Exploring the world

Stefan & Steffu's travels

Der Name der Rose

Wer im Jahre des Herrn 1980+ bereits des Lesens und vielleicht sogar der Literatur mächtig war, oder aber um 1986 Kinobesuche tätigte, der oder dem wird Umberto Ecos Welterfolg ‚Der Name der Rose‘ etwas sagen, im Original ‚Il nome della rosa‘.

Für alle anderen und sonst in aller Kürze zur Rekapitulation: Die Handlung spielt im Jahr 1327 und folgt dem Franziskanermönch William von Baskerville und seinem Novizen Adson von Melk in einer norditalienischen Abtei. Sie untersuchen dort eine geheimnisvolle Mordserie. Die Lebenserwartung war im späten Hochmittelalter eh schon kurz, in Klostern interessanterweise noch kürzer und Eco liess seine Protagonisten in seiner Benediktinerabtei in den Ligurischen Alpen wie die Fliegen wegsterben, respektive wegmeucheln.

Vor allem das Refektorium (Schlafsaal der Mönche) wurde im Film als Kulisse für das Skriptorium verwendet (Bildnachweis: kino.de)

Falls Ihr Euch nun fragt, ob ich ohne Vorwarnung das Genre gewechselt habe und Ihr in einem Literaturclub gelandet seid, dem ist nicht so. Wir haben durchaus Zusammenhang und zwar wie folgt: Der filmische William von Baskerville ist besser bekannt als Sean Connery, den Adson von Melk kennt man als damals noch blutjungen Christian Slater auch noch, das ligurische Kloster wird man hingegen vergebens suchen, das ist Fiktion, aber so gut wie alle Innenaufnahmen des Films entstanden im Kloster Eberbach im Rheingau und damit sind wir bei unserem Programmpunkt und wieder sicher in einem Reiseblog. Dass der Film zu erklecklichen Teilen im Kloster Eberbach gedreht wurde, ist dabei einigermassen merkwürdig, stammte Sean Connery doch aus Schottland, Christian Slater aus den U.S.A. und Umberto Eco ist Italiener. Aber nun gut, sie wollten das halt so.

Some Lama – no drama

Wer im Rheingau zu Gange ist, kann das ehemalige Kloster der Zisterzienser jedenfalls gut für einen Besuch vorsehen, da spricht wenig dagegen. Ausser vielleicht, dass es von aussen zwar pittoresk, innen dann aber recht mau ist, will meinen; alles leer. Aber für einen Drehort ist das vermutlich so unpraktisch gar nicht: Platz ist reichlich vorhanden und da kann man Requisiten und Schauspieler nach Belieben reinpacken. Da der Roman im Winter spielt, wurde auch im Winter gedreht und uns wurde während der Führung gesagt, dass es ein ziemliches Gemotze am Filmset gab und die Hälfte laufend erkältet und krank war, im Winter ist Barfuss in Heilandsandalen und Mönchskutte halt nicht dasselbe wie daunengefütterte Mäntel. Während der Führung schaute ich mir jedenfalls alle Personen genau an, welchen wir begegneten. Christian Adson Slater war jedenfalls nicht darunter, auch nicht Ron Salvatore Perlman oder der Inquisitor F. Murray Abraham. Am meisten aber hätte ich mich gefreut Sean Connery zu begegnen, noch immer einer der Grössten. Jedenfalls kein einziger da, wofür bezahlt man dann eigentlich?! Ich also zurück an die Kasse zur Eintrittsgeldrückforderung. Die hatten da aber gar kein Musikgefühl und schauten mich bloss an, als sei ich von Sinnen.

Das Kloster ist heute Verstaatlicht und wird zu touristischen Zwecke verwendet

Da ich den Film ziemlich geil fand und mir sagte, dass Umberto Eco als Literat wohl schon etwas tauge, tat ich mir 1997 oder so sein Buch ‚Das Foucaultsche Pendel‘ auf. Der Titel bezieht sich dabei auf den Physiker Léon Foucault und nicht etwa auf den bekannten Philosophen Michel Foucault, was bei der literarischen Komplexität, welche der Autor anschlug, ja durchaus hätte sein können. Das Lesen dieses Buches hätte ich wohl besser bleiben lassen, zumindest damals. Ich ging beim Lesen zwar schon davon aus, dass Umberto Eco sein Handwerk verstünde, aber die schiere Aneinanderreihung von scheinbar unzusammenhängenden Fremdwörtern ging mir damals irgendwann auf das Pendel. Eigentlich merkwürdig, tendiere ich selber doch mitunter ebenso zum Schwurbeln. Ich verrate Euch an dieser Stelle auch den Grund, weshalb ich diesem Hobby fröne, er ist ganz simpel: Weil mir das Spass macht und ich mich dabei durchaus selber nicht ganz ernst nehme. Jedenfalls packte ich das Buch nachhaltig fort und machte dies dabei nicht Umberto Eco, sondern mir zum Vorwurf. Etwas beruhigt hat mich dann aber eine vernichtende Kritik im Literarischen Quartett: Marcel Reich-Ranicki erklärte, bei der Lektüre gelitten zu haben, und bezeichnete sich als Opfer dieses Buches. Ich höre ihn das direkt sagen – Reich-Ranicki kommt halt am geilsten, wenn man ihm zuhört, das kann so nur er. Oder konnte. Wann er wohl heiliggesprochen wird?

Weinbau in XXL im Jahre MDCCCI

Das Kloster Eberbach ist aber nicht nur bekannt als Filmset, die Mönche waren richtig gut mit Weinen. Die Weinkeller des Klosters sind eine Freude, welche allen Önologen und anderen Weinliebhabern die Herzen höher schlagen lassen. Hier stand auch das grösste Weinfass ever: 71‘000 Liter passten da rein. Das Fass ging leider kaputt, aber die Vorderseite steht noch und lässt die Grösse erahnen. Vermutlich davon angefixt und wie ferngesteuert, hielten wir schliesslich auf die Kellerei zu und kamen mit einem Sechsergaschoo wieder raus. Damit können wir uns zu Hause noch etwas beschäftigen und uns an den Schluss einer tollen Sommerreise erinnern.

Das Kloster hatte unterschiedliche Herren

Eben sind wir an Rust vorbeigefahren und werden morgen den Malibu versäubert einstellen und ihm nach ziemlich exakt 4000 Kilometern wohlverdiente Ruhe gönnen. Damit verabschieden wir uns bei Euch und gehen in die Sendepause. Im Herbst wird es zwar eine Reise geben, aber da es sich dabei einerseits ziemlich exakt um eine bereits zweifach so absolvierte Reise handelt und andererseits Stefan aus beruflichen Gründen nicht dabei sein wird, werde ich auf das Führen des Blogs verzichten, zumal der Aufwand beträchtlich ist, wenn man alles alleine machen muss, also Text, Bildbearbeitung, Technik und Layout.

Dem Rhein entlang nach Süden – Currywurst muss sein

Wir werden über die Festtage bestimmt wieder etwas machen, uns wird dann schon etwas in den Sinn kommen. Bis dahin verabschieden wir uns von Euch und wünschen Euch zwischenzeitlich schöne Erlebnisse.

Ganz nach der Heisenberg’schen Unschärferelation: in der Schweiz und doch noch in Deutschland

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2026 Exploring the world

Thema von Anders Norén