Exploring the world

Stefan & Steffu's travels

Swing-by

Bei einem Swing-by handelt es sich bekanntermassen nicht um eine Tanzfigur des Swings, sondern um ein Weltraummanöver, bei welchem die Gravitation eines grossen Körpers zur Beschleunigung genutzt wird. Malibu kann zwar manches, aber die Raumfahrt ist dann doch eine andere Nummer. Auch sind Stefan und ich weder ein Major Tom, noch ein Buzz Aldrin. Dennoch werden wir bald den Zusammenhang zu unserem Reisebeginn erkennen.

Nach Calais sind es noch rund 450 Kilometer hin, genügend Zeit also, um auf der modernen Form der Hermes 500 auf den Tasten zu klimpern. Gestern Abend hatte ich Flasche so leer, dass ich nicht einmal mehr Blog schreiben mochte und das will bei mir etwas heissen.

Zuerst muss unser Camper mit Material beladen werden

Eine Saturn V fakelt beim Start mehr als 13 Tonnen Treibstoff ab … pro Sekunde! Und da ja auch die dadurch nicht eben geringe Tonnage an Treibstoff die Erdanziehung überwinden muss, lohnt es sich schon mal zu prüfen, wie Kerosin, flüssiger Wasserstoff, Hydrazin und weitere mehr in geeigneter Weise eingespart werden können.

Bald sollten wir an Troyes vorbeikommen. Da werden Erinnerungen wach. Musste Stefan an Auffahrt 2023 doch Thomas und mich in Troyes evakuieren kommen, weil die SNCF mal wieder streikte. Mit einem Flixbus vermochten wir uns noch selber von Paris bis Troyes durchzuschlagen, aber dann war fertig. Da ist mir das Troyes von heute doch lieber. Um dieses machen wir – wie mir jetzt eben auffällt –, heute ebenfalls einen Swing-by rum. Das Weltall ist halt überall.

Übernachtung in Port-sur-Saône

Rund 90% der Startmasse einer Rakete ist Treibstoff. Das wäre in etwa so, wie wenn unser Malibu 3.1 Tonnen Diesel mitführen müsste und selber noch 350 Kilogramm wiegen dürfte, uns beide mitgerechnet. Das wird eng. Bei Raketen muss das. Darum sind sie so gross. Wir müssten unseren Van also oben auf die Raketenstufen anschnallen. Das käme heftig.

Das United Kingdom ist zwar aus der EU ausgetreten, hat sich aber geografisch nicht weiter vom Festland entfernt. Ich habe das überprüft: Grossbritannien und Kontinentaleuropa befinden sich auf derselben tektonischen Platte. Mit Blick Richtung Osten auch im selben Boot, aber lassen wir das. Obwohl – ich lese gerade die beiden Bücher Spurwechsel von Marcus Keupp und Der letzte Mensch von Francis Fukuyama. Ich könnte dabei hart abkotzen. Aber da die Erklärbarkeit von Ursachen bekanntermassen ein wichtiger Pfeiler der Resilienz ist, tue ich mir das dennoch an. Immerhin unterhält Fukuyama auch mit persönlichen Geschichtchen, was ganz niedlich ist. Der Keupp hingegen langt da heftiger hin. Letzteres scheint mir in diesen, unseren Zeiten angemessener. Aber ich wollte es ja bleiben lassen. Fürs erste. 

Manneque … was? Der Norden Frankreichs ist flämischer als man denkt. Chardonnay statt Ravelines in Gravelines

Auf ihrem Weg zu Saturn machte die Raumsonde Cassini-Huygens gleich mehrere Swing-bys und zwar zuerst rein ins Sonnensystem. Sie liess sich von der Venus auf Geschwindigkeit bringen. Dann nochmals Venus, Erde, Jupiter und gleich nochmal Jupiter. Danach war sie mit gut 147‘000 km die Stunde unterwegs. Das ist noch so schnell. Gut, dass es im Weltall keine Blitzer gibt, das gäbe dann eine saftige Busse. Über Land haben sie hier alles vollgepackt mit Blitzautomaten. Die sind hier so gross, dass man sie gut sieht. Sehen aus wie Robocop. Ich glaube, das ist so gewollt. Spielt keine grosse Rolle. Malibu ist mit gemütlichen 80 unterwegs, den Höger ab auch mal mit 90.

Ist es Euch aufgefallen? Beim Austritt aus der EU schrieb ich von U.K., geografisch von Grossbritannien. Beides ist korrekt.

Auf unserer Reise hat es nur einen Planeten, aber wie wir im vorletzten Abschnitt am Beispiel von Cassini-Huygens erkannt haben, taugt auch die Erde für Swing-bys. Gestern nutzten wir unsere Heimatstadt als Gravitationsmasse. Und das geht so: Endlich losgefahren, taten wir tief im Jura Mittagsrast. Ich fragte nach dem zweiten Autoschlüssel. Sucherei. Vermutung. Ein Anruf brachte Klarheit: Schlüssel im Gymnasium. Auf dem Pult. Das Ganze also retour und per Swing-by wieder in den Jura und nach Frankreich katapultiert. Ob wir danach schneller wurden? Eher nicht so. Ich vermute, dass  für einen Swing-by schon ein ganzer Planet nötig ist. Eine Stadt alleine scheint nicht zu reichen, selbst wenn es eine grössere ist.

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

1 Kommentar

  1. Sebi Schmied 5. Juli 2026

    Gute Reise!

Antworten

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2026 Exploring the world

Thema von Anders Norén