Exploring the world

Stefan & Steffu's travels

Akrophobia II

Noch sind es bis zur Pension ein paar Lenze hin. Bedeutet, dass nicht ewig und nach Belieben in allen Landen herumgelungert werden kann. Will meinen, dass wir allmählich einen Platz auf einer Fähre enger ins Auge fassen und hernach die noch verbleibenden Etappen rückwärtsterminieren müssen. Leuten mit einem Projektleitungsfetischismus – IPMA Level A und B, vielleicht auch C – geraten bei solchem in höhere Erregung (wenn sie dann auch noch retrograd planen können, drehen sie komplett leer). Aber auf Reisen ist Rückwärtsterminieren scheisse. Aber muss eben. Also machten wir zum ersten Mal auf dieser Reise einen Plan, der über einen Tag hinausreicht und dieser sieht vor, dass wir morgen in Hereford im englischen Herefordshire zu erscheinen haben. Da bin ich so moralisch und so verpflichtet zu, aber dazu morgen mehr.

Gaerhyfryd: Punkto Sauberkeit, Ausstattung und Natur der schönste Campingplatz auf unserer Reise

Wenn man auf Reisen von einem bedeutungsvollen Ort herkommt – gestern Conwy – und also nach einem anderen bedeutungsschwangeren Orte hin will, oder muss, kann es schon mal vorkommen, dass dazwischen nichts als Strecke liegt. Heute war dem so und wir für einmal mit nichts als einer Himmelsrichtung unterwegs. Als wir am Morgen im übertragenen Sinn in See stachen, beschied ich Stefan noch, dass wir des Wegs noch immer unverhofft an Dinge heran gerieten, die zu besuchen angezeigt gewesen wären. So sollte es auch heute sein. Ist zudem nicht insbesondere auch das Antreffen des Unerwarteten Essenz des Reisens? Ich würde es meinen.

Cappuccino Pause mit Blick auf die River Rafter

Als wir uns – wir hatten sonst ja wenig zu tun – den angetroffenen Touristenort Llangollen besahen, wurden wir in diesem von einem Schilde auf ein nahe gelegenes UNESCO-Worldheritage aufmerksam gemacht. Und wenn dieser Begriff erscheint, hat dieser zuerst einmal unsere volle Aufmerksamkeit und danach sind wir auch jeweils rasch vor Ort zur Stelle. Den Ort Llangollen kann man ansonsten besuchen, muss man aber nicht. Zwar ist es schon so, dass der Buchstabe „L“ im Walisischen mit 6.3% eine höhere Buchstabenhäufigkeit aufweist als im Englischen (4.03%), aber der Ortsname Llangollen wartet mit einem L-Anteil von satten 40% auf. Ich vermute einerseits einen statistischen Ausreisser und andererseits ist mit n = 10 der Stichprobenumfang auch arg klein, da braucht man das Konfidenzniveau nicht einmal zu berechnen.

Boote, die 40 m über einem Fluss fahren – die Spinnen die Briten!

Wir also mit einem Fährtensinn von europäischen Aalen dem UNESCO hinterher und tatsächlich wurden wir im Tal des River Dee fündig. Dort führt das 200 Jahre alte Pontcysyllte-Aquädukt als schiffbare Trogbrücke den Llangollen-Kanal über den River Dee. So. Damit ist das Wesentliche auch schon gesagt. Für das Ziehen in der Leistengegend muss man dann schon selber rübergehen, oder dann eben in einem Hausboot oder dergleichen rüberschwimmen. Und ich sage Euch: Das Aquädukt hat uns also auf dieser Reise Akrophobia II beschert und das auf eine recht ungewohnte Weise: Links des sehr schmalen Fusswegs ging es zwar rabiat runter, aber da war gottlob ein ordentliches Geländer montiert. Dann kam der erstaunlich schmale Trog der Fahrrinne, welcher rechts gerade mal durch den vielleicht 30 cm niedrigen Rand aus etwas Gusseisen begrenzt war. Wer da vom Boot rutscht, hat ein definitiv sehr rasches und unerwünschtes Ferienende.

Nichts für Bootsführer mit Höhenangst!

Als Fussgänger würde man zwar nicht abstürzen, sondern im Wassertrog landen, aber weil da einfach gar nichts mehr ist, währenddem auf der anderen Seite ein Geländer befestigt ist, sorgt das irgendwie für ein wechselseitiges Lendenkitzeln mit Brainfuck.

Back in England: Castle Ludlow

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