Heute sollten wir zur See fahren. Nachdem wir uns am Morgen mit Seefahrtsregeln und dem internationalen Seefahrtsrecht besser vertraut gemacht, den doppelten Palstek repertiert und das Morsealphabet aufgefrischt hatten, fühlten wir uns bereit für Elmsfeuer, Klabautermänner und zum Verspinnen von Seemannsgarn.
Eine zwingende Voraussetzung für Schifffahrten ist das Vorhandensein von Wasser, sei es in Flussform oder als See, besser noch in üppiger Menge als Meere, Ozeane und dergleichen mehr. Oder eben als Fjorde. Nun aber befindet sich der Campingplatz auf dem Ekeberg drauf und da ist natürlich kein Wasser nicht vorhanden. Die Typenbezeichnung Aqua Marina Tomahawk Air-K 440 mutet nach einem eleganten Boot an und das ist es auch. Aber nicht, wenn es verpackt ist. Und die Schose muss runter zum Wasser. Wenn du mit der Wumme von einem Rucksack – gottlob lag dieser beim Kauf des Bootes bei, etwas Passendes würde sich niemals finden lassen – also wenn du mit dem geschulterten Boot unterwegs bist, ist dir die Show gewiss. Vor allem, wenn jemand von meinen überschaubaren Massen einen solchen Packen trägt. Das sieht dann aus wie eine viel zu gross geratene Tasche mit Beinen. Hätte mich jemand gefragt, ich hätte gesagt, dass es sich um unsere Lunch Box handle.
Rucksack auf Beinen trifft es gut: Mit unserem Kajak vom Ekeberg zum Oslofjord
Glücklicherweise mussten wir nicht bis zum Wasser runterlatschen, sondern konnten uns von den öffentlichen Verkehrsmitteln in dessen Nähe verbringen lassen. Es fühlte sich speziell an, das Kajak unmittelbar vor dem Munch-Museum aufzupumpen. Wir sind immer wieder überrascht, wie rasch die Pumpe das Boot über drei Stutzen flott und so knallhart aufgeblasen kriegt, dass damit in rammender Weise Fregatten versenkt werden könnten. Die Pumpe vermag echt was beissen. Sehr nützlich ist ihre Druckluftanzeige, welche dir besagt, wann 1 Bar Druck anliegt und somit gut ist.
Man sollte einfach daran denken vor dem Pumpvorgang das Ventil am Boot so einzustellen, dass die Luft drin bleibt, wenn der Schlauch entfernt wird. Sonst tritt die Luft mit einer so grossen Wucht aus, dass nahezu ein Knalltrauma kriegt, wer damit hantiert.
Boot aufgepumpt, Material verstaut – los geht’s!
Ein paar Minuten später waren Boot, Mann und Maus bereit, das Gepäck vertäut und das Boot zu Wasser gelassen. Ein paar Ruderschläge und wir waren im Takt und alsbald am Munch-Museum vorbei und im offenen Oslofjord. Von da an galt es die Umgebung im Griff zu behalten, wobei vor allem an achteraus zu denken ist. Es ist nämlich gar nicht cool, wenn du von einer Fähre von hinten platt gemacht wirst.
Zwischen farbigen Ferienhäusern und Seevögeln
Trotz erhöhtem Verkehrsaufkommen ging jedoch alles glatt und flott vonstatten. Um die Inseln Hovedøya, Bleikøya, Gressholmen-Rambergøya und Lindøya war es ganz gemütlich, weil nebst den Fähren selbst Motorboote zu tiefen Seegang haben, um so nah an den Inseln entlangzufahren, wie wir das auf der Suche nach etwas Schatten taten. Unser Kajak liegt nämlich platt auf der Wasseroberfläche und die beiden Finnen am Rumpf begnügen sich mit gerade mal 20 cm Tiefgang. Das geht auch bei Untiefen völlig in Ordnung.
Es lässt sich gemütlich durch die Inseln vor Oslo paddeln
Nach gut acht Kilometer paddeln waren wir allmählich fällig für eine Pause und eine Erfrischung, wir sind schliesslich nicht mehr zwanzig … vor allem ich nicht … und Fortbewegung per Paddel betreibt man ja auch nicht jeden Tag. Da wir nicht wussten, ob das Boot bei der angesagten Aker Brygge angemacht werden darf, beschlossen wir, dieses auszuwassern und in Sichtweite der Bar Fridays an einem massiv verschraubten Schild festzukabelschlossen. Die Drinks vor uns stehen habend tat ich Stefan kund, dass unser Boot auch bereits fotografiert würde. Sogleich stellte ich jedoch fest, dass dies von einer Security getan wurde, also verfiel ich unmittelbar in einen flotten Galopp und wurde bei der offiziellen Person vorstellig. Eigentlich nicht, wurde mir beschieden, aber wenn wir nur für einen Drink blieben, ginge das schon. Die Leute sind nett hier.
Sightseeing vom Wasser aus
Wo einst ein Containerhafen stand, befindet sich heute eine schmucke Riviera
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Weniger nett ist das Quallen-Thema. Leute, ich sage Euch, ich sah heute Quallen. Ohne Ende. Eine zog Tentakel von nahezu einem Meter länge hinter sich her. Da jedoch nur ich diese sah, begann ich allmählich an meinem Verstand zu zweifeln und mich zu fragen, ob ich wohl unter einem qualleninduzierten posttraumatischen Belastungssyndrom zu halluzinieren begänne. Dass Stefan schliesslich die achte Qualle, welche ich zählte, auch sah, vermochte mich etwas zu beruhigen. In den Oslofjord stieg ich aber zurück bei unserem zur Ablege- und Anlandungszone erklärten Holzsteg bei Bleikøya angekommen nicht rein. Ganz bestimmt nicht!
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Wir waren fast 12 km auf dem Wasser
























