Exploring the world

Stefan & Steffu's travels

Storebælt & Øresund

15:45 auf der E6 Höhe Helsingborg: Schweiz – Deutschland – Dänemark – Schweden und rund 1500 Kilometer gehen also in 48 Stunden und in zwei Stunden schlagen wir in Göteborg auf. Danach aber wollen wir das automatische Getriebe einen Gang runterschalten lassen, schliesslich sind wir nicht auf der Flucht.

Nachdem wir gestern fast 600 Kilometer und Restdeutschland hinter uns gelassen haben, taten wir vom Tagwerk müde in Christiansfeld Halt. Die aufmerksame Leser*innenschaft wird sich erinnern; das haben wir uns letzten Sommer ausführlich reingetan. Gestern taten wir uns nur noch zwei üppige Hamburger, sekundiert von zwei Bergen Fritten rein. Die beiden Haufen hätten also ein Langboot voller heisshungriger Wikinger gesättigt. Wir nahmen uns vor, nie mehr etwas zu essen und schafften es noch knapp zur Tür des Restaurants raus. Wir sahen schon die Feuerwehr mit der Trennscheibe den Türrahmen auseinandernehmen.

Lecker 😋, aber zu viel des Guten

Eine Stunde zuvor: Die Kellnerin war sehr freundlich, standesgemäss skandinavisch blond, jung, sympathisch und enorm kontaktfreudig. Wir verstanden sie gut. Nicht dass unser Charme unwiderstehlich gewesen wäre, das zu behaupten würde wohl von einer etwas gar verzerrten Selbstwahrnehmung zeugen. Nein, daran wird es nicht gelegen haben, es hatte schlicht keine anderen Gäste. Ihr Kollege staubte derweilen die Gläser wohl zum zehnten Mal an diesem Tag ab und genehmigte sich zwischendurch immer mal wieder ein Gläschen mit einer klaren Substanz, bei der es sich wohl kaum um Wasser gehandelt haben wird. Wir konzentrierten uns auf die Kellnerin. Nach einigen Minuten Triolog waren wir bestens im Bild, was in Sachen Covid in Dänemark derzeit gilt und schicklich ist. Es werden keine Fettnäpfe auf uns warten. Im Gegenzug war sie ebenso bebildert, was in der Schweiz zu tun und unterlassen ist, aber wir vermuten mal, dass ihr das nicht viel nützen wird. Nicht alles Wissen stiftet zwangsläufig Nutzen. Aber wer weiss, vielleicht stellt ihr ein Talkmaster mal eine dahingehende Frage und sie gewinnt eine Million dänische Kronen. Wir würden es ihr gönnen.

Abends um zehn triffst Du in Christiansfeld keine Menschenseele mehr an. Wir hatten den Eindruck durch eine Filmkulisse zu gehen. Aber vielleicht ist Christiansfeld auch dermassen gefährlich nachts, dass sich niemand mehr raus traut. Wir vermuteten aber eher, dass der einstig unerreicht fromme Ort dermassen verschlafen ist, dass darum alle schon in den Betten waren. Ich würde wetten, die Hände schön brav über den Bettdecken, wie es sich gehört. Der Himmel war um halb Elf in pastellfarbenen Rosa- und Blautönen gehalten, wir auf einem Gemälde von Vermeer. Obwohl der Holländer war. Es dünkte uns, die nördlicheren Breitengrade machten sich am Firmament bereits bemerkbar, als möchten sie uns sanft an das abendliche Hell angewöhnen. Das wird noch dicker kommen auf dieser Reise. Irgendwann werden wir den Hühnern gleich unsere Köpfe unter die Flügel stecken müssen, um noch Schlaf zu finden.

Beim Entfernen des Insekten-Exoduses von der Frontscheibe 🧽

Nachdem Reisende und Malibu sich nachts erholten, sollte es heute eben nach Schweden gehen. Weil Schweden gut ist und Raum nach Norwegen eröffnet. Zuerst aber galt es Storebælt und Øresund zu queren, weil Schweden sonst auf dem Landweg nicht zu erreichen ist, es sei denn Du kehrst über das Baltikum, Russland und Finnland, aber das wäre ein bisschen gar dämlich. Dann lieber über die beiden gigantischen Bauwerke Storebæltsbron und Øresundbroen.

Mit Überschall über den Storæbelt …

Eindrücklich diese Dinger. Es scheint fast, als posierten sie gegeneinander um die Wette. Bis die Abermilliarden investierter Mittel wieder reingeholt sind, gilt es üppig Wegzoll zu entrichten. Also drückten wir nach der Querung der Storebæltsbron zuerst gut 90 Stutz ab und danach nochmals bei der Øresundbroen.

… und ebenso schnell über die Øresund-Brücke

Wobei wir bei letzter vorab unsere Nummernschilder lösten, was günstiger zu liegen kommt und umgehendes Passieren bei der Mautstelle erlaubt. Erlauben hätte sollen. Weil die Schranke ging nicht auf. Also drückte ich am Automat den ‚Panic‘-Botton. Dann nochmals. Der hinter mir übte sich derweilen mit seinen Fernlichtern im Morsealphabet. Soll er halt. Braucht ja nicht die Express-Lane zu wählen. Wir stellten mal den Motor ab. Da aller guten Dinge drei sind, nochmals die Es-Soll-Endlich-Mal-Einer-Kommen-Funktion. Es kam dann einer. Wir konnten seinen Weg die paar Meter zu uns ausgiebig geniessen, er war gar nicht pressiert. Irgendwie noch sympathisch. Dafür war der hinter uns weg. Das ist auch was. Der Angestellte also ins Häuschen zur Systembespassung. Geraume Zeit später erschien unser Kennzeichnen auf dem Bildschirm. Er hatte den Vertrag also gefunden. Dann nochmals etwas Programmierarbeit. Mir schien, dass er auf dem Touchscreen einfach jede verfügbare Taste ein paar mal drückte. Er nuschelte dann noch etwas von „Switzerland“ und „Schweiz“ und wir begannen uns zu fragen, was hier wohl verpeilt ist. Egal. Irgendwann schien die Mautstelle Malibu und uns genügend genossen zu haben und die Barriere öffnete sich. Mit Express hatte dieses Vorgehen definitiv nichts mehr zu tun, dafür haben wir wohl 35 € gespart. Das werden wir in Göteborg in zwei kleine Bierchen investieren können und das ist doch auch was.

Einmal wieder gesund essen

Auf dem Campingplatz Liseberg in Göteborg

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