Das Übergangsmetall Kupfer – chemisches Symbol Cu, Ordnungszahl 29 – fiele professionbedingt in die Zuständigkeit von Stefan. Auf dem Parys Mountain wurde in der Bronzezeit und dann wieder in der viktorianischen Periode Kupfer abgebaut. Das ist dann wiederum historisch und damit mein Ressort. Und nun haben wir ein Zuständigkeitsproblem. Und wie jede ordentlich verbeamtete Staatsperson weiss, gibt es nichts Bemühenderes – für Fortgeschrittenere: oder Praktischeres! – als unklare Zuständigkeiten. Die hier vorliegende Zuständigkeitsproblematik kann allerdings deduktiv aufgelöst werden, indem ein weiterer, dem Sachverhalt angemessener Parameter hinzugezogen wird und dabei muss es sich um das Verfassen von Blogtexten handeln. So angelegt ist mit 2:1 klar, wer ran muss und also bin ich das. Kurzer Exkurs an dieser Stelle: Bei der gestern nachmittäglichen Frage des Verbleibens auf einem, naja, nennen wir es mal Campingplatz, überlegten wir, ob eine Sicherheitsfrage anzulegen sei und der Ressortverantwortliche beschied, dass geblieben werden könne.
Wo einst mit Spitzhacke und Schweiss gebuddelt wurde, herrscht jetzt Stille und Farbenpracht
Wir waren beim Kupfer: Von Kupfer wurde an anderer Stelle, vom eben Sachver- und damit Zuständigen, berichtet, Referenzpunkt zur unterdessen stillgelegten walisischen Kupfermine im Tagbau wäre jedoch die chilenische Mina de Chuquicamata. Bei dieser grössten Kupfermine der Welt im Tagbau blieb uns die Spucke weg. Das könnte aber auch an der schieren Trockenheit der Atacama-Wüste gelegen haben. Problem ist, dass wir im Jahre des Herrn 2009 da waren und also ANTE Blog. Aber Stefan macht Euch drei Bilder rein, Kameras gab es damals nämlich schon.
Mit 4 km Länge, 3 km Breite und 1 km Tiefe ist Chuquicamata etwas grösser und aktiver als Parys Mountain
Kupfer sahen wir auf dem Parys Mountain allerdings keines, das wurde ja abgezügelt. Zwar ergab eine Sondierbohrung, dass noch 6 Millionen (!) Tonnen Kupfer 300 Meter unter tags lägen, aber das wirtschaftlich rauszugrübeln rechne sich nicht. Also liessen wir die 6 Millionen Tonnen Kupfer ebenfalls in Ruhe und reisten weiter.
Unvollendet – vollendet: Baumaris Casle
Wie vorgestern berichtet, bildet das am anderen Ende der Menaistrasse liegende Beaumaris Castle das Gegenstück zum Caernarfon Castle. Weil das Beaumaris Castlein einer topfebenen Landschaft angelegt wurde, musste, oder konnte die Burg die Topografie nicht aufnehmen. Also konnte eine idealtypische Burg gebaut werden. Beaumaris Castle sollte also die perfekte Burg sein, was sich auf Luftaufnahmen unschwer erkennen lässt. Blöd nur, dass die Burg nicht nur perfekt werden, sondern vor allem unvollendet bleiben sollte. Als sich König Edward I. dem Schottlandfeldzug zuwendete, blieben ihm keine Mittel für den Bau mehr und so kann heute quasi eine mehr als 700 Jahre alte Bauruine besucht werden.
Rapunzel lass dein Haar herunter
Das Conwy Castle schliesslich wurde wiederum fertiggestellt und man möchte meinen, dass wir dieses besucht hätten, um die vier Castles and Town Walls of King Edward in Gwynedd des UNESCO-Welterbes volle zu machen, damit das zählt. Wenngleich eine Burg eindrücklicher als die andere ist, scheint mir Conwy Castle nun doch die hübscheste, vermutlich auch, weil die gleich noch eine Stadt mitsamt einer Umfassungsmauer mit Türmen und alles einschliesst.
Das Städtchen Conwy lässt sich auch gut von oben auf dem Mauerweg besichtigen
Je nach Zählweise findet man in Conwy noch immer zwischen 29 (Mistral-KI) und 41 Türme (meine Zählung auf einem Luftbild). Ich vermute, die Differenz liegt darin begründet, dass ich die Tortürme inkludiert habe. Aber besteht ein richtig fettes Tor nicht aus zwei Türmen mit Torbogen und so dazwischen?
Man hat das Gefühl, die elisabethanischen Bewohner des Plas Mawr wären erst gerade ausgezogen
Als eigentliches und unverhofft angetroffenes Kleinod stellte sich das Stadthaus Plas Mawr heraus. Neben den Burgen nimmt sich dieses vermeintlich bescheiden aus, aber ich würde mal unterstellen, dass es nicht mehr viele Wohnhäuser aus der (Spät-)Renaissance – hier das Elisabethanische oder goldene Zeitalter – gibt, welche noch immer im Originalzustand fortbestehen. Da müssen im Verlauf von einem knappen halben Jahrtausend schon ein paar begünstigende Faktoren zusammenspielen. Damit wir uns etwas besser in die damalige Zeit versetzen können, wollen wir mal schauen, was auf der Welt des damals neu gebauten Stadthauses Plas Mawr geschah: William Shakespeare schickte sich an Hamlet zu schreiben. Sein Kollege, der Dramatiker Christopher Marlowe kriegte (mutmasslich) ein Messer ins Auge (und starb). Das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken führte als erstes Territorium der Welt die allgemeine Schulpflicht und Papst Gregor XIII den heute noch immer geltenden gregorianischen Kalender ein. Martin Luther nagelte seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche, William Gilbert erkannte als Erster elektrische Phänomene und prägte den Begriff Elektrizität und in Italien fiel der Maler Tizian der Pest zum Opfer.
Auch wenn Tyler Swift wie in Baumaris angegeben wohl auch nicht in Conwy lebt, ist das Städtchen trotzdem ein Besuch wert
Wir wollten dem goldenen Zeitalter und dem schönen elisabethanischen Haus unsere Ehrerbietung erweisen und kleideten uns angemessen (siehe Titelbild). Als wir dergestalt angetan durch Plas Mawr wandelten, vermochte das manche Besucher zu erheitern. Die zarter Besaiteten ergriffen die Flucht.
















































