Das Highclere Castle in Hampshire, besser bekannt als Downton Abbey der gleichnamigen Netflix-Serie, öffnet erst am 12. Juli wieder für den Pöbel und ist danach bis August ausgebucht. Hiesige Landsitze sind dermassen gross, dass man in solchen Fällen auch nicht bloss in die Nähe von den fraglichen Gebäuden kommt, so man keinen Adelstitel trägt. Und von den Grundstücksgrenzen aus kann man diese wegen der Erdkrümmung unmöglich sehen. Als eingefleischte Fans wollten wir Downton Abbey aber unbedingt anschauen. Ein unerlaubtes Anpirschen schien uns etwas übergriffig und Malibu auch bloss bedingt geeignet dazu. Der nächste Van wird camouflagefarben sein. Füchslein, welche wir sind, entdeckten wir einen naheliegenden Hügel und kombinierten, respektive triangulierten die Frage entsprechend. Also los und raufgestiegen auf den 260 m hohen Beacon Hill.
Alles ist mit allem verbunden: in England begleitet einem die Geschichte auf Schritt und Tritt
Die Wanderung stellte sich nicht nur aussichtstechnisch, sondern auch gleich als doppelt historisch interessant heraus. Auf dem Höger ist das Beacon Hill Hillfort angebracht, eine bis dato nicht archäologisch erschlossene eisenzeitliche Wehranlage von ganz beeindruckenden Ausmassen. Zudem latschten wir an ein Grab heran, welches sich als das von George Herbert, dem 5. Earl of Carnarvon herausstellte. Dieser war zum einen der tatsächliche und nicht nur der gespielte Lord von Downton Abbey. Viel bekannter ist er allerdings als Mäzen von Howard Carter, der dank dem Sponsoring das Grab des Tutanchamun fand. Zudem ist er auch der (unfreiwillige) Erfinder des Fluchs des Pharaos – und starb daran. Früher waren sie eben noch konsequent in dem, was sie machten.

Von der eisenzeitlichen Hügelburg Beacon Hill aus hat man gute Sicht auf Highclere Castle aka Downton Abbey
Wir sehen: Von der Netflixserie Downton Abbey zum Highclere Castle in Hampshire,dann wegen dem Vorhandensein einer archäologischen Stätte zu einem Grab, in welchem der liegt, dank welchem wir Tutanchamun kennen, und schon sind wir im Tal der Könige. Das ist doch ein schönes holistisches Beispiel, welches eben zeigt, dass alles mit allem zusammenhängt. Das ist absolut, das ist existenziell und das unverhoffterweise auf einem vermeintlich unscheinbaren Hügel. Und wie um dem das i-Tüpfelchen auf den Dalmatiner zu setzen kommt quasi als Zugabe dazu: Was niemand auf Instagram und co. postet, hat man für sich alleine, exklusive Aussicht auf Downton Abbey inklusive. Es lebe der Tourismus orthogonal an den sozialen Medien vorbei. Gedankt sei Amun-Ra.
Kollossal was die Menschen vor über 4’000 Jahren im heutigen Avebury errichtet haben.
Wenn wir schon dabei waren, wollten wir gleich beim Thema bleiben und besuchten Avebury. Alle kennen Stonehenge. Die grösste prähistorische Anlage von Europa und der grösste Steinkreis der Welt ist jedoch der Henge von Avebury. Die auch heute beeindruckenden Masse lassen die damalige Leistung wohl nur annähernd erahnen: Bei einem Durchmesser von 427 Metern beträgt der Umfang des 6 Meter hohen Erdwalls 1200 Meter. Zusammen mit den Steinalleen waren einst 600 Megalithen aufgerichtet, einige davon bis zu 40 Tonnen schwer.
Mit der Klosterruine Tintern Abbey beginnt unsere Entdeckungstour in Wales





















