Manche fahren zum Shopping von Schuhen nach Mailand. Kann man machen. Wir nicht. Wir reisen stattdessen für eine Türe an. Ich weiss nicht, was kränker ist. Vor allem wenn man bedenkt, dass sich die Türe gar nicht öffnen lässt. Aber der Reihe nach.
Kennt Ihr den Tom und die Barbara noch? Genau, Schweden im Juli 2023: Skärhamn. Kürzlich galt es im Office eine Information zu erlangen, auf welche im Web nicht weiter einzugehen sei. Sonst müsste ich das Internet auch gleich in Brand stecken. Würde ich mich nicht so beliebt machen mit. Dann gäbe es auch kein TikTok mehr und das wollen wir den Kiddies bestimmt nicht antun. Die wüssten ja gar nicht mehr was machen. Ich jedenfalls zum Tom und da stellte sich am Rande heraus, das ihre und unsere Sommerferien-Routen einmal mehr auch in der vierten, also der zeitlichen Dimension, über Kreuz liegen. Da wollen wir natürlich etwas machen dran.
Leider haben nur wenige Fachwerkhäuser den Krieg überstanden. Was blieb, beeindruckt heute.
Zurück zur Tür. Ungläubig konsultierte ich Google Maps. Bestimmt zum fünften mal, weil ich nicht glauben konnte, dass es sich bei dem Ort, welchen wir fussläufig passierten, um die Hildesheimer Altstadt handeln sollte. Altstädte sehen nämlich auch mit sehr viel Fantasie nicht so aus. Ausser eben in Deutschland, nachdem solche von den Amerikanern oder den Briten eingeebnet wurden. In Hildesheim leisteten die Briten also sehr gründliche Arbeit. Und das gerade mal sechzehn Tage, bevor die 9. US-Armee in der Stadt einmarschierte. Da kann schon mal gefragt werden, ob das wirklich nötig war. Jedenfalls waren danach 34’000 Einwohner obdachlos, 1300 Fachwerkhäuser futsch und 90% der Altstadt eben keine mehr.
Die Michaliskirche des ehemaligen Benediktinerklosters wirkt schlicht aber erhaben
Aber Hildesheim kann UNESCO-Weltkulturerbe. Auch, weil deren Kulturgüter eben wegen Luftangriffen auf deutsche Städte an sichere Orte verbracht wurden. Also die mobilen Kulturgüter. Dom und die Michaeliskirche konnten nicht an andere Orte verbracht werden. Was am 22. März 1945 entsprechende Konsequenzen für die beiden Bauwerke zur Folge hatte.
Zwischenspiel vor dem Hamburger Elbtunnel: Stau. Auch diesmal. Der Elbtunnel wird auch Gotthard des Nordens genannt. Jedenfalls von uns. Nadelöhr halt. Beim Gotthard wegen Bergen, ich weiss nicht genau welchen. Beim Elbtunnel wegen einem grossen Kanal, ich weiss nicht genau, wie der heisst. Im Tunnel drin geht es jedenfalls zuerst mächtig nach unten. Eben unterm Wasser durch halt.
Die Autos tröpfeln durch den Elbtunnel bei Hamburg hindurch
Nach Hildesheim kamen wir wie erwähnt wegen einer Türe. Der Bernwardstür. Diese hat sogar einen eigenen Eintrag bei Wikipedia. Benannt nach Bernward, seines Zeichens ANTE MORTEM Bischoff und POST MORTEM Heiliger. Heilig zu sein ist natürlich noch geiler als Bischoff, was ja auch schon ein Karriereschritt in eine höhere Gehaltsklasse ist, aber das mit dem Heiligsein hat bekanntlich den Haken, dass du dafür tot sein musst. Selbiges trifft auch auf Märtyrer, alle Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, den Mitgliedern des Club 27, Nella Martinetti und sämtliche Pharaonen zu.
Hildesheimer Dom mit dem „1000 jährigen“ Rosenbusch
Den Elbtunnel haben wir unterdessen hinter uns liegen und arbeiten uns von Ampel zu Ampel durch irgendwelche Vororte von Hamburg. Dabei läuft parallel eine Autobahn. Hat bestimmt Stau, das Navi wird schon wissen, was es tut. Wir wähnten uns auch schon schlauer als dieses, was regelmässig nicht gut kam. Vom permanenten Stop-and-Go wird mir allmählich übel, wenn das so weitergeht, werde ich noch über die Tastatur reihern. Aber ein Blog schreibt sich halt nicht von selbst und wenn wir bei Tom und Barbara sind, will ich nicht mehr texten.
Die über 1000 jährige Tür bildet ein Tor zur Vergangenheit
Die Bernwardstür ist 4.72 Meter hoch und wiegt je Flügel beeindruckende 1.8 Tonnen, gegossen vor mehr als 1000 Jahren in je einem Stück Bronze pro Flügel. Eine solche herzustellen gülte selbst heute als anspruchsvoll. Beeindruckend, sehr beeindruckend. Schön, wie sich die ausdrucksstarken Figuren aus der Bronze erheben. Auf der Türe steht ANNO DOMINICE INCARNATIONIS M XV BERNVARDVS EPISCOPVS DIVE MEMORIE HAS VALVAS FVSILES IN FACIEM ANGELICI TEMPLI OB MONIMENTVM SVI FECIT SVSPEND geschrieben. Also lediglich Angaben zu Jahr und Provenienz. Auf den Bilderzyklus wird im Text nicht eingegangen. Das ist auch gar nicht nötig, die beiden Storys mit den Akteuren Adam, Eva, einer Schlange, Kain, Abel, Maria, Josef, Jesus, den heiligen drei Königen und Pilatus – Nennung in der Reihenfolge des Erscheinens – erschliessen sich auch nach einem Jahrtausend allen auch nur halbwegs Allgemeingebibelbildeten. Und den Katholiken. Zu denen zählte ich mich ja einst. FACTVM EST.

























