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Stefan & Steffu's travels

Durch die Namib zu Von Wolf

Wir liegen auf dem ausgeklappten Bett und somit ausserhalb des Kastens unseres an einen Würfel erinnerndes Heims unter dem Sternenhimmel der Kalahari und frieren uns an den Arsch. Plötzlich sind klar und deutlich Schritte in der Stille der Kalahari zu vernehmen. Und sie kommen näher. Schritte von vielen Beinen. Wesen umrunden unseren Camper. Sind das Menschen? Sind es Tiere? Letzteres wäre uns lieber. Wir schauen raus, können aber in der Dunkelheit nichts erkennen. Dann wird es laut, er scheppert, als der Mülleimer vor dem Wagen umgeworfen wird. Was zum … Inhalte werden zerzaust. Ich glaube in den schweren Schritten Hufgeräusche ausmachen zu können. Dann geht das Gekaue los und dauert eine ganz schöne Zeit. Nach einigen Minuten war der Spuk vorbei, die Schritte verschmolzen mit der Stille der Wüste.

Morgens um Acht klettern wir aus dem Wagen. Wie ich vermutet habe. Ein Riesenpuff. Wir sammeln Teebeutel, Plastikverpackungen und die Aludose des Radlers ein. Die Foccachia war nicht mehr ganz frisch, aber offenbar von besonderem Interesse. Es war kein Krümel mehr übrig. Überall Spuren von Paarhufern. Hatte ich es also schon richtig gehört. Der Grösse nach vermute ich Elanantilopen oder Oryxe. Zu gross für Springböcke. Der Plastiksack, in welchem die Restfoccachia verschlossen war sah aus, als wäre er von einer Bombe zerfetzt worden. Die Tiere, welche sich hier gütlich gehalten haben, werden heute leicht zu identifizieren sein – es werden die Paarhufer mit Zwiebelmundgeruch sein.

Blick auf das grösste Wasserreservoire von Namibia – der Hardap Stausee

Ein verlassenes Ressort am Hardap-Stausee

Wir machen die dreieinhalb Tonnen fahrtüchtig, winken beim Tor dem Security und brettern mit annähernd einem Hunderter über die Sandpiste Mariental entgegen. Im Rückspiegel ist gar nichts mehr zu erkennen, wir ziehen eine Schleppe Sandstaub hinter uns her. Es ist nicht immer ganz klar, ob der Wagen geradeausläuft oder schwimmt. Geht aber. Und das lediglich mit Heckantrieb. 4×4 ist da noch nicht nötig. Ja, liebe Leute zu Hause, wozu habt ihr 4×4? Um damit ins Parkaus zu kommen oder was?

Nicht mal überholen kann man bei diesem Scheissverkehr

In Mariental machten wir die beiden Tanks mit total 140 Liter Diesel wieder voll. Was man hat, das hat man und die Distanzen können hier brrrrutal weit sein.

Mit 100 Sachen durch die Namib

Irgendwann ging die Kalahari in die Wüste Namib über. Die Namib ist mit einem Alter von rund 80 Millionen Jahren die älteste Wüste der Welt und zugleich einer der unwirtlichsten Orte des Planeten. Bei Tagestemperaturen deutlich über 50 °C, Nachttemperaturen von unter 0 °C, jahrzehntelang andauernden Trockenperioden sowie häufigen Sandstürmen sind Pflanzen und Tiere extremen Lebensbedingungen ausgesetzt. Da diese jedoch über sehr lange Zeiträume stabil geblieben sind, hat es doch eine ganze Reihe von Lebewesen geschafft, sich anzupassen und mitunter nur hier heimisch zu werden. Die Landschaft ist eindrücklich zum durchfahren, aber  die Gegend in der Hoffnung zu überleben durchwandern möchte ich nicht. Auch von einer gröberen Panne sehen wir lieber ab. Weil Mobilfunknetz ist hier nicht.

Weil wir den Toyota flott ritten, kamen wir fast eine Stunde früher im Duwisib Camp auf der Maltahöhe an. Sie sagte uns, wir können uns irgendeinen Platz aussuchen. Alles ist leer. Also nahmen wir das Feld 1 und kehrten den Wagen so, dass wir vom Bett direkte Sicht auf das keine zweihundert Meter entfernte Duwisib Castle haben. Ein Schloss mitten in der Wüste. Das wollen wir doch auch mal näher unter die Lupe nehmen.

Wem wohl diese Pfoten gehören?

Es hätte einen direkten Weg zum Schloss gegeben. Hätte. Weil mann jedoch einen Zaun sah, wählte mann den Weg zurück zur Hauptstrasse, dann der Hauptstrasse entlang und nochmals ein gutes Stück zurück. Jetzt haben wir eine Ahnung davon was es heisst, durch die Namib zu tschalpen. Lieber nicht. Wir entdeckten frische Abdrücke im Sand, welche wie verkürzte, aber gar nicht mal so kleine Hände aussahen. Ich tippte auf Paviane. Wir begannen die Gegend um uns beim Gehen genauer zu beobachten. Auch weil ein Schild auf Nashörner hinwies. Wir entdeckten jedoch weder Paviane noch Nashörner und schon gar keine auf Nashörnern reitende Paviane und umgekehrt auch nicht. Hätte ich letzteres gesehen, hätte ich mal auf einen Sonnenstich bei mir getippt.

Zimmer mit Schlosssicht

Etwas dehydrierter als auch schon betraten wir das Duwisib Castle. Dieses gilt gemäss einer Online-Enzyklopädie der Wahl als eines der skurilsten reichsdeutschen Kolonialbauwerken des Landes. Beim Eingang des 1908 erbauten Schlosses erwarten einem zwei schwarze steinerne Adler, welche im Nachhinein als Vorbote dunkler Zeiten gedeutet werden können. Erbauer und Besitzer war Baron Hauptmann Hansheinrich von Wolf, Spross eines preussischen Generalmajors und selber Offizier der hiesigen kaiserlichen Schutzmacht. Tönt schon so richtig Scheisse. Der gute Baron von Wolf konnte es beim Ausbruch des 1. Weltkrieges kaum erwarten, nach Deutschland zurückkehren zu können und es kam, wie es kommen musste, er war an der Schlacht an der Somme mit dabei und von seinem Duwisib-Schloss hatte er dann auch nicht mehr viel. Was soll man da sagen?

Man gönnt sich sonst nichts …

Eine Oase mitten in der Wüste

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