Die Lichtshow kannst du knicken, aber der Karnak-Tempel ist geil. Dieser ist der grösste Tempel Ägyptens und die haben da die gewaltigsten Säulen hingeklotzt, die wir jemals gesehen haben. Boah, ey! Kommt hinzu und pro memoriam: Bronzezeit – nicht Renaissance. Bronzezeit! Wir wollen uns den Tempel daher heute nochmals bei Lichte betrachten.
Aber vorher schiffen wir ein. Die Steigenberger Regency liegt nämlich unmittelbar vor dem Luxor-Tempel vor Anker. Das its gäbig. In ein paar Minuten werden uns Fahrer und Ahmed abholen und nach dem Nil-Schiff verfrachten. Ahmed ist stellvertretender Guide und scheint zuständig, wenn Fadls Expertise nicht gefordert ist. Unsere Aufgabe ist einzig die unterschiedlichsten Engagements mit variablen Lohnbestandteilen zu würdigen. Alles hat seine Ordnung hier.
Gediegene Atmosphäre auf dem Nil-Schiff
Ich beginne allmählich zu verstehen, wie das Hupen eingesetzt wird. Ein doppeltes und einmal wiederholtes Hupsignal scheint zu bedeuten «Ich habe gesehen, dass Du abbiegen willst, aber vorher werde ich die Spur noch benutzen, warte also kurz.». Das Hupen ist also eine zusätzliche Dimension in der dynamischen Strassenverkehrsführung. Das ist also etwas vergleichbar mit dem Lesen von Hieroglyphen. Bei uns bedeuten Huptöne – vielleicht abgesehen von den untersagten Hupsignalen zu Rufzwecken – «Kannst du nicht aufpassen?! Blöde Sau!». Hier erfolgen Huptöne ohne Unterhalt, addieren sich also zu einem Dauerton, dafür alles friedlich und entspannt. Säue hat es hier zudem keine, ist ein muslimisches Land.
Die Wände des Tempels von Karnak sind ein einziges Bilderbuch
Der Nil. Meine Eltern schauten sich eine Dokumentation an und beschieden uns in einem Videocall, dass dieser der längste Fluss der Welt sei. Ich hätte auf den Amazonas getippt und tatsächlich scheinen die beiden Ströme darum zu wetteifern. Der Amazonas führt auf jeden Fall viel mehr Wasser, aber dieser befindet sich auch in einem Feuchtgebiet. Vom Nil wird wohl auch Einiges versickern, entnommen und verdunsten. Mich wundert, dass es ein Fluss überhaupt durch die lebensfeindliche Sahara schafft. Aber irgendwie muss das gehen, er beweist es seit Jahrtausenden. Nachweislich.
Krokodile gibt es auch am Nil, vor allem im südlichen Abschnitt und im Nassersee. Die können bis zu fünf Meter lang werden. Kobras hat es auch, aber nicht so viele. Die sind auch nicht fünf Meter lang. Dafür giftig und bisweilen auf Krawall gebürstet.

Unterdessen sitzen wir an einem Tischrund im Salon beim Bug der Steigenberger Regency. Es fühlt sich an wie einst im Kaffee Ring in Olten. Einfach um den Unterschied, dass wir hier vor dem Winter Palace und auf dem Nil und nicht in Nähe der Aare vor Anker liegen. Ich habe gerade beschlossen, dass wir dereinst eine Neuauflage der Weltreise machen werden. Stefan erkundigte sich, auf welcher Basis ich zu dem Schluss gekommen sei. Das ist ganz einfach: Weil es geil ist. Beim nächsten mal aber vielleicht westwärts, da hat man weniger Jetlag. Dann vor allem aber mit einem Open End, das macht das Reisen noch viel besser. Du bleibst, so lange du willst. Entsprechend ist auch klar, dass das noch etwas warten muss.
Generationen von Pharaonen haben den Tempel des Amun-Re stets erweitert
Bevor wir aber zur Weltreise aufbrechen, haben wir hier Aufgaben zu erledigen. Fadl wuselte vorher an unseren Mittagstisch vorbei. Er ist also bereit für den Besuch des Karnak-Tempels.
Noch heute beeindruckt die Grösse und Pracht der Tempelruine
Vorher genehmigen wir uns zwei türkische Kaffees. Wenn du von einem solchen den ganzen Bodensatz aufgegessen hast – von trinken kann da nicht mehr die Rede sein – bist du anschliessend dermassen aufgekratzt, dass du zwanzig Tempel in Folge besuchen und dabei allfällig herumliegende Säulen wieder aufrichten kannst.
















