Beim erst- und letztmaligen Besuch des Périgord stiessen Jeremias und ich schier mit unseren Nasen auf Lascaux und widerstanden der Versuchung uns die berühmten Höhlenmalereien zu beschauen selbstverständlich nicht. Heute sollte ich meines damals miterworbenen schlechten Gewissens diese ohne Stefan besucht zu haben abhold werden können – wir werden Lascaux nämlich besichtigen. Stefan also erstmalig und ich nun als Neuauflage. Aber Lascaux ist wie Pizza. Geht immer.

Der Homo sapiens sapiens ist nicht die erste Gattung Mensch, welche Kultur betrieb. Lucy (Australopithecus afarensis) hatte dafür wohl noch keine Zeit, sie musste auf der Flucht vor dem Säbelzahntiger schauen, wo sie blieb. Dem Homo erectus wurde das Label des Menschen dann aufgedrückt und tatsächlich schien dieser erstmalig kulturell gewirkt haben. Gut, die Ilias schrieb er nicht gerade nieder und bis zur Erfindung des Saxophons sollte es auch noch etwas dauern. Aber des Feuers war er mächtig und Bestattungen zählen definitiv als kulturelle Handlungen, oder als kultische. Vor uns waren dann auch die Neandertaler (Homo neanderthalensis) und die Homo heidelbergenses Kulturschaffende. Dennoch: Lascaux stammt vom Cro-Magnon-Mensch und damit vom anatomisch modernen Menschen. Also nicht die Höhlen, aber die Zeichnungen darin.
Die Malereien faszinieren auch als Kopien
Es stört nicht gross, dass man als Besucher durch eine Kopie latscht. Diese ist dermassen gut, dass man gar nicht merkt nicht des Originals ansichtig zu werden. Zudem geht Kulturgüterschutz vor. Die Erschaffer der Höhlenmalereien hätten sich gewundert, was ihnen zu Ehren an der Stelle 21‘000 Jahre später hingeklotzt werden würde. Die botemkinsche Fassade wird sogar auf 14° heruntergekühlt. Nicht zum Schutz von Lascaux IV, wie die jüngste Nachbildung heisst, sondern damit es sich echter anfühlt.
Faszinierende Einblicke in die moderne Archäologie und hinter die Kulissen des Museums
Über die Schöpfer der Zeichnungen ist leidlich wenig bekannt, was natürlich bedauerlich ist, schufen sie doch die Sixtinische Kapelle des Paläolithikums. Man könnte das selbstverständlich auch anders betrachten und die Sixtinische Kapelle als Lascaux der Neuzeit bezeichnen. Schliesslich war Lascaux zuerst da. Ist doch wahr.







