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Stefan & Steffu's travels

Bamse Mums

Im Kiwi des Städtchens Sortland entdeckte Stefan Bamse Mums. Bamse Mums waren nicht der Grund, weshalb wir nach der Insel Langøya fuhren. Ohne Bamse Mums ist das Leben allerdings auch nicht besser als mit. 

Brücke nach Sortland

Vielen Inseln ist gemein, dass man oft lange Strecken fährt, um sich dann wieder am Ausgangspunkt wiederzufinden. Geometrisch lässt sich das vereinfachend am Beispiel eines Kreises und unter Zuhilfenahme eines Polarkoordinatensystems abstrahieren. Führe man auf einem auf der Polachse liegenden Punkt ρ sämtliche Winkelkoordinaten θ ab, landete man wieder bei der ausgehenden Radialkoordinate. Auf der Insel Langøya verhält sich dies nicht anders, wobei der Korrektheit halber erwähnt sein muss, dass die Insel genauso wenig ein Kreis ist, wie die Erde eine Kugel. Das Rotationsellipsoid kommt der tatsächlich korrekten Form der Erde wesentlich näher. Aber wieso von der Kugel herkommend ein Rotationsellipsoid bemühen, wenn doch das Geoid korrekt wäre? Ganz einfach: Weil sich mit dem Geoid nicht rechnen lässt. Mit dem Ellipsoid hingegen schon. Wie aber bezeichnet man die korrekte Form einer Insel? Plättete man das dreidimensionale Geoid auf zwei Dimensionen, und zöge man dieses auf ein Rotationsellipsoid auf, würde das wohl so ziemlich den Tatsachen entsprechen. Eine Fahrt um Langøya dauert genügend lang, um dergestalt Gedanken anzustellen. Vereinfacht zusammengefasst: Nach einem Tag befanden wir uns wieder am Ausgangspunkt Sortland.

Unser gestriges Highlight: Ein Fischadler wohnte am Waldrand neben unserem Stellplatz

Nähme man – so befällt mich nun der Gedanke – anstelle eines Kreises ein Band, welches man an der Hochachse um 180° verdreht, und brächte man die Enden zusammen, kriegte man ein Möbiusband mit nur einer Kante und einer Fläche. Wenn man das nun auf die Reise anwünde, stiegen Komplexitäts- und vor allem der Anstrengungsgrad ganz wesentlich. Ausser man reiste durchs All.

The man from the sea (Mannen Frau havet) auf Langøya

Wir hätten den Lauf nun auf verschiedene Weise wiederholen können und wären stets wieder nach Sortland gekommen. Das hätte den Vorteil, dass wir  uns auch dann nicht verlören, wenn wir uns grob verführen. Uns schien es aber wenig reizvoll Langøya nun wiederholt zu umrunden, zumal Vesterålen zwei weitere Hauptinseln umfasst. Also verliessen wir Langøya wieder über die Sortlandsbrue, um über Hinnøya und die Andøybrua auf die Insel Andøya zu fahren. Das vorangehende und am Beispiel von Langøya beschriebene Prinzip lässt sich auch auf Andøya anwenden und sich vereinfachend am Beispiel eines Kreises und unter Zuhilfenahme eines Polarkoordinatensystems geometrisch abstrahieren. Wir erkennen, dass sich das Phänomen an einem anderen Ort zu wiederholen beginnt. 

Impressionen von der Insel Langøya

Noch nicht aufgelöst ist, was es mit den Bamse Mums auf sich hat. Gestern Abend zum norwegischen Film Viking Wolf – es kickt viel mehr, wenn die Umgebung, welche von einem Werwolf unsicher gemacht wird, genau so aussieht, wie die, in welcher du dich gerade befindest – biss ich in Erwartung, dass die wie mit Schokolade ummantelten Bärchen aussehenden Bamse Mums mit einem Biskuit oder so gefüllt sind, in den Kopf eines eben solchen rein. Der sich dann einstellende beisshaptische Wiederstandswert klaffte in solchem Mass mit dem Erwartungswert, dass mich das Bamse Mums umgehend von der Filmhandlung absorbierte. Bevor sich die Masse als überraschend zäh herausstellte, gingen die Zähne durch das Bamse Mums durch, wie die Werwolffänge im Film durch die Arme seiner Opfer.

Nicht die Abflugrampe des Weihnachtsmanns, sondern die Brücke zur Insel Andøya

Im Gegensatz zum Werwolf, dem die bedauernswerten Norweger zu schmecken schienen, begnügte ich mich jedoch mit einem Bamse Mums. Während der ganzen weiteren Filmhandlung liess mich die Frage nicht los, woran mich Bamse Mums ziemlich exakt erinnerten. Ich wusste, dass ich das Gegessene kenne. Ich wusste es! Allerdings kriegte ich es erst heute bei der Fahrt durch Langøya raus: Bamse Mums sind genau gleich wie die kleinen, flachen, in Alufolien verpackten und ebenso mit Schokolade umhüllten Gummibananen, welche wir als Kinder stets verschlangen, bis uns schlecht wurde, so wir deren in genügender Stückzahl habhaft werden konnten. Erstaunlich, wie lange es dauert, bis sich an einer verinnerlichten Erinnerung festmachen lässt, was auch nur eine andere äussere Form aufweist. Wahrnehmungspsychologie ist eben auch faszinierend.

Bamse Mums sitzt auf einer Schwedentorte, die hier Prinsentorte heisst, umringt von norwegischen Jordbær

Wenn Euch also nach Bamse Mums gelüstet, braucht Ihr nicht extra nach Vesterålen zu fahren. Ihr könnt Euch einfach in einem Discounter der Wahl ein Pack Gummibananen auftun. Da seid Ihr zudem sicher vor Werwölfen. Und vor Polarkoordinatensystemen.

Bei Flut stellen wir unseren Van für die Nacht an den Andfjorden

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