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Stefan & Steffu's travels

Auf nach der Polarnacht

HEL, 09:36: Die haben das Gaffee hier direkt an die Rollwege und Vorfelder gepackt. Da war auch gleich klar, wo ich hinwollte. Ich glaube der gegenteilige Begriff von «Flugangst» heisst «Steffu». Der Flygplatsen Helsinki ist eine gemütliche Sache. Rein, kaum Leute, hurti durch die Sicherheitskontrolle und 3‘ später sitzt du eben an einem Flugfeld und kannst dich der Flugzeuge erfreuen.

Mit dem Zug erreicht man den Flughafen stracks nach 30 Minuten

Ausser zweier Sauen im Regionalzug – die Details wollen wir den Leser~innen ersparen, es reicht, wenn wir uns das haben anschauen und riechen müssen – war die Fahrt zum Flughafen ähnlich entspannt.

Na denn wollen wir mal in die Arktis schauen gehen, ob das was wird mit den Polarlichtern. Ivalo liegt auf 68° 39′ nördlicher Breite, also über dem sich auf 66° 33′ entlangtastenden Polarkreis. Die Wintersonnenwende war vor gerade mal vier Tagen, die Sonne wird in Ivalo den Horizont erstmals in vierzehn Tagen wieder berühren.

Die Zeit vergeht im Fluge – Der Tag wird mittags bereits wieder zur Nacht

Für Polarlichter müssen fünf Dinge kumulativ erfüllt sein – kumulativ, nicht alternativ! Erstens braucht es Erdmagnetfeld. Dies ist stets vorhanden; check ✅. Dann braucht es erhöhte Sonnenstürme. Die Sonne befindet sich auf ihrem 11-jährigen Zyklus in einer besonders aktiven Phase; check ✅. Drittens muss natürlich dunkel sein. Keine Frage; check ✅. Viertens muss der Himmel wolkenfrei sein. Das ist der kritischste Punkt; hmm 🤔. Und fünftens musst du möglichst weit im Norden oder Süden sein; check ✅. Vier der fünf Punkte müssten wir in trockenen Tüchern haben, für den letzten brauchen wir etwas Glück. Das ist fast ein bisschen wie im Leben. Und da es nach Adorno kein richtiges Leben im falschen gibt, müssen wir da etwas achtsam sein.

Im arktischen Winter gelandet

Der Himmel ist stahlblau. Zumindest über der Wolkendecke. Die Crux ist, dass wir nicht über dieser bleiben werden. So lange die Sonne den A320 bescheint, ist klar, dass es noch etwas hin ist bis zum Ziel. Der Flügel wird fengs von unten beschienen. Die Tendenz stimmt also. Da ich Stefan den Fensterplatz überlassen habe, sitze ich im mittleren der drei Plätze, dem blödesten Sitzplatz also. Der stämmige Finne neben mir hat beide Armlehnen und auch Raum darüber hinaus in Anspruch genommen. Manspreading geht auch gegenüber Männern. Mein Sitznachbar zeigt auch sonst keinerlei Berührungs-, oder Kontaktskrupel. Obwohl ich sein Englisch fast nicht verstehe, weiss ich nun, dass seine Mutter nach dem Krieg in Befürchtung eines weiteren Krieges Bargeld in einer Puppe versteckt in die Schweiz schmuggelte. Also nicht das ich danach gefragt hätte. Der Bordservice brachte Erlösung. Als er mit einer Bestellung zugange war, verschraubte ich eilig die AirPods in den dafür vorgesehenen seitlichen Öffnungen meines Kopfes und begann auf der Tastatur meines iPads zu schreiben wie der Teufel. Mein Nachbar schlabbert nun Suppe. Nun stinkt es zwar, dafür ist Ruhe. Ich sitze unterdessen allerdings so krumm auf dem Restplatz meines noch nicht okkupierten Sitzteils, dass ich beim Landen eine Skoliose meiner Wirbelsäule haben werde. Im Northern Lights Village werde ich mich von einem halben Rudel Schlittenhunden wieder gerade ziehen lassen.

Weisse Weihnachten in Ivalo

Wegen starken lateralen Winden fasste der A320 etwas torkelnd Asphalt unter den Rädern, kam dann aber sicher auf dem Stein und Bein gefrorenen Flugplatz zu stehen. Zusammen mit einer Australierin und ihren beiden Töchtern wurden wir alsdann nach dem Northern Lights Village verbracht. Die beiden Youngsters sähen zum ersten Mal actual Snow. Tatsächlich schienen die beiden total fasziniert. Untrügerisches Zeichen dafür war, dass sie abwechselnd rechts und links aus dem Fahrzeugfenster rausschauten. Diese Generation legt das Smartphone sonst allerhöchstens noch zum Schlafen aus den Händen. Für einmal blieben diese Geräte ab. Angekommen in der winterlichen Arktis. Schön!

Soviel vorab: Wir sollten Nordlichter sehen! 🤩 Davon sei aber morgen berichtet.

Am Himmel über dem Hotel lässt sich bereits erahnen, welch Naturschauspiel wir bald erleben dürfen

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