Exploring the world

Stefan & Steffu's travels

Tutu

Ägypten war zu seiner Zeit eine Weltmacht vom Kaliber der USA und China kombiniert, meint zumindest Irene Vallejo in ihrem Buch PapyrusRamses II und Thutmosis III klopften sich im Norden bis zum Euphrat im heutigen Syrien hoch, beherrschten den Sinai, eroberten im Süden Nubien (heute Sudan) bis zum vierten Katarakt des Nils und griffen im Westen bis weit in die Libysche Wüste aus. Im Westen hatte es zwar nur Oasen wie SiwaDakhlaFarafra und Kharga, aber diese stellten als wichtige Versorgungsstationen und Verteidigungspunkte strategische Aktivposten dar.

Thutmosis III gilt wegen seinen Feldzügen als Napoleon unter den Pharaonen

Den Ausführungen unserer beiden Guides Ashraf und Fadl zu Ramses II horchend, scheint Bewunderung und auch ein bisschen diskreter Stolz mitzuschwingen und dabei sind die beiden äusserst zurückhaltende und zweifellos friedfertige Menschen. Und in der Tat verehren die Ägypter insbesondere Ramses II noch heute und scheinen der einstigen Grösse Ägyptens etwas nachzutrauern. Und heute? Mit mehr als 110 Millionen Einwohnern ist das Land zwölfeinhalb mal so gross wie die Schweiz und erwirtschaftet gerade mal das halbe Bruttoinlandprodukt des kleinen Alpenstaates. So gesehen ist die Schweiz heute auch so etwas wie eine Weltmacht, zumindest ökonomisch. Allerdings haben wir keinen Sethos I, Ramses II und Thutmosis III. Wir haben nur (einen imaginären) Wilhelm Tell, Adolf Ogi und Nemo.

Von der Planung des Grabs bis zur fertigen Mumie, hier wahrscheinlich Ramses I

Jetzt steht Ra dann gleich am höchsten Punkt des Himmelszeltes und wie gestern sind wir wieder nicht unterwegs. Heute will uns Fadl erst um halb vier abholen und das auch nur, weil wir eine einstündige Kutschentour mit einem Goggohüü extra gebucht haben. Danach will er mit uns ins Luxor-Museum. Wir unterliessen es zu fragen, weshalb so spät, dann ist ja bereits dunkel. Aber er wird seine Gründe haben. Wir werden es erfahren.

Links: Echnaton, der Kardashian unter den Pharaonen, rechts: das war wohl ein günstiges Sarkophag-Modell

In Luxor kann es selbst ein Erlebnis sein sich in einem Resort an einen Pool zu setzen. Da nur ein Liegestuhl frei war, playmobilte ich meinen geliebten Ground Chair von Helinox zusammen und setzte mich neben dem Stefan seinen Liegestuhl. Das geht nicht, da bringst du das Poolkonzept durcheinander. Der ältere diensthabende Herr wollte uns einen zweiten Liegestuhl bringen. Wir erklärten ihm, dass das so in Ordnung gehe, dass es mir bequem sei. Fünf Minuten später war er wieder da, es seien nun zwei Stühle nebeneinander frei. Danke, alles gut. Bis hierhin ging noch in Ordnung, es hätte ja sein können, dass wir uns zwischenzeitlich umentschieden hätten. Jemand muss aber die Repeat-Taste gedrückt haben, die Szene begann sich in Endlosschlaufe zu wiederholen. Als Stefan beim sechsten Mal mit „We‘re perfectly fine“ dankend ablehnte, wurde ich allmählich und geringfügig säuerlich und stellte Stefan in Aussicht, dass ich den Herrn beim nächsten Mal mit einem Sonnenschirm erschlagen würde. Danach war interessanterweise Ruhe am Nil

Luxor – ein Mischmasch aus Verkehrsabgasen, Hupen, Eselsfuhrwerken und quirrligen Gassen und Märkten

Eine Kutschenfahrt ist hübsch und romantisch. Wenn sie durch einen Park an der Donau führt. Quer durch Luxor eher nicht so. Das arme Pferd – es hiess Tutu – wurde nonstop von allen Seiten und damit in Quadrophonie zugehupt. Im Gegensatz zu Tutu konnte ich meine Ohren dank aktiver Geräuschunterdrückung der AirPods einigermassen vor dem Lärm schützen. Die halfen aber nicht gegen die Abgase. Das Pferd und ich versuchten möglichst wenig zu atmen. Die Lebenserwartung beträgt hier knappe 60 (!) Jahre. Die von Pferden etwas weniger. Nach einer knappen Stunde – oder 450 Hupsignale später – war das Luxormuseum erreicht und Pferd und wir geschafft. Der Kutscher war bestens gelaunt, schliesslich hat er doppelt verdient, einmal durch den Betrag, bei welchem der Reiseleiter das Inkasso machte und einmal mit den 100 ägyptischen Pfund, welche wir ihm gaben. Das muss hier so sein. Wir werden den Verdacht nicht ganz los, dass unser Reiseleiter dabei mitverdient. Dieser wird am Schluss gleich dreifach verdient haben, also wie eben vermutet, durch den Anbieter und schliesslich werden wir ihm auch ein paar Scheine geben. Aber das geht schon in Ordnung, den Leuten hier bringt das Überreichte mehr als dass es uns kostet. Etwas beschwerlich ist einzig ohne Unterhalt eine Art Zuschlagskalkulation machen zu müssen und entsprechend Nötchen zu zücken. Vor allem aber ist es nicht ganz leicht an entsprechende Teilbeträge der grossen Noten zu kommen, welche die ATM ausspucken. Die Automaten behalten – wie wir vorher eben gelernt haben – bei einem Bezug auch gleich einen Zweihunderter für sich. So geht Ägypten! In der Schweiz ist das anders. Da braucht man nicht solche Tänze zu machen, da ist einfach alles teuer. So kann man das natürlich auch machen.

Mit diesem behuften „ägyptischen Ferrari“ erkunden wir Luxor

Viel wurde geschrieben, aber noch nichts vom eigentlichen Programm. Es scheint so ein Ägypten-Ding zu sein, dass abseitig mehr erlebt wird. Das ist ein bisschen wie in der Schule: Im Schulzimmer lernt man für die Schule, auf dem Gang für das Leben.

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