Exploring the world

Stefan & Steffu's travels

Göteborg ohne Chance auf Entkommen

Hätte ich beim Aufstehen gewusst, welche Mühsal uns heute erwarten würde, ich hätte zum Frühstück eine Schüssel Betablocker ausgelöffelt.

Mit Bromptons auf Entdeckungstour durch Göteborg

Dabei schickte sich der Tag ganz gut an. Da wir heute noch Oslo erreichen wollen, unsere Natur es uns aber verbieten würde eine Stadt wie Göteborg nicht entdeckend zu besuchen, löste ich den Zielkonflikt ganz einfach auf, indem ich Stefan um 06:30 aus den Federn rausterrorisierte. Eine Stadt lässt sich am gründlichsten zu Fuss, am effektivsten aber mit Fahrrädern entdecken und so kurvten wir alsbald mit den Bromptons durch die Fussgängerzonen, in welchen Fahrräder durchaus geduldet werden.

An verschiedenen Stellen sahen wir, wie die Polizei sich Fahrzeuge angelte und an diesen sowie an deren Insassen grosse Zerlegung übte. Wir schienen da weniger suspekt zu sein, uns wurde keine Beachtung gezollt. Gut waren sie nicht zugegen, als wir gar manche Einbahnstrasse in der nicht vorgesehenen Richtung entlangfuhren.

Impressionen von Göteborg

Wir also von Südwest nach Nordost über Bastionen an den Hafen und quer zurück, durch Fussgängerzonen und Hipp-Quartiere, dann Kehrtwende, über Hügel und zu einer Festung und wieder Steil nach unten zurück, bist das Verdikt feststand: Göteborg geht.

Boxenstopp vor der Abfahrt

Um Elf zurück, weil eben Oslo, Van gepackt und adieu Göteborg. Dachten wir. Weit gefehlt. Was dann folgte, war einem der Träume gleich, in denen Du nie vom Fleck kommst. Die Übungsanlage geht so: Kaufe eine schwedische Gasflasche und versuche diese an Dein Schweizer Gewinde anzuschliessen. Da machst Du Dir also eine tagesfüllende Baustelle auf. Natürlich waren wir nicht so blöde ohne Nichts anzureisen, wir haben ein ganzes Set Adapter bei. Schweden inklusive. Hiess es. Passt aber nicht. Scheisse.

Wir also die Gasflasche zurückgegeben und los ging die Odyssee. Von der Tanke quer durch die Stadt zurück zu einem Geschäft für Campingzubehör. Natürlich nichts, wäre ja zu schön gewesen. Dafür Adresse von einem Gasgeschäft gekriegt. In ein Industriequartier gefahren, Geschäft gefunden. Geschäft Sommerferien bis Ende Juli. War ja klar. Autozubehörgrosshandel aufgesucht. Stossfänger, Anhängerkupplungen und Alles. Aber kein Zubehör für Gas. Bauhaus. Dasselbe. Der Sanitär wollte uns irgend ein Gewinde verkaufen. Hätten wir das angeschlossen, würde es heute Nacht auf Oslos Ekeberg Camping wohl ein hübsches Feuer geben. Temporärer Übungsabbruch, Stadt ein weiteres Mal durchquert und Fahrt Richtung Oslo aufgenommen. Stefan ergoogelte derweil einen anderen Gasflaschentyp und deren Grossist. Ausfahrt scharf genommen, gekehrt und Richtung Göteborg zurück – wir kommen hier nie mehr weg. 

Wieder in ein Industriequartier eingefahren, aber in ein anderes. Der Grossist heisst Grossist, weil er Grosskunden bedient und dazu gehören wir nicht. Die Adapter sagten ihm zudem auch nichts, weil er in Eisenbahngesellschaften macht. Aber er gab uns eine Adresse von einem Gasabfüller. Ein anderes Industriequartier aufgesucht. Zwischen Bahnwagen und Baucontainern durch. Eine Barriere öffnete sich wie von Geisterhand. Wir rein. In diese Gegend würden wir uns nachts nicht hinwagen. Der Van wirkte grotesk deplatziert. Aber in der Tat standen irgendwo haufenweise Gasflaschen rum und Einer füllte Gas ab was das Zeugs hielt. Er hielt inne, inspizierte unsere Adapter und meinte, dass da gar nichts passe. Aber er kenne da Einen, der Alles hätte. Unterdessen war halb Vier und Oslo schien in noch weitere Ferne zu rücken. Wieder in die City rein. 

Unscheinbares Geschäft, aber immerhin mit viel Gas-Klimbim. Wir rückten erneut unsere Adapter raus, welche mit Interesse studiert wurden und dem Herrn in Latzhosen ein „Ahh, very beautiful!“ entlockten… Maybe beautiful, but quite useless, dachte es mir. Aber immerhin einer mit Elan! Er wühlte dann erfolglos in sämtlichen Schachteln, die das Geschäft hergab und rief schliesslich einen Kollegen an. Der wolle sich unserer annehmen, sei aber unterwegs und erst in einer Stunde hier. Ich kotze jetzt dann gleich ab! Es hatte da aber noch eine Adapterbox, mit welcher Alles mit Allem gekoppelt werden kann. Du kannst also beispielsweise die ISS mit der chinesischen Raumstation verbinden und siehe da: Wenn wir unseren CH-auf-Deutschland-Adapter auf den Deutschland-auf-Schweden-Adapter der Alles-mit-Allem-Box aufschrauben und dieses Konstrukt dann in eine schwedische Flasche reindrehen, doch, das wird zwar elend lang, aber ES GEHT! Der Mitarbeiter entschuldigte sich, dass das eine teure Lösung geben würde, aber das war uns so was von scheissegal. Er testete das abenteuerliche Konstrukt schliesslich noch auf Gasdichtigkeit und ich adelte ihn zum Helden des Tages.

Eigentlich brauchten wir nur das Teil, welches oben links nun fehlt – den Rest kauften wir halt mit

Mit einer schwedischen Gasflasche im Heck bogen wir schliesslich doch noch Richtung Oslo ein. Wir sind nun zwar 300 Piepen ärmer, dafür werden wir aber nicht an den Ranzen frieren. Norden – wir kommen!

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