Renato sitzt draussen auf dem Savanna-Chair von Helinox. Am Esstisch sitzend geht mein leerer Blick vorne durch die Windschutzscheibe auf das gefallene Laub am Boden. Besser wird es sein, so denkt es mir, wenn der Blick im parkierenderweise abgestellten Fahrzeug durch die Windschutzscheibe geht, als wenn dies die Fahrenden bei einem Auffahrunfall bei hundertzwanzig Sachen tun. Laub fällt zu Boden. Es könnte Herbst sein. Oder vielleicht von der Dürre. Man weiss das nicht so genau. Die hügelige Landschaft im Département Lozère sieht aus, wie früher die Wüste von Tabernas dreingeschaut hat und die liegt fast tausend Kilometer südlicher, wie die Krähe fliegt. Fallendem Laub wohnt etwas dehydriert Allegorisches inne. Da könnte man durchaus schwermütig werden. Ein bisschen Schwermut geht in Ordnung. Vor allem bei fallendem Laub.
Für einmal ein „Les Plus Beaux Ponts de France“: Viaduc de Garabit. Aber mit Wasser ist auch hier nicht viel zu wollen
Das gestrige Pérouges schien mir zu den einstigen Pérouges so ganz und gar nicht protofranzösisch zu sein. Weil da hatte es viel zu viele Menschen zu. Und ein Anspruch dieser Reise muss schliesslich schon sein, Renato das genuine Frankreich näher zu bringen. Weil sonst könnte man ja auch einfach zu Hause irgendeine in Frankreich gedrehte Netflix-Folge anschauen. Diese haben jedoch bisweilen in etwa so viel mit der Realität gemein, wie das Weltbild gewisser amerikanischer Präsidenten. Aber bleiben wir in hiesigen Landen. Uns schien, so zeigte die Erfahrung der letzten wasweissich wievielen Besuche von Les Plus Beaux Villages de France, dass eines der Kriterien, welche ein Ort erfüllen muss, um in diese Liste aufgenommen zu werden, die ist, dass der Ort annähernd zur Gänze entvölkert sein muss, sich also unwillkürlich der Eindruck eines Freilichtmuseums einzustellen hat. Besuchende scheinen sich in einer hübsch drapierten Kulisse eines postapokalytischen Frankreichs wähnen zu sollen. Ihr wisst schon. So wie in den Filmen mit ohne Menschen, ausser den Protagonisten, welche durch entvölkerte Gegenden latschen. Also abgesehen von der sie begleitenden Kamera. Und der die Kamera führenden Person. Und der Regie. Und was sonst noch so dazu gehört. Ich bin da kein Fachmann. Item. In Le Malzieu-Ville ist das, nennen wir es einmal Entvölkerungs-Kriterium, jedenfalls geradezu perfekt erfüllt. Kein Knochen. Also abgesehen von uns natürlich. Auch keine die Kamera führende Person. Das müssen wir schon selber machen.

Im Sommer kann auch der ganze Fahrgastraum zum Ofen werden. Im Herbst beschränkt sich der Ofen auf die Omnia.
Machen muss ich dann auch noch Pizza. Das geht gut im Omnia-Ofen. Ist aber etwas schwieriger, als zu Hause. Wenn man da das Gas nicht so gut dosiert, ist unten schwarz und oben der Teig noch roh. Das macht dann eben nicht so Freude.
Schön und wie eine leere Filmkulisse
Die etwas mehr als 350 Kilometer Fahrt heute fühlten sich erstaunlich kurz an. Vermutlich liegt das an den geführten und abgearbeiteten Gesprächen. Wir könnten die Gespräche an dieser Stelle in voller Länge wiedergeben. Mit der Transkribierungsfunktion von Teams geht das heute ja ganz leicht. Aber das gäbe dann doch wohl sehr viel Text. Und das Besprochene soll auch etwas unter uns bleiben. Finde ich. Kleine Mädchen sollen schliesslich auch neben ihrem Tagebuch das eine oder andere Geheimnis haben dürfen. Ist es nicht so?










