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Stefan & Steffu's travels

Ein Ort ohne Eigenschaften

Es ist Oktober, der Monat, der eigentlich noch ginge, stellte er nicht den Übergang zum Winter dar. Winter läuft bei mir nicht. Andere mögen ihn. Ich nicht. Es gibt zwar ein paar wenige Dinge, welche auch ich ihm abzugewinnen vermag und deren Ausführung hier nichts weiter zur Sachte tut, aber in der Summe: Nein.

Einige „Les Plus Beaux Villages“ sind sehr verschlafen – Mortemart

Es gibt noch etwas anderes, das in derselben Hirnregion vergleichbare Ströme auslöst: Umkehrpunkte auf Reisen. Die mag ich nämlich auch nicht. Die Île de Ré stellte einen solchen, in diesem Fall mitunter logischen Punkt dar. Danach kommt dem Atlantik geschuldet nur noch Wasser. Irgendwann erreicht eine jede Reise einen solchen Kulminationspunkt, aber diesmal ist es uns gelungen, diesen auf den 12. einer insgesamt vierzehntägigen Reise zu verlegen, also auf die letzten 15% bezogen auf die Zeitachse. Das ist eigentlich noch so gut. Auf einer deftigen Skandinavienreise, wie wir sie diesen Sommer unternommen hatten, liesse sich solches nicht bewerkstelligen, die Distanzen sind einfach zu gross. Aber bei eben erst 1500 gefahrenen Kilometern geht das. Da kommen wir locker bis am Freitag zurück.

Vorhin sahen wir in einer Shopping- und Industriezone beim Wegfahren von einem Pitstop in einer Boulangerie einen Bieber. Das war lustig. Nun fährt Stefan und ich versuche an der Dinette zu schreiben, ohne dass mir übel wird. Auf Autobahnen geht das gut. Allerdings hat es hier keine, da lässt sich nichts tun. Ich will jetzt noch Hansruedi schreiben, bei ihm wollte ich mich schon lange melden.

Auch hier ist die Kirche im Dorf – Jarnages

So. Dem Hansruedi seine Mail ist geschrieben und abgesetzt. Unterdessen befinden wir uns zudem am heutigen Standplatz der Wahl in einem Ort ohne Eigenschaften. Also vermutlich hat der Ort schon welche, alle Ortschaften haben wohl solche, aber diesen hier braucht man ganz bestimmt nicht nachzuspüren. Wir haben es versucht, da ist nichts. Der Ort kann gar nichts. Ich habe noch Restposten von der Pizza, welche ich letzthin in der Omnia machte. Da gibt es einen Gratin draus. Das passt, schliesslich ist Gratin auch ein französisches Wort. Wie nennt man einen Auflauf eigentlich auf Deutsch? Egal. Ich mache da Pasta rein und Schinken und Käse und Rahm, etwas Zwiebeln, Bouillon und dann wird das gut sein. Bei mir mache ich dann wohl noch etwas Roquefort drauf, aber den darf ich erst am Schluss beigeben, weil diese Version dermassen versifft ist, dass ich schon fast Schnappatmung kriege von und das braucht etwas bei mir, sind mir die Käse doch am liebsten, bei welchen die Schimmelpilze annähernd das gesamte Farbspektrum und eine möglichst grosse Käsefläche einnehmen. Wenn sich der Käse dann auch noch bewegt und eine Spur hinter sich herziehend die Decke hochzukriechen beginnt und dabei Schmatzgeräusche macht, dann kann ein solcher als gut gereift bezeichnet werden. Aber dieser Roquefort, Leute, ich sage Euch, das ist ein Roquefort, den wir bei uns nicht kriegen. Die wissen schon, weshalb sie den doppelt verpackt haben. Zuerst fand ich das übertrieben, bis ich die zweite Hülle abklaubte und meine Finger sich in einer modrigen Sauce wiederfanden.

Trotz Sonne und Teich, uns ist nicht zum Baden zumute

Der Sommerferienblog fand nach dem Übersetzen von Rødby nach Puttgarden ein unvermitteltes Ende. Dessen war ich mir bewusst, befand aber, das dürfe auch einmal so sein. Literarisch elegant ist das nicht, aber unser Blog wird eh nicht den deutschen Buchpreis gewinnen, dafür ist er auch nicht vorgesehen. Da müsste ich schon ein Blutbuch schreiben oder etwas ähnliches, aber das ist dann wohl eine Schuhnummer zu gross und mir zu anstrengend. Allerdings sollte ich das jähe Ende bereuen, der abrupte Abschluss wurde nämlich einem Massregelungsprozess unterstellt; es wurde reklamiert, dass da noch etwas hätte kommen sollen. Die aufmerksame Leser¥innenschaft hatte selbstverständlich recht. Herta Müller und andere Literaten mögen mir nachsehen, ich werde das nicht mehr tun, grosses Buchzeichen-Ehrenwort. Dieser Band wird daher wieder einen ordensgemässen Abschluss finden, also mit Cliffhanger, Ausblick usw. usf., schliesslich lasse auch ich als ordentlich bezeichneter Beamter mit den Amtsvorschriften nicht spassen.

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