Es ist ja nicht so, dass ich prinzipiell gegen Natur bin. Sie und ich kommen gut aneinander vorbei. In homöopathischen Dosen verabreicht, kann ich sie mitunter gar als hübsch empfinden. Damit Wales und wir uns nicht mit dem Vorwurf konfrontiert sehen müssen, nur Burgen zu können, fuhren wir frühmorgendlich nach der Küste bei Stack Rocks.
Den Möwen und Trottellummen gleich tummeln wir uns nahe am Abgrund der Stack Rocks
Da kriegt nicht bloss das Auge einiges geboten, sondern auch die Magengegend. Sowohl sie, wie auch der Verstand mahnen an, nicht bis zum Äussersten an den Abgrund der Klippe heranzutreten, zumal die überhängenden Abbruchkanten bisweilen wenig vertrauenserweckend frisch ausgestanzt aussehen. Die auf dem gegenüberliegenden Fels hausenden Trottellummen würden sich sonst wundern, weshalb die Menschen es ihnen gleich tun, wo doch letztere gar nicht fliegen können. Hier flöge man zweimal; zuerst mit 9.81 m/s2, also geschätzt um die 15 Sekunden bis zur finalen Kaltverformung und danach als Neo-Engel himmelwärts … oder frei nach Dante auch nochmals ein paar Stockwerke nach unten halt. Besser ist, es nicht zu versuchen, weil man dann von der hübschen Aussicht auch nichts mehr hat.
Erosion: Baumeisterin der Natur
Der Felsbogen Green Bridge erinnert uns sehr an das Azur Window auf der nahe Malta gelegenen Insel Gozo. Leider stürzte dieses 2017 ein. Wir sahen, dass ein schmaler Trampelpfad auf die Green Bridge hinausführt. Eingedenk des Schicksals vom Azur Window würde ich da auch nicht nur vielleicht rüber latschen wollen, habe ich doch vor, von meinen Pensionskassenbeiträgen auch tatsächlich noch etwas zu sehen.
In der Kathedrale St. Davids fliesst der normannische in den gotischen Baustil über
Auch nichts mehr von seinen Pensionskassenbeiträgen hat der heilige David, 512 – † 587, aber als Heiliger hat man eh Vollpension im Jenseits. So stelle ich mir das zumindest vor. Zu Lebzeiten war der spätere Heilige vom ordentlich umtriebigen Typus. Der Königssohn war Lehrer, Prediger, gründete Kloster, wurde in Jerusalem zum Bischof gesalbt, war in Rom und vermochte die Kelten der Gegend früh zum Christentum zu bewegen. Natürlich vollbrachte er auch das eine oder andere Wunder, sonst wird das ja nichts mit Heiligsprechung. Kurz: Er war ein so bäumiger Typ, dass schon William the Conqueror 1081 zum Schrein mit dessen Gebeinen in der normannischen Kathedrale St Davids pilgerte. Den Altar zu Ehren des walisischen Schutzheiligen kann man besuchen, allerdings ist der ausgestellte Reliquienschrein leer. Die Gebeine des hieiligen David gingen noch vor dem Hochmittelalter verloren, vermutlich bei Wikingerüberfällen.
Von Pembroke der walisischen Küste entlang über St. Davids, Fischguard bis nach Cardigan


























