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Stefan & Steffu's travels

Usson

Wie schon einmal erwähnt, besang die Knef den Zürichsee, bei dreissig Grad im Schatten. Nun liegt Lyon nicht am Zürichsee, sondern am Zusammenfluss von Saône und Rhone. Chansons werden in Frankreich zwar auch und gerne gesungen, jedoch nicht von Hildegard Knef, sondern selbstverständlich von der unsterblichen Édith Piaf, welche ja eigentlich Édith Gassion hiess. Letzteres tut allerdings wenig zur Sache, ersteres aber schon. Gestern kochte es Malibu und uns bei 32° dermassen auf, dass sämtliche im Van verfügbaren Ventilatoren auf maximale Umdrehungszahlen gebracht wurden, um für etwas Bewegung der heissen Luftmassen zu sorgen.

Beim Präzisionsspiel Boules kennt der/die Franzose/-zösin keine Gnade

Heute ist aber fertig damit, die erwartete Front regnet auf den Malibu herunter, was sie nur abkann und die Temperaturen sind um 18° gefallen und erreichen schon fast Wollsockenniveau. Dafür konnte ich meine jüngste Errungenschaft, die am Donnerstag frisch eingetroffene Barbour Beaufort einem Härtetest unterziehen. Währenddem alle anderen wie von der Tarantel gestochen über die Raststätte rannten, nahm ich es gemütlich und liess das Wasser an der Jacke abperlen, schliesslich ist die für britische Verhältnisse konzipiert. Das gefällt ihr besser als die mehr als dreissig Grad gestern, da wäre ihr wohl der Wachs davongelaufen.

Ab und an muss auch etwas für den Durchblick gemacht werden

Eigentlich war ich am Fahren, aber mich bekam wohl verursacht vom Regen so eine halbseidene literarische Anwandlung. Zudem wartete ich auf Stefan, der noch an der Raststätte zu Gange war. Also schrieb ich. Oder schreibe noch, sonst könnten diese Zeilen ja nicht entstehen. Ausser eine KI wäre am Werk. Aber eine solche nutze ich selbstverständlich höchstens für Recherchen, wenn Google die Fahnen streckt. Den richtigen Nachnamen der Piaf schaffte Google aber. Und zeigte mir gleich noch ungefragt deren aufgemalte Augenbrauen, welche das Stück länger waren als der glattgebügelte Schnauzer von Salvador Dalí. Sie hätte beim Singen bleiben und die Malerei Dalí oder den französischen Expressionisten überlassen sollen. Die Ausstellung von Cézanne soll super sein, aber dazu hätten wir in den Süden und nicht in den Westen fahren müssen. Aber der Süden ist Malibu unterdessen so bekannt, dass wir ihn langweilen würden und man soll seinen Van ja bei guter Laune halten.

Stefan überlegt sich die Nebellichter einzuschalten. Wenn das so weitergeht, werden wir demnächst Stirnlampen montieren und uns mit einem Bergsteigertau zusammenbinden, um uns nicht zu verlieren. Im Van notabene.

Usson – lässt sich auch bei Regen erkunden

Wir sind in Frankreich. Und in Frankreich absolvieren wir, wenn wir nicht gerade in Paris oder dergleichen sind, es erstaunt nun wirklich keine Blogleserin mehr, genau, Les plus beaux Villages de FranceUsson ist ein solches. Von den schönsten mag es wohl das am wenig hübscheste zu sein. Dafür steht das Städtchen auf einem Vulkan drauf. Wie zum Beweis hat dieser mehrere Basalt-Formationen hinkonvektiert. Auf dem Rückweg von diesen stellte ich Stefanen gegenüber erstaunt fest, wieviele Basalt-Formationen wir nun an den unterschiedlichsten Orten besucht hätten (Irland, Tschechien). Nicht, dass wir nun Basalt-Hunter wären oder so. Gibt es solche? Die Leute haben ja die merkwürdigsten Hobbys.

Die Basalt-Orgeln von Usson – Überbleibsel des Unterwasser-Vulkanausbruchs vor 18 Mio Jahren

Ein kurzes Nickerchen POST VESPERANDUM taten wir bei trockener Meteo. Wir erhuben uns aus den Betten unter Verweis auf die trockene Gelegenheit. Kaum draussen schiffte es, dass ich alsbald auf den Schirm verzichtete. Dieser verteilte den Regen bloss noch etwas, so wie ein Nilpferd die Scheisse mit ihrem rotierenden Schwänzchen. Testen wir halt nochmals die Barbour-Jacke. Sie hielt dicht. Allerdings, so stellte ich nach rund 60 Litern fest, muss das Wasser ja irgendwohin abfliessen. Tut es auch. Auf die Hose. Immerhin hatte es keine Nilpferde.

Blick in die Auvergne

Irgendwie wurde mir Stefan im Tourismusbüro von der Reine Margot de France angefixt. Seither liest er Biografien von der Königin und von Prinzen, von Kardinälen oder wem auch immer. Ab und an murmelt er «Oh mein Gott!» und ähnliches. Wobei «Mon Dieux!» irgendwie passender erschiene. Also am Mangel an Französischkenntnissen kann das nicht liegen. Zumindest nicht bei ihm. Da muss wohl Spannendes vonstatten gegangen sein. Ich lasse mir dann das Summary erzählen. Aber lasset mich schon mal etwas fantasieren und einen Versuch unternehmen: Erblasser, Königin, Feldzüge, Katholizismus. Thronfolger, Inzest, früher Kindtod. Nochmals ein Feldzug, Protestantismus, Intrigen und Typhus. Die Guillotine nicht, die kam erst später, bis auf weiteres begnügte man sich mit Holzböcken und Äxten. Die tun es auch.

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