Im hohen Norden ist es nicht kühler. Die Sonne steht einfach länger am Himmel und kann dir so während nunmehr 21 Stunden am Tag einheizen. Der See Fustvatnet ist so warm, dass er uns gestern Abend kaum Abkühlung brachte, dafür lud er zum Planschen ein, warme Gewässer haben diese Wirkung auf Menschen. Zumindest auf die, welche sich in ihnen aufhalten.
Möwen sind uns deutlich lieber als Bremsen
Getrübt wurde der Badespass von den Bremsen, welche hier im Dutzend vorkommen. Pro Person versteht sich. Alles, was sich über der Wasseroberfläche befindet, wird umgehend angegriffen. Unter der Wasseroberfläche bist du von den Bremen zwar einigermassen sicher, da lauert aber die Gefahr der Fjell-Quallen. Sicher vor beiden sind wir einzig im Van. Die Bremsen kommen nicht durch die Fliegengitter durch und die Quallen schaffen es nicht durch die bordeigene Kanalisation hoch. Auf der E6 erwischen uns einzig die Kameras, welche fröhlich die Maut aufrechnen, aber das geht in Ordnung. Dreitausend Kilometer Strasse wollen schliesslich unterhalten sein.
Noch kurz einen Kaffee und einen Besuch bei der Kloakkpumpestasjon und ab zum Polarsircelsenteret
Von unserer nächtlichen Rast zwischen Mosjøen und Sandvik bis zum Polarsirkelen auf 66° 33′ 55″ nördlicher Breite waren nochmals 155 km zu absolvieren. Unterdessen liegt Oslo bereits mehr als 1000 km südlich von uns. Wir sind nun in der Arktis. Alas ist es in dieser auch nicht kühler. 31° in Fauske. Also normal ist das nicht mehr.
Wir sehen zwar von weitem Schnee beim Polarzirkel-Center, aber an Rentiere oder Eisbären ist bei der Hitze nicht zu denken


Vor vier Jahren (rechts) war’s noch etwas kühler
Der Songtext Eisbär (1980) von Grauzone wäre wohl zu überarbeiten: «Ich möchte ein Eisbär sein im kalten Polar. Dann müsste ich nicht mehr schrei’n, all das wär so klar. Eisbär’n müssen nie weinen.» Eher nicht so.
Bald werden sie hier an den Strassenshops nicht mehr Jordbær verkaufen, sondern lokal geerntete Kokosnüsse und Mangos.
Landschaft pur
Das Wetter wird jedoch nicht mehr lange halten. Es wird mit einer Front gerechnet, die auf absehbare Zeit Regen und dergleichen mehr bringen wird. Mit ihr wird auch ein harter Temperatursturz einhergehen. Wir wissen nicht so recht, ob wir uns freuen sollen, oder nicht. Jedenfalls beschlossen wir dennoch auf die Lofoten und die nördlich davon gelegenen Vesterålen zu fahren. Da die Front erst übermorgen erwartet wird, geben wir etwas Gummi, um die Inselgruppen für einmal im Sonnenschein zu erleben. Sollte es auch diesmal nicht in befriedigender Weise klappen, werden wir ein andermal einen vierten Anlauf unternehmen. Das ist ein bisschen wie mit einer mittelalterlichen Burg, welche du belagerst. Dagegen rennst du an, bis es irgendwann klappt.
Rast für die Nacht am Fjord in der Nähe von Bognes, Sandregenpfeifer inklusive




















