Wir befinden uns bereits wieder – oder noch? – in einer Art Natur. Jedenfalls haben wir kein Netz. Daher gab es gestern auch keinen Blogbeitrag. Dafür ist es trotz stahlblauem Himmel deutlich kühler. Das ist auch besser, weil neben mir nun die Omnia wie verrückt heizt. Ich koche uns darin ein Brot. Und das geht nunmal nicht ohne ein gewisses Mass an Hitze. Würde ich die Schiebetür öffnen, käme seitlich eine super angenehme, steife Brise rein, aber dann bläst es dermassen in die Flamme des Herds, dass das Brot Teig bliebe und ich stattdessen einem Brathähnchen gleich gegrillt würde. Und Brathähnchen passt nunmal nicht zu Frühstück und schon gar nicht zu ungebackenem Brot. Da müssen Brotteig in der Omnia und ich daneben nun halt noch dreissig Minuten durch. Wenn alles so rund läuft, wie ich den Backling in der Ofenform zuletzt erblickte, müsste es um neun ein Brot in Form eines riesigen Willisauer-Ringleins geben. Ich werde berichten.
Gestärkt mit toroidalem Brot führt uns unsere Reise nach Aberaeron und Aberystwyth
Bleibt das Phänomen des deutlich kühleren Wetters und das nachgerade mal hundert Kilometer entfernt vom letzten Punkt der Gluthitze, Landschaft vergleichbar. Wir vermuten den Einfluss der keltischen See, wie das Meer zwischen Cornwall, Walesund Irland genannt wird. Wie dem auch sei, uns soll es recht sein. Endlich können wir mal wieder atmen und kleben nicht, wie Panini-Bildchen.



Türen wie Panini-Bilder
Was wollen wir heute tun? Erstmal entschleunigt das Brot in der Backform. Ich würde gerne nachschauen, aber man soll ja nicht, wenn der Backvorgang noch andauert. Schade gibt es keine durchsichtigen Omnia. OMNIA SOL TEMPERAT singt der Heldenbariton in Carl Orffs Carmina Burana. Bariton und Orff meinen damit zwar etwas anderes, aber da kommen die Dinge mal wieder aufs Schönste zusammen. Manches ist eben doch holistisch. OMNIA PANEM TEMPERAT.
Sonnenuntergang in Fairbourne
Ein paar Stunden und 135 Kilometer später befinden wir uns am Meer in der Bar des Fairbourne Golf Clubs. Eine von der Sonne durchgegerbte ältere Waliserin gibt ein Live-Konzert mit einer Stimme, die man an einem solchen Ort nicht erwarten würde. Von den Besuchern der Bar haben manche noch alle Zähne, andere noch ihre eigenen. Alte, Jüngere, Kinder, Hunde: Alle sind gut drauf. Dem Jung an der Bar sagte uns, sie schlössen, wenn niemand mehr hier sei – wie sympa ist das denn! @ Sabine: Vermutlich handelt es sich nicht um einen walisischen Lock-in, aber es dürfte dem verdammt nahe kommen. Schön, dass wir diesen Ort gefunden haben.
Im Golf Club ist Party-Stimmung
Wiederum einige Stunden später und mit Ibuprofen 400 intus, fühlte ich mich so weit wieder fahrtüchtig. Und also machten wir uns auf nach Castel Harlech, einer der schönsten und intaktesten Mittelalterburgen. Die Burg wurde insgesamt fünfmal belagert und hält den Rekord der am längsten belagerten Burg Grossbritanniens.

Castell Harlech
Die Belagerung gegen Ende des 15. Jahrhunderts dauerte volle sieben Jahre. Nach der Kapitulation wurde die Besatzung in eine andere Burg umgesiedelt: In den Tower of London. Heute ist die Burg Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Auch wurde uns rasch Einlass gewährt.
Ab in die kühle Bergwelt des Nationalparks Snodownia


























