchsvoll, aber ein ganz spezielles Erlebnis, welches wir zeitlebens nicht mehr vergessen werden. So nah fühlten wir uns den Maya noch nie.

Froh, die Höhlen wieder heil verlassen zu haben

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