Wer nach Abu Simbel will, ist gehalten früh abzulegen, da dieses den südlichsten Punkt des einstigen und heutigen Ägyptenreiches markiert und das Land so klein eben nicht ist. Will meinen, dass vom südlich gelegenen Assuan bis Abu Simbel 285 Kilometer Wüste zu queren sind.

Daher war an Neujahr nichts mit ausschlafen, um sieben war Antrittsverlesen und um drei nach sieben waren wir bereits auf Achse.
Kurzer Rast bevor es weiter südlich durch die Weiten der Wüste geht
Auf dem Weg nach Abu Simbel wird auf 23°26‘ der Tropic of Cancer, also der nördliche Wendekreis durchmessen. Das wäre also so ein Himmelsphänomen, wo man mehr oder weniger Kilbi veranstalten kann. In Südafrika haben sie da ein Schild hingetan und der Zug von Rovos Rail hält an, selbstverständlich am südlichen und nicht am nördlichen Wendekreis und damit am Tropic of Capricorn, 23°26‘ bleiben, einfach südlich. Mittig liegen der Äquator und zwischen den beiden Wendekreisen im Gürtel von 46°52‘ die Tropen. Die Bogensekunden lassen wir mal getrost weg, da die Kreise wegen Perturbationen und der Nutation ohnehin mäandern. Wir waren bei der Kilbi. Ganz grosses Kino machen sie in Norwegen und Finnland draus, da werden Besucherzentren hingeklotzt und die Leute kommen tatsächlich auch in Scharen. Da natürlich nicht wegen des Wende-, sondern wegen des Polarkreises auf 66°33‘. Und in Ägypten? Nichts. Fadl hatte auch keinerlei Musikgehör für die Idee da etwas zu machen, oder das jemandem zu stecken, und so wird in der ägyptischen Wüste wohl weiterhin Leere an der Stelle bleiben. Davon hat es ja viel.
Die Felsentempel stehen zwar nicht mehr an ihrem originalen Ort, beeindrucken aber immer noch
Fadl hat dann jeweils Sinn für Astronomisches, wenn der Sonnengott Ra beteiligt ist, so wie in Abu Simbel auch. Dieser Tempel wartet zudem mit einigen Einzigartigkeiten auf.
Neben den Touristen finden auch Schwalben Gefallen an den Tempeln
So gibt es in ganz Ägypten nur da eine Darstellung, in welcher Seth und Osirisgemeinsam abgebildet sind. Diese Götter sind zwar Brüder, aber man kann sich vorstellen, dass der eine nicht mehr so gut auf den anderen anzusprechen war, nachdem ihn dieser in 42 Teile verhackstückelte und über ganz Ägypten verstreute. Isis musste Osiris danach zusammensuchen und Anubis ihn zusammenflicken. Er tat dies, indem er das Gehackte einbalsamierte und so im Gott Osiris die erste Mumie schuf. Bis auf ein Körperteil fand die Göttin übrigens alle Teilstücke. Der fehlende Penis wurde aus Lehm substituiert und war sogar funktionstüchtig, Isis gebar den Falkengott Horus, der sich später an seinem verräterischen Onkel Seth rächen sollte. Ein Teil des Wettkampfes erfolgte als Beischlaf zwischen Onkel und Enkel – im alten Ägypten kannten sie in solchen Fragen gar nichts.

Abu Simbel ist auf jeden Fall ein Besuch, aber es liegt höllisch ab vom Schuss. Vom Tempel aus sahen wir über den Nassersee in den Sudan und es wurmte uns da nicht hinzukommen. Und so erreichten wir auf der ballistischen Bahn dieser Reise mit dem Kulminationspunkt auch gleich den kulturellen Abschluss der Reise. Nun wird uns die Gravitation wieder zurückführen und von nun an geht es nur noch bergab. Das ist etwas wie im Leben. Wir sind eben keine Götter, die immer wieder auferstehen können.
Die einen geniessen den Fahrtwind, wir im Auto unsere Lunchbox vom Schiff


















