Franzosen ist das Konzept des Einsammelns von Hundescheisse gänzlich unbekannt. Wir standen gestern an der Vézère und durften Zeuge werden, wie die Hunde alles zukackten. Nicht ein Frauchen und auch kein einziges Herrchen kümmerte sich. Das liegt unter der Würde der Franzosen. Man versteht das Schild, welches wir einst im Elsass entdeckten und auf welchem treffend geschrieben stand: «La fée qui ramasse les crottes de chien n‘existe pas.» Und so übt sich besser im aufmerksamen Slalom, wer hierzulande zu Fuss unterwegs ist.
Kurzer Zwischenstopp: Romanische Kirche von Saint-Robert
In Frankreich gibt es rund 30‘000 Châteaux. Da braucht man nicht lange unterwegs zu sein, um solcher ansichtig zu werden. Das ist statistisch. Eigentlich ist das noch interessant: Tausende Châteaux und sie unterscheiden nicht zwischen Burg und Schloss. Da ist die Deutsche Sprache präziser; man weiss, womit man rechnen darf. Eine Burg ist auf Französisch ein Château, ein Schloss ist ein Château. Wir finden uns damit ab und arrangieren uns.
Sogar Ludwig XIV soll einmal im Schloss Hautefort halt gemacht haben
Eigentlich hätte ich als Blogtitel «l‘état c‘est moi» wählen wollen, aber als ich in Aubeterre-sur-Dronne angekommen den Tag betreffend die Stühle schon am auf die Tische stellen war, kam noch ein zünftiger Wumms. Wir sitzen unter einer Platane im Garten der Crêperie Sel & Sucre – welch ein Name – und der Schliessmechanismus meines Kiefers verweigert den Dienst noch immer. Aber der Reihe nach, wir waren noch bei den Châteaux. Wer als Tourist etwas auf sich hält, muss bei einer richtigen Frankreichreise zumindest ein Château besuchen. Daher stellten sie Versailles so nah an Paris, auf diese Weise können die City-Touristen auch noch gleich ein prächtiges Schloss besuchen. Nun ist das Périgord nicht zu verwechseln mit der Île-de-France und an Versailles kommt eh kein Schloss auch nur in vergleichbare Nähe, aber das Château Hautefort kann sich definitiv sehen lassen. Als wir an ein paar Kühen vorbei um ein Eck rauschten, entdeckten wir das Schloss auf Anhieb auf einer Anhöhe. Fast zeitgleich fuhren wir an einem Strassenschild vorbei, welches uns beschied, dass es bis zum Château elf Kilometer hin wären. Elf Kilometer und du brauchst nicht «Wo ist Walter?» zu spielen, das Ding ist unübersehbar. Hierzulande hiesse es ohnehin «Où est Charlie?». Vor einem dermassen grossen Schloss hat es auch Platz für einen Malibu und so wartete dieser, währenddem wir durch Räume und Gänge gingen, wie andernorts durch Täler. Aber ich bin mehr so in Burgen und Stefan hat das Schloss dann auch einmal gesehen und so liessen wir von diesem wieder ab.
9000 m3 Kalk wurden im 12. Jahrhundert für die Felsenkirche von Saint-Jean herausgeschlagen
Als wir das letzte Stück ins Städtchen Aubeterre-sur-Dronne fussläufig zurücklegten, dachte mir noch, ich weiss nicht warum, dass es mal wieder schön wäre etwas zu sehen, was mich mal wieder so richtig kickt. Und kicken sollte mich die L’église monolithe d’Aubeterre-sur-Dronne. Diese grösste Felsenkirche Europas wurde nach der Rückkehr eines Kreuzfahrers vom Ersten Kreuzzug (1096–1099) aus dem Fels gehauen dem Felsengrab in Jerusalem nachempfunden. Mit ihren mehr als 170 Gräbern ist die Kirche eine veritable Nekropole. Es erstaunt, dass die Kirche nie Drehort eines Indiana Jones war. Man bräuchte lediglich ein paar dreiviertel verweste schreiende Körper in die Gräber zu legen und fertig wäre die perfekte Filmkulisse.
Tagesprogramm: Sightseeing, Blog-Schreiben, Crêpes essen und Pizza im Camper zubereiten






























