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Stefan & Steffu's travels

Kalmar

10:45, E22, Höhe Mörrum: Scheint allmählich zur Gewohnheit zu werden, dass ich vor Elf auf einer Europastrasse bloge. Dies könnte zwei Gründe haben. Grund 1: Elf ist eine besonders literarische Zeit. Grund 2: Um Elf haben wir meist um 150 Kilometer zurückgelegt, ich meine Schicht abgefrühstückt, bin aber noch genügend im Schuss, um Ideen zu Bits und Bytes zu bringen. Letzteres dürfte zutreffen.

Wie auch immer. Mörrum liegt unterdessen hinter uns. Das ist ein bisschen wie Spreitenbach: An einer Autobahn gelegen und am besten fährt man da rasch daran vorbei. Weil es nichts zu sehen gibt. Aber vielleicht tun wir Mörrum auch Unrecht. Gingen es nicht nachprüfen.

Südschweden ist definitiv auch eine Reise wert. Wir wollen nun aber nicht mehr wie tollwütige Weasel Kampftourismus betreiben und uns damit Südschweden spoilern. Wir heben uns dieses für eine spätere Reise auf. Schliesslich ist der Malibu dankbar, wenn ihm die Ziele so schnell nicht ausgehen. Südnorwegen ist dann auch mal fällig. Unsere beiden Skandinavienreisen führten uns 2015 und 2021 in den Norden Norwegens. 2021 einfach noch krasser ans Ende, bis es wirklich nicht mehr weiterging.

Da es aber etwas öde und mitunter vielleicht ignorant gewesen wäre, nach Stockholm einfach durchzubrettern, haben wir uns in Südschweden exemplarisch ein Ziel ausgesucht und dies sollte Kalmar sein.

Kalmar tönt etwas ähnlich wie das Tier, was die kaugummiartigen Tintenfischringe hergibt, die man in einen Bierteig und frittieren tut, damit sie überhaupt essbar sind. Es klingt auch ähnlich wie ‚Kali Ma Shakti De!‘, was der Sympathieträger von einem Priester in Indiana Jones jeweils zu sagen pflegte, wenn er seinen Opfern das Herz rausriss. Oder dann wie Kalamität. Wir erinnern uns aus der Liturgie: CALAMITATIS ET MISERIAE. Tintengüsel entdeckten wir in Kalmar aber keine und vor dem Schauspieler Amrish Puri brauchten wir uns auch nicht zu fürchten, weil vor 16 Jahren selber in den Tempel des Todes eingetreten. 

Und wie eine Kalamität sieht die Stadt ganz und gar nicht aus, sie ist im Gegenteil sehr hübsch. Würde man aber die Geschichte bemühen, doch, da liesse sich ein Zusammenhang ausmachen. In Kalmar wurde nämlich oft gar wüst geklopft; Dänisch-Schwedischer Krieg, Dänisch-Schwedisch-Lübischer Krieg, Schwedischer Befreiungskrieg, Kalmarkrieg, Schonischer Krieg, you name it. Interessanterweise bürgerte sich das Wort ‚Kalamität‘ im Dreissigjährigen Krieg und somit just in ebendieser Zeit ein. Begriff und Ortsname hängen aber dennoch kausal nicht zusammen.

Schmucke Häuser wohin man schaut in Kalmars Städtchen

Das Geklopfe ging aber mit der Lage von Kalmar einher. Dieses lag damals nämlich an der dänisch-schwedischen Grenze und nun verstehen wir auch, warum Kopenhagen heute als Hauptstadt Dänemarks absolut im Osten angetackert ist und keine zentrale Lage inne hat, wie sie für Hauptstädte typischer ist. Dieser Fakt wurde mir vom Blogleser und Skandinavienspezialist Urs vermittelt. Besten Dank!

Ein trotziger Bau von aussen …

Damit ist auch klar, weshalb das Renaissanceschloss Kalmar die mächtigste Festung Skandinaviens war. 22 mal belagert, nie erobert. Eine reife Leistung, wenn man bedenkt, dass aus technischen Gründen schlussendlich jeder befestigte Ort fallen musste. Heute präsentiert sich das Wasserschloss Kalmar als Kulturgut unterschiedlicher Bauepochen. Sogar Bastionsanlagen mitsamt Ravelin und Allem sind da. Aber ich komme ins Schwärmen.

Faustdick hatte es auch das unmittelbar davor gelegene und unscheinbare Bastionsinselchen hinter den Ohren. Selbst in jüngster Geschichte wusste die lokale Bevölkerung nicht, dass die Artillerie die Insel nie verlassen hatte, sondern aus einem gut getarnten Bunker heraus die See beobachtete und von dort aus mehrere Wasserminen zur Explosion und damit Schiffe zu Neptun hätte schicken können. Und hier sprechen wir von der Zeit bis 1988.

So unscheinbar heute, so explosiv noch vor nicht all zu langer Zeit – das Inselchen und ehemaliger Artillerieminenbunker Grimskär

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