Als uns Katja in der Früh in die Handhabung eines Hundeschlitten einführte, wurde uns rasch klar, dass heute und vor allem mit uns ernst gemacht werden sollte. Weshalb die Einführung abseits der Zwinger erfolgte, wurde uns rasch klar, nachdem wir uns diesen näherten. Mehr als zweihundert Schlittenhunde stimmten ein Geschrei an, dass einem fast anders wurde. Als wir an deren Behausungen ankamen, drehten die Hunde komplett leer. Ein gutes Dutzend Zwinger wurden geöffnet und von allen Seiten rasten die Wölfe und Schäferhunden ähnlichen Alaskan Huskies auf uns zu. Ich dachte noch, auweiah, Gäste mit Angst vor Hunden würden nun Nahtoderlebnisse haben, eine Sekunde später wurde ich von den Hunden fast umgeworfen. Gut, dass wir Hunde lieben!
Bevor es losgeht: Trockenübung am leeren Schlitten, Hunde kennenlernen, Hunde präparieren und anbinden
Danach galt es dreissig komplett überföhnte Schlittenhunde mit schweren ADHS einzufangen und einzeln in eng anliegende Geschirre zu packen. Dazu muss der Kopf durch zwei Schlaufen durch und danach kommt der schwierigere Teil; du musst die Vorderläufe der Hunde einzeln anpacken, deren Hand- und Ellbogengelenke beugen und durch die Schlaufen kriegen. Gut, dass die Hunde das extrem gewohnt sind und keinerlei Stress haben damit. Stress haben sie nur, weil sie los wollen und uns lautstark zu verstehen geben, dass wir Menschen definitiv zu langsam sind. Wer nun glaubte, das Ziehen von Schlitten sei Tierquälerei, braucht die Hunde in Erwartung des Kommenden nur einmal zu erleben. Auch die Kontrollgruppe in den Zwingern zeigt das entsprechend an: Die fanden es gar nicht cool, dass sie nicht mitdurften. Schlimm war für die rund dreissig Hunde lediglich, als sie alle an den Zugseilen der vier Schlitten eingespannt waren und es dennoch nicht losging. Das war ein Geschrei, dass ich mir Sorgen um meine Trommelfelle zu machen begann.
Und los geht’s…
Ein Schlitten hat eine Bremsmatte, ein Bremseisen und schliesslich einen Anker. Letzterer muss tief in den Schnee gerammt werden, dass die Hunde die ganze Schose nicht fortreissen. Mit dem gesamten Körpergewicht auf der Eisenbremse zu stehen, reicht beinahe nicht.
Mit sieben Sachen – äh – Hunden brettern wir durch die Landschaft
Das Geschrei verstummte in dem Augenblick, als wir die Bremsen losliessen. Sieben Hunde stürmten wie von der Tarantel gestochen los und dann gab es kein Halten mehr. Wikipedia weiss von dieser Hunderasse zu berichten, dass diese Rasse ein unbändiger, ausdauernder Wille zum Laufen auszeichne. Wir können das also bestätigen. Unsere sieben Hunde wogen gemeinsam kaum mehr als wir zu zweit und dann kamen nochmals geschätzte fünfzig Kilo Schlitten dazu. Nach 35 Kilometern rennen gab es den ersten Halt. Mir taten die Hunde schon fast leid und ich dachte, dass sie froh über eine Pause wären. Weit gefehlt. Das Heulen ging gleich wieder los. Während der Rast erklärte uns Katja, dass die Hunde nach 50 Kilometern warm gelaufen seien, nach 100 Kilometern ein Snack sein dürfe und auch 200 Kilometer in einem Tag problemlos drin lägen. Schlittenhunde vermögen während den ersten 50 Kilometern eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h und auch auf 100 Kilometer 25-27 km/h zu halten. Wir glauben es ihnen. Und dabei ziehen sie pro Hund mehr als ihr Eigengewicht hinterher.
Mittagsrast in der Hütte bei Lachssuppe, während unsere vierbeinigen Freunde ungeduldig darauf warten, endlich weiterziehen zu können
Die Hunderasse zeichnet aber auch ihre Genügsamkeit, ihre Verträglichkeit mit anderen Hunden und vor allem auch zum Menschen aus. Die Huskies nahmen uns von der ersten Sekunde in ihr Rudel auf. Diese Tiere sind Extremsportler. Sie sind aber auch total verschmust.
Wir sind froh, mussten nicht wir den Schlitten ziehen!


















