Tatsächlich kommen Greifvögel im Buch der Bücher vor, vgl. Beitrag von gestern, sie tun dies aber in sehr unterschiedlichem Masse. So fehlen Falken beispielsweise zur Gänze, was erstaunt, Adler hingegen kommen ohne Ende vor. Wir wollen daher nur eine exemplarische Stelle nennen, wiederum aus dem Buch Mose, diesmal jedoch aus dem 5., 14,11 ff., Deuteronomium. Ob es sich bei letzterem wohl um ein chemisches Element handelt? Wir wollen den Chemiker fragen. Das muss jedoch warten, da es unklug sei mit dem Fahrer zu sprechen, das lernten wir in den 80-ern in den ÖV. Schliesslich stand es da geschrieben. Solches trifft eben nicht nur auf die Bibel zu, womit wir wieder beim Adler wären. Also:Alle reinen Vögel esset. Das sind aber die ihr nicht essen sollt: der Adler, der Habicht, der Fischaar, der Taucher, der Weih, der Geier mit seiner Art und alle Raben mit ihrer Art, der Strauss, die Nachteule, der Kuckuck, der Sperber mit seiner Art, das Käuzlein, der Uhu, die Fledermaus, die Rohrdommel, der Storch, der Schwan, der Reiher, der Häher mit seiner Art, der Wiedehopf, die Schwalbe. Und alles was Flügel hat und kriecht, soll euch unrein sein, und sollt es nicht essen.
Kein Vogel am Himmel, dafür eine Perlmuttwolke
Wie der Hase also. Diese Passage mutet etwas an wie Lebensmittelvorschriften der EU à la altes Testament. Gut, dass wir gestern Abend im Restaurant keines der gelisteten Tiere assen. Vor dem römischen Tor fand nämlich zeitgleich eine karfreitägliche Prozession statt und die Leute trugen ein geschultertes Kreuz im Massstab 1:1 mit. Da kann man nie wissen – plötzlich kommen die noch auf dumme Gedanken.
Auch steht geschrieben: Und anderntags sollst du Aosta verlassen und ziehen sollst du durch die Berge gen Süden und mit dir nehmen sollst du dein Gatte und dein hab und Gut und zurücklassen sollst du alles Getier das kriecht, denn es sei dir unrein. Auf derlei Gebote soll man hören.
Castell‘ Arquato: Geburt- und Wohnort von Puccinis Librettisten Luigi Illica, der den Text z.B. zur Oper „La Bohème“ geschrieben hat
Unterdessen läuft draussen Piemont und die Landschaft dermassen topfeben, dass nicht einmal mehr Erdkrümmung ist. So wirkt es jedenfalls. Wieso eigentlich ist die Erdkrümmung stets konvex und nie konkav? Ich muss das mal sauber durchdenken, am besten fertige ich mir eine Skizze an, das hilft. Aber nicht jetzt, weil bald, also gemäss Navi in 174 Kilometern, oder in 93‘ Castell‘Arquato angesagt ist. Üblicherweise geht die (Grob-)Reiseplanung ab Reisebeginn für die (Detail-)Reiseplanung an Stefan über, aber heute Morgen tat ich einen Blick in den digitalen Emilia-Romagna-Reiseführer und nachdem ich einen Kürzestverifizierungsblick zum empfohlenen Castell‘Arquato im Web tat, klickte ich schnell weg, um mir selber nicht zu viel zu spoilern, tat Kunde, dass das Programm für heute stünde, fuhr das Trittbrett auf Steuerbordseite ein und lichtete den Anker.
Es sind einige Treppenstufen bis man den 42 m hohen Turm bestiegen hat, dafür ist die Aussicht schön
Unterdessen habe ich mich wieder nach vorne zum Fahrer gesetzt. Auf den Beifahrersitz, um dies in angezeigter Präzision zu beschreiben. Die Amerikaner nennen dies Shotgun, also Schrotflinte. Das kommt daher, dass sich der, welcher auf dem Kutschbock nicht die Zügel in den Händen hielt, an der Schrotflinte festhielt. Wobei zu sagen ist, dass wir eine solche nicht bei uns bei haben. Das ist nicht nötig. Zumindest nicht in Norditalien. Aus den Lautsprechern schalmeit dem Land angemessen Alice, so können wir uns im Italienischen üben, oder zumindest die Sprache besser ins Ohr geprägt kriegen. Alice hat einfach eine geile Stimme. Ich liebe diese Frau. Damals konnten sie noch singen, nicht so, wie der digital verzerrte Lärm, den sie heute Musik nennen, wo nur noch die Voice-Effektoren die Stimmlagen modulierten. Heute machen Stimmprozessoren das, was früher Stimmbänder noch konnten. Ich werde alt. Alice, eigentlich Carla Bissi, auch, sie hat Jahrgang 1954. Tritt sie noch auf? Zumindest gab sie im 2022 ein neues Album heraus. Eri con me. Ich mache mir das sogleich auf die Anlage drauf, bin mir aber sicher, Alice kriegt das ohne Voice-Effektoren auf die Kette. Alice, enttäusche mich nicht, die Welt ist schrecklich genug.
Wart Ihr schon mal im Piemont? Ist noch schön. Schade, dass wir nur durchfahren. Aber es ist auch gut, Reiseideen in petto zu haben. Damit einem die Ideen nicht ausgehen. Piemont kommt vom Lateinischen AD PEDEM MONTIUM, am Fuss der Berge. Trefflich. Was man alles lernt, wenn man nicht am Steuer sitzt. Mir ist langweilig. Auch schön.
Romanische Kirche Collegiata di Santa Maria Assunta aus dem 12. Jahrhundert
Castell‘Arquato macht schon bei der Anfahrt klar, was Sache ist, respektive wie Stadt geht, welche auf 1300 Jahre Stadtgeschichte zurückblickt. Sie gehört der Vereinigung I borghi più belli d’Italia an. Aha, I borghi più belli d’Italia. Merkt Ihr etwas? Genau, Les plus Beaux Villages de France. Ich glaube, wir haben soeben ein neues Hobby gefunden. Wir sassen auf der Piazza vor dem Palazzo Vigevani-Gravaghi in der Sonne und blickten auf den Rocca Viscontea. Zu einem mineralisch-fruchtigen Monterosso Val d’Arda wurde uns Fleisch und Brot gereicht. Das Fleisch bestand fast nur aus Fett, aber so zartem, dass es in des Mundes Höhle zerging wie Butter im heissen Brezeleisen. Das Brot ward frittiert. So geht Dolce Vita.
Alice hat es übrigens noch drauf. Die Musikerin wird unterschätzt, ich sage Euch das.



















