Blogschreiben beim Passfahren kommt in der Regel ungefähr gleich gut wie Segeln bei Nacht auf offenem Meer und hohem Wellengang. Da werden Erinnerungen wach. Keine guten. Nun verhält es sich hingegen so, dass der Grosse St. Bernhard – also der Pass, nicht der Heilige – nicht die karibische See ist und Wellengang wird auf Passfahrten Kurvenlage genannt. Aber heute ist dem nicht so. Ich sitze wie eine Katze auf der Ofenbank an der Dinette und kann lecker schreiben, ohne dass mein Magen mit dem Drücken der Auswurftaste droht, wie Trump dem Iran, der NATO und allen andern.
Raus aus der Garage und los ´gen Süden!
Wieso dem so ist, kann nicht ohne Berechtigung gefragt werden. Es läge also nicht daran, dass der Mars im dritten Haus des Sternzeichens der Stechmücke stünde und auch habe ich mich nicht mit Stugeron-Pflaster vollgepackt wie eine Litfaßsäule einst mit Werbung für Strumpfbänder. Nein, der Grund liegt ursächlich viel näher. Damit einem übel werden möchte, bräuchte es rollenden Verkehr. Bei stehendem Verkehr laufe ich nicht Gefahr. Das Navi will zwei Stunden dreizehn für 62 Kilometer. Da wären wir also mit den Fahrrädern schneller. Wir trösten uns damit, dass am weiter östlich gelegenen Gotthard 19 Kilometer Stau und drei Stunden fünfzehn angezeigt sind. Dann doch lieber der Grosse St. Bernhard. Und etwas Entschleunigung in den Zeiten, wo sich der creepy Onkel im Weissen Haus in einem einzigen Satz mehrfach widerspricht, kann ja auch nicht schaden. Schon gar nicht an einem Karfreitag, dem ungefähr viertheiligsten Tag, was weiss ich.
Statt 20 km Stau am Gotthard begnügen wir uns mit 1 1/2 Stunden Stau am Grossen Sankt Bernhard
Wir stehen in einem Tunnel, da ist auch keine Aussicht nicht. Das ist eine super Gelegenheit zur Kontemplation, weil das Auge dann nicht von Schneebergen abgelenkt ist. Ausserdem blendet der Schnee wie einst die Kernexplosion des Manhattan-Projekts. Ausserdem hasse ich Schnee, das ist bekannt.
Kontemplation also. Wir erinnern uns: Auf den Karfreitag genau vor drei Jahren setzte ich mich literarisch mit Ostern vor zweitausend Jahren auseinander. Auch damals, so fällt mir gerade auf, geschah ebendies im Kanton Wallis. Das Wallis ist der österlichen Geschichte gleich katholisch, so gesehen passt das. Damals allerdings ging es um einiges flotter und ein paar Stunden später waren wir in Neapel. Der Kluge reist im Zuge.
Die Spuren der römischen Stadt Augusta Praetoria Salassorum sind in Aosta omnipräsent
Diesmal soll es aber nicht Napoli, Amalfi, HERCULANEVM, Sorrento und dergleichen mehr, sondern die Emilia-Romagna sein. Das ist ebenfalls italienisch, geht also. Insbesondere an Ostern, da auch Italien katholisch ist. Ich denke nicht, dass ich die österliche Biebergeschichte an dieser Stelle nochmals aufrollen muss, das Thema steht im Beitrag Frecciarossa fürderhin zur Nachlese bereit. Vielleicht nur soviel in Ergänzung zum damals Geschriebenen: Der Hase hat grundsätzlich nichts mit der österlichen Abhandlung im Buch der Bücher zu tun. Ich habe das überprüft: Von Genesis über Hesekiel, und weiter von Hosea über die Galater bis Johannes. Nirgends kommt der Osterhase vor. Zwar steht im 3. Buch Mose (Leviticus) 11,6 geschrieben: Der Hase wiederkäut auch, aber er spaltet die Klauen nicht; darum ist er euch unrein. Wiederkäuende Hasen? Da hat jemand in Naturkunde wohl gepennt! Nun gut, originell ist das. Ich mag diese Bibelstelle, wenngleich zoologisch inakkurat. Aber Theologie und Zoologie haben ungefähr so viel gemeinsam, wie der im Alltag anzutreffende christliche Glaube mit moralisch angemessenem Handeln. Sei‘s drum. Wer lange genug schreibt, findet sich auch bei Stau auf’s Mal ungelangweilt und gefühlt rasch auf der anderen Seite der Alpen wieder.
Wir geniessen die Abendstimmung und regionale Speisen in der Altstadt
Danach geht es zügig, die Gravitation tut das ihre, wenn es 1300 Meter runtergeht. Dank Passstrassen vollzieht sich das sicherer als im freien Fall. Wir sind schliesslich keine Greifvögel. Die kommen in der Bibel bestimmt auch vor.
Oh Hase, Du – eine Osterprozession bewegt sich andächtig durch die Porta Praetoria


















