Exploring the world

Stefan & Steffu's travels

Farvel Norge – hej Sverige

Wir haben meinen Körper mit Tiger-Balsam eingerieben. Ich habe Rücken. Der Körper fühlt sich nun bis in die zwanzig Spitzen meiner Finger und Zehen an, als stünde er in Flammen. Dafür riecht es im Malibu lecker nach Kampfer, Menthol, Cajeputöl und dergleichen mehr. Vor allem kann ich mich aber in Flammen wähnend schreiben wie ein Teufel. Diesen Life-Hack will ich mir merken.

Dämmerungsstimmung in Evenskjer: der Himmel scheint wie Tigerbalsam zu brennen

Im Tiger-Balsam hat es entgegen einem sich hartnäckig haltenden Gerücht kein Tiger drin. Das scheint mir beruhigend, andererseits aber auch verwirrend, da es in der Murmeli-Salbe tatsächlich Mungg drin hat.

Im Hohen Norden muss man ohnehin stets grosse Aufmerksamkeit darauf verwenden, was man kauft. Ohne dass man sich versieht, hat man Wal-Salami, Rentierwurst oder Bär in der Dose gekauft. Kein Witz. Vor allem Bär ist recht teuer, aber das wäre mir noch, Bär zu kaufen. Da würde ich eher vom Jäger kosten. 

Damit du Dosen, Wurst, Tiger-Balsam oder was auch immer käuflich erwerben kannst, bist du darauf angewiesen, dass eine dafür vorgesehene Infrastruktur vorhanden und diese obendrein auch noch geöffnet ist.

Über die neue Hålogalandsbrua, die den Rombaksfjord überspannt, gelangt man rasch nach Narvik. Vor zehn Jahren sahen wir sie noch im Bau (Bild rechts)

Die Hafenstadt Narvik ist ein wichtiger Knoten- und Ausgangspunkt in den Westen nach Lofoten, Richtung Nordkapp oder Trondheim in die entgegengesetzte Richtung und schliesslich nach Osten nach Schweden und Kiruna. Züge fahren von hier bis Stockholm. Da erstaunte es uns, dass sonntags morgens um zehn nirgends ein Kaffe zu haben ist. Nicht im Zentrum, nicht um die Museen, das Kaufhaus hat zu und selbst am Bahnhof – nichts! Der Kaffee wird in Narvik sonntäglich wohl zu Hause eingenommen. Wir spielten zwar kurz mit dem Gedanken aufs Geratewohl an ein paar Häusern zu klingeln, das schien uns aber dann doch wenig angemessen, auch in Ermangelung der Verfügbarkeit eines passenden Gastgeschenkes. Hätten wir einen Gâteau du Vully bei uns gehabt, hätte ein Besuch wohl den Drang bewiesen in Erscheinung zu treten. Da Norweger zudem allesamt mindestens ordentlich bis gar ausgezeichnet des Englischen mächtig sind, wäre auch kein betretenes Schweigen eingekehrt. Wir hätten beispielsweise beim Mont Vully beginnen können. Das Seeland wurde mitunter auch durch Gletscher geformt und da wäre schon eine Gemeinsamkeit mit der hiesigen Bevölkerung gefunden gewesen. Geteilte Erfahrung verbindet.

In Narvik ist Sonntags nicht viel los

Schliesslich kam Stefan noch die Idee mit einer Tanke und die hatte sogar eine Kaffeemaschine, welche ein Mahlwerk bemühte (vgl. Blogbeitrag von gestern).

Im „Notfall“ tut’s auch ein Tankstellenshop

Es gibt eine ganze Liste von Dingen, welche ich nicht mag. Auf Reisen diesbezüglich ziemlich weit oben steht Verlassen von NorwegenNorwegen ist nämlich eines meiner mir liebsten Länder und da fahre ich gerne hin. Aber nicht fort. Muss aber halt auch. Am besten ist es dann, das schnell und schmerzhaft zu tun. Also verlassen wir Norwegen einige Kilometer abseitig von Narvik mittels E10 über das Björnfjell nach Schweden.

Über das Björnfjell geht’s nach Schweden

Norwegen verlassen ist jedoch nicht einem Reiseende gleichzusetzen, befinden wir uns doch noch immer tief in der Arktis, jetzt einfach nunmehr in LapplandLappland geht auch in Ordnung. Da hat es zwar anstelle der Fjorde Seen und anstelle der Möwen Mücken. Letzteres wird aber gut gemacht durch das Vorhandensein von Rentieren. Der Spassfaktor ist daher in einem hinnehmbaren Mass geschmälert.

Wie ich heute erfahren habe, haben wir vorgestern auf Langøya Amélie gekreuzt, welche, fleissiger als wir es sind, mit dem Fahrrad ans Nordkapp fährt. Das wäre glatt gewesen, hätten wir unverhofft miteinander berichten können. Gute Fahrt, Amélie!

Das Erzbergwerk prägt die Stadt Kiruna

Die Eisenerzbergwerkstadt – meine Güte; Ein Kuppelwort bestehend aus fünf einzelnen Wörtern, in Deutsch geht das – die Eisenerzbergerkstadt Kiruna – ginge das eigentlich auch in Schwedisch? – die Eisenerzbergerkstadt Kiruna ist hässlich wie die Nacht. Vermutlich gibt es daher keinen Stress, dass die ganze Stadt eben wegen der sich nach Osten zu erweiternden Eisenerzgrube in den nächsten Jahren komplett abgerissen und fünf Kilometer weiter östlich neu errichtet wird. Viel geht da allerdings nicht verloren, wir würden Kirunanicht eben für den Wakkerpreis vorschlagen.

Die Kirche von Kiruna steht bereits auf Stelzen für den Abtransport bereit

Aber man stelle sich das Geschrei bei uns zu Hause vor, würde man etwas ähnliches versuchen. Die mit einem Kubus von 35 x 35 x 35 Metern nicht eben kleine Kirche von Kiruna von 1912 – vermutlich fiel ihnen kein schlauerer Name ein als Kiruna kyrka – steht aufgebockt bereit und wird nächsten Monat in einem Stück an ihren neuen Bestimmungsort gefahren. Dem Schauspiel würden wir gerne beiwohnen. 

Hier wird erklärt nicht wie man einen Berg, aber zumindest eine Kirche vom 19.–20. August 2025 verschiebt (Quelle: LKAB)

Vermutlich damit mir nicht zu wohl wird, habe ich Rücken. Das ist nicht weiter tragisch und der während der Fahrt nur unwesentlich veränderbaren Haltung geschuldet. Der Bordcomputer vermeldet, dass die Gesamtreisezeit unterdessen 60:23 Stunden betrüge. Sechzig Stunden reichen sogar für eine ordentliche Entzündung. Für eine Reise wie diese nähme ich noch mehr auf mich und schliesslich gibt es auch Tiger-Balsam. 

20 km (!) Schotterstrasse wegen Belagsarbeiten helfen nicht unbedingt bei Rückenschmerzen

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