Exploring the world

Stefan & Steffu's travels

Oslo calling

Göteborg liegt hinter uns, Fahrerwechsel. Auf den Focal Bathys MG habe ich den African Chillout Mix drauf, welchen ich mir für Afrika aufsuchende Zwecke im Neunzehn vom Web gezogen hatte. Aufmerksamen Leser¥innen wird nun nicht entgangen sein, dass wir uns ja gar nicht auf dem afrikanischen Kontinent befänden. So strub verfährt sich keiner, der nach Skandinavien will. Üblicherweise kommen auch Bliss auf den Plattenteller gelegen, weil mir deren Musik bestens zu den nordischen Landen passend scheint. Mit der skandinavischen Wettermeldung, welche es heute sogar in die Frankfurter Allgemeine schaffte, vor allem aber mit dem, was auf uns niederbrennt, scheinen mir afrikanische Klänge angemessener.

Hitzewelle jenseits des Polarkreises, Sonnenstich im hohen Norden. So hat man Badeferien und einen Ausflug in die Arktis in einem. Da fahren wir nämlich auch hin. Aber noch nicht heute. Weil sich das zum einen zieht wie gestört. Vor allem aber wäre es schade, weil wir so Oslo links liegen lassen müssten und das wäre nicht bloss bedauerlich, sondern käme einem Sakrileg gleich.

Obligate Kaffee-Pause und Einkaufen muss auch sein – ein halbes Pfund Kaviar sollte fürs Erste genügen

Oslo gilt nämlich als drittgeilste Stadt der Welt. Nach New York und Paris. Wer das sagt? Wir. Oslo calling. Wenn Oslo ruft, müssen wir antworten. Die Stadt geht nämlich auch ohne besondere Vorkehrungen immer. Trotzdem trafen wir solche. Wir haben nämlich unser Aqua Marina Tomahawk Air-K 440 mit im Gepäck, also unser Full Drop-Stich Kajak, welches sich dermassen aufpumpen lässt, dass sich schliesslich in einem massivwandigen vier Meter vierzig Boot wähnt, wer dieses besteigt. Wir wollen Oslo diesmal also auf dem Seeweg erkunden. Darf man das eigentlich? In der Akershus Festning ist noch immer eine Garnison stationiert. Wir werden merken, wenn wir torpediert werden. Das wird jedenfalls ein Spass. Zudem ist es vernünftiger, wenn ich in einem Boot sitze, wenn ich im Oslofjord bin. Beim letzten Mal machte ich auf unangenehmste Weise Bekanntschaft mit einer Qualle. Können die Biester eigentlich aus dem Wasser rausspringen, um dich in einem Boot anzufallen? Erstaunen würde es mich nicht. Wir werden es erfahren. Die Quallen freuen sich bestimmt genauso auf unseren Besuch, wie wir uns auf Oslo.

«Die Welt ging unter am Zürichsee, bei dreissig Grad im Schatten.»

Hildegard Knef

Nach vielen Kilometern Asphalt deuten Zeichen darauf hin, dass wir Norwegen erreicht haben.

Der Ekeberg liegt nicht am Zürichsee, sondern oberhalb des Oslofjords. Dreissig Grad sind es auch nicht. Es sind mehr. Wir wünschten uns Schatten spendende Bäume. Solche sehen wir auch. Allerdings lediglich in hundert Metern Distanz. Das reicht selbst bei der gegen die Pole flacher einfallenden Sonne nicht. Und so müssen wir uns mit der Markise begnügen. Die bringt es auch.

«After two days in the desert sun, my skin began to turn red. After three days in the desert fun I was lookin‘ at a river bed. And the story it told of a river that flowed, made me sad to think it was dead.»

America, A horse with no name

Im Ekeberg Camping angekommen, eingerichtet … und später angerichtet

Die Haut beginnt Blasen zu werfen. Wir löschen mit einem Aperol Spritz. Rabenvögel gehen auf Futtersuche umher. Ich stelle mir vor, es wären Geier. Solche vermögen eine verendete Gazelle von sechzig Kilo in zwanzig Minuten wegzuputzen. Mitsamt den Knochen, versteht sich. Da bleibt nix übrig. Ich schaue, dass ich mich alle paar Sekunden bewege. Das ist sicherer. Gibt es in Norwegen eigentlich Geier?

«Hot town, summer in the city, back of my neck gettin‘ dirt‘, and, and gritty. Been down, isn’t it a pity? Doesn’t seem to be a shadow in the city. All around, people lookin‘ half-dead, walkin‘ on the sidewalk, hotter than a match head.»

The Lovin’ Spoonful, Summer in the City

Malibu muss sich selber Schatten spenden

In die City gehen wir dann morgen. Wenn es noch frischer ist. Vorletztes Mal kurvten wir mit den Bromptons auf der Oper rum. Morgen werden wir einer Führung durch die Oper anheimwohnen. Etwas Kultur schadet nie. Stefan hat gebucht, weiss aber nicht mehr, ob eine Führung in Deutsch, oder eine in Englisch. Egal. Hauptsache nicht in Norwegisch.

«Det er sommer det er varme kvelder. Du kan sove på verandaen eller. Være våken hele natten heller, uten dyne eller varme feller. Nå er byen nesten tom for biler. På benken sitter det en mann og hviler. Det er så fint i Oslo at jeg tviler, på at noen har no’ bedre ferie enn de som har blitt igjen i Oslo uten andre plikter enn å vanne blomster for ei tante. Ja, for ei tante!»

Lillebjørn Nilsen

Die Dämmerung hüllt Oslo um 23:00 Uhr in einen goldenen Schleier

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