Hereford, Herefordshire, POST VESPERANDUM: Wie gestern kund getan, verlangt die Ehre, dass ich in Hereford im englischen Herefordshire in persona zu erscheinen habe. Noch zu Hause prägte sich beim Kartenstudium von Wales der Stadtname in mein Auge und da musste ich gar nicht erst nachschlagen um Stefan zu eröffnen, dass wir da hin müssten.

Dem Auge Saurons gleich erhebt sich die Sonne um halb sechs morgens über den Kirchturm von Ludlow
Der Begriff der Ehre kann in verschiedenen Prägungen nuanciert werden, in neutralen, negativ gefassten, aber auch in positiven. Wir denken beispielsweise an das Ehrenwort, das Ehrenamt, bei den Kiddies vor kurzem an der Ehrenmann und bei den Illuminati an den Ehrencodex. Gemeinhin negativ aufgefasst wird der Ehrenmord, es sei denn, man verübt einen solchen selber und findet das in Ordnung. Eine sehr schöne Form stellt die Ehre des Kartografen dar, finde ich zumindest. Nun ist es zwar so, dass ich mich von dem einst (!) schönen Beruf abgewendet habe, aber gelernt ist gelernt und ein in dieser Gilde verbrachtes Vierteljahrhundert geht so spurlos an einem dann eben auch nicht vorbei. Und falls das nicht ausreichte, erhielten wir die kartografischen Grundsätze so etwas von eingraviert, dass keine Brandings auf unseren Körpern mehr nötig waren: Was wir verabreicht kriegten, reicht viel tiefer und wurde direkt mit der Seele verschränkt. Etwas dergestalt Verinnerlichtes bleibt nämlich bis zum Tod und darüber hinaus bestehen, das ist erwiesen. Aber das geht in Ordnung.
Unterwegs in Hereford auf dem Weg zur mappa mundi
Eingeprägt, im vorliegenden Fall in Kalbsleder, sind die Kartenelemente der weltberühmten Hereford-Karte. Die mappa mundi von Hereford ist die grösste der wenigen verbliebenden Karten dieses Typus. Grösser war einzig die Ebstorfer Weltkarte, aber die verbrannte leider 1943 bei einem Bombenangriff auf Hannover. Es versteht sich also von selbst, dass die Hereford-Karte UNESCO und alles.
Kathedrale von Hereford
Wer sich auf diesem kartografischen Wimmelbild des Mittelalters zurechtzufinden sucht, wird feststellen, dass da gleich in zwei Dimensionen alles etwas durcheinander geraten ist. Zum einen befinden sich Orte und Städte in recht abenteuerlicher Nachbarschaft zueinander, aber das sah man damals nicht so eng. Dann wurden geografische Begebenheiten munter mit Fiktivem kombiniert.
Ein paar Ausschnitte der Hereford-Karte (von oben links im Uhrzeigersinn): 1. Jerusalem steht in Zentrum, 2. Basel als einziger Ort im Raum der heutigen Schweiz steht neben Augsburg Kopf, 3. Die Arche ist beladen, 4. Der originale Rahmen der Karte, 5. Turm zu Babel in Mesopotamien, 6. Das Rote Meer
Man findet Menschen mit vier Augen, Monster, Tiere – welche so sicher auch damals nicht auf dem Erdenplan umherstreiften – und auf Kreta wurde das Labyrinth des Minotaurus gleich mit eingezeichnet. Gewässer sind dann wiederum naturähnlicher in blauer Farbe gehalten, ausser das Rote Meer, das ist selbstverständlich rot. Nun ist es aber nicht so, dass gepfuscht worden wäre, tatsächlich ging es den Autoren vielmehr darum mit der Karte eine Geschichte zu erzählen.

Zum selber erkunden auf das Bild klicken, Pause drücken und einzoomen 🤗: In dieser englischen Adaption findet man sich gut zurecht!
Ebenfalls vorhanden ist auch noch der originale und eigens angefertigte Rahmen, in welchem die Karte gefasst war. Es wird vermutet, dass die Karte bereits bei der Konzipierung durchaus als Touristenattraktion vorgesehen war.
Die Bibliothek der angeketteten Bücher mit einem wunderbar erhaltenen Exemplar aus dem 9. Jhdt. Das anschliessende Bistro hat Grabtafeln anstelle von Bildern
Ein Besuch sind neben der Karte auch die interessante Bibliothek, in welcher die Bücher sicher angekettet sind. Bücher waren damals von einem sehr grossen Wert und konnten schon einmal dem eines Hauses entsprechen.
In der Kathedrale von Hereford
Schliesslich gibt auch die Kathedrale einiges her. In der Krypta fiel mir auf, dass das Gesicht einer Bronzestatue eines Pfadfinders dem erwachsenen Antlitz eines römischen Soldaten auf dem Altar gleicht. Tatsächlich handelt es sich bei beiden um den Sohn eines Lord Whatsoever. Der Künstler, dem der Junge für die Pfadfinderbronze Modell stand, erhielt vom Vater ein paar Jahre später den Auftrag den Altar anzufertigen. Diesmal zu Ehren des Sohns, der als 2nd Lt im Ersten Weltkrieg im Alter von neunzehn Jahren fiel. Die Hereford-Karte ist von den Lettern M-O-R-S umrahmt.
Leider war der Modell stehende Junge ein paar Jahre später tot – Altar zu seinen Ehren
























