Wer Ravenna besucht, stolpert von einem UNESCO-Weltkulturerbe zum nächsten. Deren acht gibt es alleine in dieser Stadt und damit mehr als manche Länder insgesamt haben. Die Krux ist nur, dass es sich dabei so gut wie ausschliesslich um Mosaike handelt.
Auch nach über 1500 Jahren leuchten die Mosaike im Mausoleum der Galla Placidia uns im güldenen Alabaster-Licht entgegen
Es ist gemeinhin bekannt, dass mit dem Untergang Roms die Antike in das Frühmittelalter überging. Nun war es nicht so, dass es einen Knall gegeben hätte und Abgang Rom, Vorhang und Saallicht. Es handelte sich vielmehr um einen Zerfallsprozess, der sich mindestens vom 5. bis ins 7. Jahrhundert hinzog – wir können dergleichen in unseren Tagen mit Amerika erleben, da wird es allerdings schneller gehen, aber ihr versteht das Prinzip.
Die Individualität der einzelnen Mosaik-Portraits in der Kirche San Vitale verstärken die Lebendigkeit des Gesamtkunstwerkes
Ostrom, also das byzantinische Reich, hielt sich jedenfalls wacker und eine clevere Massnahme um einer Gefahr zu begegnen, in diesem Fall den Langobarden, war die Schaffung des Exarchats von Ravenna. Oder zum einfacheren Verständnis: Dezentralisierung, das trifft es ganz gut.




Dantes Grab bei der Kirche San Francesco, deren Krypta durch Absenkung unter dem Grundwasserspiegel liegt (Inschrift: Gedenke Herr, deiner Diener Hesichios und Gemellas)
Jedenfalls hockte man in Ravenna und wenn schon die römische Hochkultur ins finstere Mittelalter abzugleiten habe, so wird man sich gesagt haben, soll man der Nachwelt Kulturgüter in der Hoffnung mitgeben, dass diese die Mittelaltermannen überleben und dereinst von den guten alten Zeiten Roms Kunde tun sollen, schliesslich kämen dann auch wieder bessere Zeiten und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Ravenna – einen Taubenflügelschlag von der Adria entfernt
Und also griff man zu bunten Steinchen. Vielen bunten Steinchen. Sehr, sehr vielen bunten Steinchen und dann wurde geplättelt und geleimt, was das Zeug hielt und wenn sie eins konnten in Ravenna, dann waren es eben Mosaike.



Heilige – Mutter – Hure: freudianische Street-Art in Revanna




























