Damit das Storytelling einen gewissen Grad an Unterhaltsamkeit aufweist, enthalten unsere Blogtexte Überhöhungen, abenteuerliche Querbezüge und auch mal die eine oder andere gesellschaftskritische Überpointierung. Ein Mittel der Wahl können auch Superlative sein, wobei diese bekanntlich sparsam eingesetzt werden sollten. Werden sie im Gegenteil aber gezielt inflationär verwendet, können diese wiederum ein probates Stilmittel sein. Die Anbieter eines unweit von Dover gelegenen Campingplatzes schlagen hier alles bisher Gelesene und das in einer Reservationsbestätigung! Aber lest gerne selber, Leute, das ist also unterhaltsam:
Thank you for choosing to stay at Coxhill Camping!
The Coxhill Camping Team
After your booking pinged into our inbox, the biggest fanfare sounded over the village of Shepherdswell to notify everyone of your recent booking, we all had a wonderful celebration and afterwards the Coxhill Camping Team gathered to march up the track to the campsite. An urgent team meeting was called to put in place an important action plan in readiness of your imminent arrival.
A special request has been submitted to the weatherman for bright warm sunshine for your stay. Unfortunately, he isn’t making any promises this summer but our whole team will be performing a sunshine dance until your arrival day.
The local wildlife have agreed to be on hand to fill the air with flutters, buzzes & countryside acoustics throughout your stay.
Finally, we’ve been busy practising our friendly hello welcome. And although we have perfected our Hello, we have to admit – our Bonjour, Hallo, Guten Tag, Ciao, Hej, need a little more work! But we promise to try our best.
Your picture has been hung on our wall as “Camper of the year!” and we will be on hand with a great big smile should you need us throughout your stay! We can’t wait to welcome you!
Im Vorfeld waren wir gespannt, ob wir da auch etwas geboten kriegten, oder ob das nur Schall und Rauch war. Tatsächlich stand da ein rotbärtiger Brite mitten auf einem Feld bereit und erklärte uns während zehn Minuten alles bis ins Detail, selbst das Offensichtliche, inklusive Sonnenverlauf, kein Witz! Er tat dies mit einem fast schon religiösen Eifer und ich bin mir sicher, er leistet diesen Einsatz nötigenfalls vierzig Mal am Tag mit derselben Begeisterung ab – I admire that kind of enthusiasm. Ich würde den Mann sofort anstellen, egal wofür!
Die DFDS war uns dieses Mal zu teuer. Auf der P&O-Ferry lässt es sich aber auch gut bloggen
Diese Zeilen entstehen an einem Bistrotischchen auf einer P&O-Ferry. Beim Übersetzen nach England fiebere ich jeweils freudvoll der Kalksteinküste von Dover entgegen. Auf den Retourfahrten, in entgegengesetzter Richtung also, dann eher nicht so. Dann lenke ich mich mit dem Lesen einer Gebrauchsanleitung von einem Theremin oder dem eines Beipackzettels von Pantoprazol 20 ab. Oder dann eben mit dem Schreiben des Blogs. Täte ich das nicht, glitte meine Aufmerksamkeit dem sich in tiefer Basslage bemerkbar machenden Gefühl entgegen, welches mir sagt, dass es mich gerade ausgesprochen ansemmelt. Das Reisefieber ist eben eine unheilbare Krankheit. Aber eine, unter welcher ich gerne zeitlebens leide.
Wenn wir nach der Ankunft wieder im Van auf Achse sind, wird es jeweils auch wieder besser, da die andere Kanalseite eben noch nicht zu Hause ist und also noch der eine oder andere Tag Reisen angesagt ist, an welchem wir auch Dinge anschauen und erleben können.



Einmal Belgien, einmal Autobahn und schwupps schon Holland
Wir beschlossen, die Rückreise nicht mehr durch Frankreich, sondern östlich im Sichelschnitt – genau, Erich von Manstein – zu vollziehen. Da hat es schliesslich auch noch Zeug, sogar Länder. So zum Beispiel Belgien und die Niederlande, die gibt es ja auch noch. Aber durch Belgien fahren wir nur durch und in den Niederlanden gehen wir stehen, wie das im Camper-Jargon heisst. Morgen wollen wir dann nach Aachen in Tschörmeni. Als ich da mal mit Interrail durchreiste, war keine Zeit für einen Besuch, weil ich nach Brugge (Brügge) wollte, welches seinerseits eben wieder in Westflandern, also in Belgien liegt. Deutschland und Belgien scheinen irgendwie nicht vereinbar zu sein, aber sei es drum. Bei der Durchfahrt durch Aachen im 2019 tat ich mir diese Stadt jedenfalls auf die Bucket List und nun könnte die Rückreise eine Gelegenheit sein, da einen Haken drauf zu setzen. Campingplätze sind da nicht so, aber die Stadt bietet einen Stellplatz beim Stadtzentrum an. Dieser böte Platz für 40 Camper, aber Städte sind beliebt und Camperreisen noch mehr. Deutsche Camper scheinen eine Eigenschaft zu haben, welche wir in den letzten Jahren festgestellt zu haben glauben: Morgens um neun beginnen alle Dieselmotoren zu laufen und fünf Minuten später sind alle Deutschen weg, sofern sie nicht einen weiteren Tag bleiben wollen. Da kannst Du also Deine Uhr richten nach. Und nun ist auch klar, welches unsere Taktik ist, damit wir uns morgen einen Platz in Aachen ergattern können müssten: Morgens um zehn nach neun rein. Mal schauen, ob der Plan aufgeht, wir werden berichten.
Zwischenstopp in niederländigschen Stevevensweert an der Maas mit Blick auf Belgien




