Für alle, denen es wichtig ist, Trends frühzeitig mitzukriegen: Es könnte sein, dass die Alpaka-Frisuren bald Andenschnee von gestern sein werden und «Vokuhila» wieder kommt. Britische Kids gelten ja als cool und wenn die wieder mit Vorne-kurz-hinten-lang rumlatschen, wird es eine Frage der Zeit sein, bis das über den Kanal zu uns schwappt. Auch Mode ist wie Geschichte die ewige Wiederholung des immer Gleichen. Frisurtechnisch halte ich es eher mit «Voglahigla», also Vorne-Glatze-hinten-Glatze.
Morgens hoppeln noch die Häschen, nachmittags ist einem vor Hitze nicht mehr zum Herumhoppeln zumute
Wash Water near Newbury, Berkshire: 32° im Schatten. Wir stehen an der Sonne. Der Dachventilator und zwei weitere Ventilatoren laufen sich einen Wolf, wir nicht mehr ganz rund. Hit me! Und wir dachten, im Norden sei es kühler. Ich flösse mir einen heissen Mokka aus der Bialetti ein. Kommt auch nicht mehr drauf an. Immerhin geht ein Luft. Aber ein heisser.
Allzeit bereit in Royal Tunbridge Wells
Heute Morgen in Royal Tunbridge Wells stellten wir unseren Van zufälligerweise direkt neben der Schule ab, wo Robert Stephenson Smyth Baden-Powell unterrichtet wurde. Als ehemaligem Pfadfinder mochte mir das natürlich sehr gefallen und also erhob ich erstmals seit 35 Jahren die Hand zum Pfadfindergruss. Die linke natürlich. Das ist so noch im Körpergedächtnis drin. Eine vorbeigehende Britin zeigte sich standesgemäss diskret, ich nahm ihre kurz zuckenden Mundwinkel aber wahr.
Es sei die Aussicht der Rose Terrace gewesen, welche Winston Churchill dazu bewogen haben soll, sich das Anwesen Chartwell zu kaufen, erklärte uns der freundliche Herr am Eingang der herrschaftlichen Villa. Er suchte uns bestimmt die Wartezeit von nachgerade mal einer Minute zu verkürzen. Die Briten sind ja so was von höflich, wir mögen das sehr. Alleine in dem Anwesen hatten wir bestimmt ein dutzend Mal einen kurzen Schwatz mit dem Personal.
Das Haus von Winston Churchill ist umgeben von Rosengärten, Tümpel und üppigen Gärten
Über Winston Churchill brauchen wir hier wohl nicht allzu viel zu berichten, ist er doch noch immer eine bestens bekannte Persönlichkeit, zusätzlich aufgefrischt von Gary Oldman, der für dessen Darstellung unlängst einen Oscar kassierte.
Viele illustre Gäste gingen hier schon ein und aus
Unterdessen ist es fast sechs, die Motoren der Ventilatoren drohen durchzubrennen. Wir beginnen uns zu fragen, ob wir hier in der Kalahari sind. Ich schaue links aus dem Van, ich schaue rechts aus dem Van. Die Farbe des Grases zumindest legt dies nahe.


Die englischen Strassen sind schattig und eng. Der Campingplatz ist dafür sonnig und weit.
Dass Churchill gerne malte, war uns bekannt. Dass er aber ein so begeisterter Maler war, dass er der Nachwelt mehr als fünfhundert Gemälde hinterliess, war uns nicht bewusst. Auch vermögen seine Bilder bisweilen doch sehr zu überzeugen. Einen Literaturnobelpreis zügelte er auch noch ab. Was man halt so tut in seiner Freizeit, damit einem nicht langweilig wird.
Churchill: Ikone des 2. Weltkriegs, Politiker, Maler und Nobelpreisträger
Hitler wollte in seinem Gegenspieler nur «diesen Schwätzer und Trunkenbold Churchill» sehen, der ihn daran gehindert habe, «grosse Werke des Friedens» zu vollbringen… Das erinnert im Duktus doch sehr an Aussagen, wie sie manche heute machen. Wir befinden uns wieder in postfaktischen Zeiten. Leider scheint weit und breit kein Churchill in Sicht.
«We shall fight on the beaches, we shall fight on the landing grounds, we shall fight in the fields and in the streets, we shall fight in the hills; we shall never surrender, and even if, which I do not for a moment believe, this island or a large part of it were subjugated and starving, then our Empire beyond the seas, armed and guarded by the British Fleet, would carry on the struggle, until, in God’s good time, the New World, with all its power and might, steps forth to the rescue and the liberation of the old.»
Winston Churchill am 04. Juni 1940 vor dem britischen Unterhaus




















