Exploring the world

Stefan & Steffu's travels

Von Eingängen, Aufgängen und Abgängen

Gestern sahen wir von einem Blogbeitrag ab. Ich lernte auf dem Campingplatz lediglich ein paar Hunde kennen und das gibt so viel nun auch wieder nicht her. Der Spaniel vom Dave nebenan, dem ich half das Kanu (des Manitu?) von seinem Camper runterzukriegen, war süss und der einjährige Labrador von nebenan auf der anderen Seite schmiss sich sofort auf den Rücken. Auch kam Tor mit dem Schäferhund vorbei (vgl. Vortage). Wir fütterten den Schäfer mir Erdbeeren. Sie wurden gerne und sanft genommen. Ansonsten gab es wenig zu berichten. Macht auch nichts, ich beklagte mich ja noch, dass ich zu wenig zum Lesen käme. Gestern war dafür reichlich Zeit vorhanden. Unter anderem galt es am Samuel Beckett seinem Godot zu arbeiten. Das war anstrengend. Nicht wegen der durchaus belustigenden Geschichte um Vladimir und Estragon, sondern weil ich mir das Buch in der französischsprachigen Originalfassung antue. Eigentlich merkwürdig, dass der Ire Beckett das Stück in Französisch schrieb. Aber das ist nicht das einzig rätselhafte an diesem Werk. En attendant Godot schien jedenfalls zum Tage passend, weil in dem Stück bekanntlich ebenfalls kaum etwas läuft. Das darf man wohl schon schreiben, ohne dabei zu viel zu spoilern.

In guter Gesellschaft und schöner Umgebung einfach einmal chillen

Es ist wieder wärmer, bis zum Unangenehmen sind es noch dreieinhalb Grad. Dave aus Sheffield, Spanielherrchen und Kanu-Besitzer, erklärte uns, dass er sich nicht an eine solche Hitze- und Dürreperiode in Grossbritannien erinnern könne und der Mann hat schon manche Lenze gesehen. Von WWII RAF air bases in Sheffield wusste er nichts, vermutlich kamen da zwei Informationsfetzen falsch zusammen in meinem Kopf. Nicht alles, was einem in den Sinn kommt, muss auch stimmen. 

Das römische Fort in Holyhead

Nach dem gemächlichen Tag gestern galt es heute wieder zu arbeiten. Wer in Nordwales verkehrt und  zu der die mit der Insel Anglesey verbindenden Menaistrasse kommt, muss das Caernarfon Castle besuchen. Die Menaistrasse (engl. Menai Strait) ist keine asphaltierte Strasse, sondern eine Meeresstrasse wie die Strasse von Hormus, einfach ohne dass man sich hier auf den Deckel gibt ohne Ende. Aber das Prinzip des Caernarfon Castle war so weit nicht weg vom soeben angeschnittenen Thema: Am anderen Ende der Meeresstrasse befand sich das Beamaris Castle und sollten die Waliser auf die Idee kommen einen Aufstand zu üben, dann wird die Strasse geschlossen und es kommt kein Korn mehr aus der Kornkammer Anglesey. Klingt das vertraut? Eben. Wir jedenfalls querten die Menaistrasse unbehelligt.

Stägeli uf und Stägeli ab, wer die Burg besuchen will

Aber das Caernarfon Castle musste vorher sein. Beim Caernarfon Castle handelt es sich um eine Burg, von der man vor ihr stehend sagt: «Dooch, das ist eine Burg.» In dieser werden die britischen Thronfolger jeweils zum Prince of Wales gesalbt, gekrönt, befördert, geköpft, eingemacht, gebeizt, oder wie auch immer man das nennt. Jedenfalls war 1969 Charles mit der Queen da und dann war grosse Kilbi.

Eine Burg und Möwenbrutstube zugleich

Wir waren froh, dass heute keine solche Familienfeier stattfand, weil dann mit dem Besuch nichts geworden wäre. Und so danken es die Reisebilder, nicht aber mein rechtes Knie, welches sich unlängst ziemlich launisch gegenüber steilen Auf- und Abstiegen zeigt. Ich habe wohl Hibiskus.

Das Städtchen kommt mit weniger Stufen aus

Aber wenn Du heute insbesondere als privat Versicherter so etwas zeigen gehst, hast du da eine Trennscheibe drin, noch bevor Du «Freie Arztwahl!» husten kannst. Darum geh ich nicht mehr zum Arzt. Horror! Wo war ich? Genau, Treppen. Also wenn sie etwas im Caernarfon Castle können, dann sind das Treppen. Und Gänge. Wir staunten, wie viele Abzweigungen, Wehrgänge, Treppenabsätze, Türbogen, Gewölbegänge, Zwischenpodeste, Gaden, Eingänge, Aufgänge, Abgänge, Umläufe, Lauben, Wendeltreppen, Galerien, Treppenplateaus, Stiege und dergleichen mehr in eine einzige Burg verbaut werden können. Nur Ausgänge fand man fast keine. Mich wunderte, dass wir unterwegs nicht über Skelette verirrter Touristen gestolpert sind.

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