Nachdem wir uns heute belebt hatten, begannen wir unser Tagwerk in der Bibliothek. Lesen bildet. Das ist allgemein bekannt und wird kaum je bestritten. Lesen kann nur mit einem Durst verglichen werden, den das Trinken nicht zu Ende zu löschen vermag, wieviel man auch trinkt. Zudem ist die Bibliothek Helsinkis architektonisch. Auch das wird jedem offensichtlich, der sich ihr nähert. Drin geht es, wie es Bibliotheken zu eigen ist, dann wieder um Bücher. Bibliothekare neigen dazu, die Werke einer Bibliothek einer gewissen Ordnung zu unterwerfen. Das wird gemeinhin als sinnvoll und überdies als nützlich betrachtet. Ordnung kann thematisch oder alphabetisch geschaffen werden. Gerne werden die beiden Methoden auch in kombinierender Weise vereint. Am meisten Laufmeter belegen in der hiesigen Bibliothek die Buchstaben Ä – ÄÄ. Das vermag wenig zu erstaunen, wem die finnische Sprache auch nur minimal vertraut ist. Eines meiner Reiseziele ist es, das Finnische besser ins Ohr geprägt zu kriegen. Ich hatte die Sprache bei kürzesten Versatzstücken auch schon mit Japanisch verwechselt. Dies vermag anfänglich zu erstaunen, beim vertieften Nachdenken mögen sich einem jedoch Bezüge zu erschliessen. Ein solcher ist – es erstaunt wenig – wiederum die Mumins, handelt es sich bei der gemeinhin bekannten Trickfilmserie doch um eine japanische Produktion.
Im Bibliothekskomplex Oodi kann man fast alles, ausser auf dem Hosenboden runterrutschen
Bei Muminmama ist der Name Programm. Sie trägt stets eine Schürze, was ihre Funktion als Hausfrau unterstreicht. Als wir uns eine Folge auf Youtube anschauten, war sie mit dem Haushalt zugange, währenddem sich Muminpapa ein Nickerchen gönnte. Da werden Geschlechterrollen zementiert, die heranreifende Jugend soll wohl von Anbeginn mitbekommen, wie es richtig ist. Dass Mumin in einem heteronormativen cis-Haushalt aufwächst, versteht sich von alleine, ein Muminnemo wäre in der Idylle des Mumintals wohl etwas gar progressiv gewesen. Wobei – je länger ich mir die Charaktere besehe, desto mehr habe ich Snufkin im Verdacht dem anderen Ufer des durch das Mumintal mäandernden Gewässers nicht eben abgeneigt zu sein. Snufkin hält sich nur im Frühjahr und im Sommer im Mumintal auf. Danach zieht er in wärmere Gefilde. Was er da wohl treiben mag? Das lässt jedenfalls tief blicken, wenn man einigermassen vom Fach ist. Er sei notoriously mysterious, weiss die Online-Enzyklopädie der Wahl zu berichten. Genau, mysterious nannte man das damals. «Musikalisch» wäre sonst auch noch so ein Begriff gewesen.
Im Kaffeehaus Jugendsali wird einem musikalisch zumute
Dass ich in der Sache Snufkin wohl nicht komplett daneben lag, förderte ein zufällig entdecktes Resultat zu Tage: A popular interpretation of Snufkin and Moomintroll’s bond is that they are in a romantic relationship. Tove Jansson herself had relationships with both men and women, and the Moomin stories are known for their hidden queer themes – “Snufkin” perhaps one of them.
Aha! Das macht uns die Autorin Tove Jansson doch gleich sympathischer. Im Mumintal war doch Platz für Diversität.
Diverse Produkte lassen sich in der alten Markthalle am Hafen von Helsinki bewundern
Militärischer steht es in der Bucht vor Helsinki zu und her. Die Festung Suomenlinnawurde um 1750 von den Schweden nach dem Vorbild des uns bestens bekannten Festungsbaumeisters Maréchal Sébastien Le Prestre de Vauban als UNESCO-Weltkulturerbe erbaut. Auch als Gibraltar des Norden bezeichnet, umfasst die Festung Mauern und Bastionen von sechs Kilometern Länge, rund zweihundert Gebäude und mehr als hundert Kanonen. Der finnlandschwedische Dichter Johan Ludvig Runeberg beschrieb die Festung in seinem Gedicht Sveaborg treffend:
Unberührt trotzt die Festung den Schneeverwehungen
Den blickar över hav och fjärd
med ögon i granit,
den lyfter högt sitt Gustavssvärd
och menar stolt: kom hit!Det svärdet sänks ej för att slå,
det blixtrar blott och krossar så.
Låt bli att trotsigt nalkas ön
då kriget gör sin rund;
stör icke drottningen av sjön
i hennes vredes stund:Hon slungar mot dig dödens bud
Johan Ludvig Runeberg
i tusende kanoners ljud.
Das sagt eigentlich alles.
Alles was man bei Einbruch der Nacht vor 16:00 Uhr in Helsinki entdecken kann































