Exploring the world

Stefan & Steffu's travels

Vercingetorix

Dies würde unsere wohl kürzeste Reiseberichterstattung werden. Sie sollte aus nachgerade mal einem Beitrag bestehen. Unsere Leserschaft verlangt zwar, dass wir von Reisen Kunde tun, aber Kurzreisen, wie sie Auffahrts- oder Pfingsttagen gemein sind, fallen nicht unter die Reiseberichterstattungspflicht nach Art. 6 RbG. Wie dem auch sei, das Pflichtgefühl Vercingetorix öffentlich Respekt zu zollen, verlangt danach. Mann von Welt verspürt neben einer mehr oder weniger saturierten Seele auch so etwas wie Ehrgefühl in seiner Brust.

Der moderne Museumsbau vom Franko-Schweizerischen Architekten Bernard Tschumi besticht durch moderne Museumstechnik

In Dijon waren wir an Auffahrt auch schon zu Gange. Die Erinnerung vermeldete, dass dies vor zwei Jahren vonstatten gegangen sei. Aber Erinnerungen sind bekanntlich eine unsichere, wenngar nicht vielmehr eine trügerische Sache, um dies noch vorsichtig auszudrücken. Jedenfalls waren wir doch verwundert, dass seit unserem letzten Besuch bereits vier Jahre ins Land gezogen sein sollen. Aber wir sind auch nicht wegen Dijon hier. Die Stadt ist diesmal Beifang. Am Rande sei erwähnt, dass wir Dijonsenf mitbrachten, kein Witz. Senf nach Dijon zu bringen ist wie Eulen nach Athen, oder Wasser in die Aare zu tragen, wie Kaffee in die Bundesverwaltung, oder Idiotie in das Weisse Haus zu verbringen. Wobei wir mit diesem bildsprachlichen Exkurs näher am Thema sind, als vermutet werden könnte. Bei unserem Reiseziel ging es nämlich auch um Macht. Allerdings ist das nun gut 2000 Jahre hin. Je tiefer interessierte Person aber in die Machtpolitik von damals eintaucht, desto mehr Parallelen zur heutigen Zeit eröffnen sich einem. Das stimmt nicht eben vertrauensvoll und zwar gleich auf mehreren Ebenen.

Gallier als Römer verkleidet! Oder sind gar die italienischen Touristen Römer, die erneut Alesia bestürmen?

Ein Bonmot besagt, dass die Geschichte zu wiederholen verdammt ist, wer nicht aus ihr lernt. Je länger wir uns dem Studium der Hintergründe um die Schlacht um Alesia hingaben, desto mehr Muster glaubten wir zu erkennen, welche in unserer Zeit zu beobachten sind. Es ist immer dieselbe Leier: Den anderen soll der eigene Wille aufgedrückt werden, wenn nötig mit Gewalt … oder besser doch gleich von Anbeginn an mit Gewalt. Schliesslich kostet die hochgerüstete Armee ein Schweinegeld und es gibt nichts besseres um bei den Gegnern zu Hause und generell Eindruck zu schinden, als erfolgreich andernorts Kriege geführt zu haben. Klingt vertraut? Eben. Und was war das Resultat in Alesia? Genau, zehntausende Tote und verbrannte Erde. Was hat es dem Sieger gebracht, also Cäsar? Ein Dolch im Rücken. Voilà.

Da hat das mit der Zeitmaschine wohl doch geklappt… (Musik-Quelle)

Zugegeben: Militärisch betrachtet hat Cäsar in Alesia ganze Arbeit geleistet, zur Belagerung der Gallier in gerade mal einem Monat eine nach innen und eine nach aussen gerichtete Befestigungslinie in der Länge von 37 Kilometern aus dem Boden gestampft und das unter Kriegsbedingungen. Mit Eisenfallen, Wolfsgruben, Gräben, Gestrüpp und Wällen hat er die ersten Todestreifen der Menschheit geschaffen. Auf diese Weise vermochten die Römer ihre zahlenmässige Unterlegenheit auszugleichen und die Gallier schliesslich zu unterwerfen.

Ausser Ruinen bleibt auf dem Hügel von Alesia heute nichts mehr von der gallo-römischen Siedlung übrig

Der grosse Gallierfürst Vercingetorix wurde in Ketten gelegt, in Rom sechs Jahre eingekerkert, vorgeführt und schliesslich im Kerker Tullianus erdrosselt und in den Tiber geworfen. Alle tot.

Versingetorix als überlebensgrosse Statue von Napoleon III. zur geistigen Landesverteidigung stilisiert. Da gefällt uns Asterix besser

Lustiger war dann der Besuch der Sources de la Seine, also dem Ort, wo die Seine entspringt. Die Quelle liegt unweit von Alise-Sainte-Reine gelegen. Wenn man schon mal in der Gegend ist. Persönlich erwartete ich einen Wald und irgendwo ein entstehendes Rinnsal. Stattdessen fanden wir einen pittoresken Park vor, an dessen Eingang Kund getan wird, dass man nun Pariser Boden betreten würde. Wer erlebt hat, wie stolz die Pariser auf IHRE (!) Seine sind, den vermag das nicht zu erstaunen. Wobei ich mehr den Eindruck hatte, der Ort gehöre den Moskitos. Die Swamps von Suriname nehmen sich daneben fast schon bescheiden aus.

Mit beiden Füssen auf Pariserboden und gleichzeitig auf beiden Ufern der Seine: das geht nur bei den Seine Quellen im Heiligtum der Sequana

Es ist zwar eine Binsenweisheit, dass es nichts harmloseres als die Geschichte gibt. Weil die einem ja nichts mehr ab kann. Aber in jüngster Zeit begann mir auf unseren historischen Exkursionen mit Blick auf die heutige Zeit mehrfach zu grausen. Vielleicht sollten wir unser Reisekonzept überdenken und an irgendwelche instagrammable Spots reisen, andere machen das ja auch so. Oder wir bauen uns eine Zeitreisemaschine. Genau, das ist noch besser. Dann reisen wir zurück zu den Dinosauriern. Die gaben sich zwar auch ab und zu auf die Nuss, aber mehr so einzeln. Wir müssen dann einfach acht geben, nicht genau zu dem Zeitpunkt zu reisen, an dem der Asteroid bei der mexikanischen Halbinsel Yucatán niederging. Aber bei einer Zeitkapsel kann man die Zeit ja einstellen. Wir packen einfach ein paar Millionen Jahre Reserve drauf. Habt Ihr gewusst, dass vom Stegosaurus – genau, dem mit den Gaba-Bonbons auf dem Rücken – bis zum T-Rex mehr Zeit vergangen ist, als vom T-Rex bis zu uns? Die Dinosaurier waren nämlich schampar erfolgreiche Lebewesen. Und das trotz kleinem Gehirn.

Ach ja: zum Schluss ist da noch ein „Les Plus Beaux Villages de France“ – Flavigny-sur-Ozerain

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