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Stefan & Steffu's travels

Sur le pont d‘Avignon …

Richard Thaler erhielt soeben den Wirtschaftsnobelpreis. Nach Daniel Kahneman, sein Forschungspartner Amos Tversky ist leider zuvor verstorben, ist dies der zweite Nobelpreis, welcher an einen Verhaltensforscher geht. Thaler konnte in seiner Prospect-Theory aufzeigen, dass Menschen Gewinne und Verluste mental anders verrechnen und seine ‚Nudges‘ führen dazu, dass beispielsweise eine stetig zunehmende Zahl von Menschen gesünder lebt, ohne das bewusst wahrzunehmen.
Aber was hat das mit unserer Reise zu tun? Nun, das sind so Dinge, über welche man auf einer 500 Kilometer langen Fahrt nachdenken kann, wenn es der Verkehr denn zulässt. Meist tut er das. Man kann das auch während der Fahrt niederschreiben, so wie dies jetzt gerade geschieht. Also, wenn man Beifahrer ist. Vor zehn Minuten taten wir an einer Autobahnraststätte vor Girona den Wagen volltanken, damit sollten wir es durch Frankreich bis in die Schweiz schaffen, und verschraubten zwei Schwarztee.
Ungefährt sechzig Minuten später, wir sind nun bereits auf Höhe Béziers. Hier werden die gleichnamigen Kurven hergestellt, welche für die CAD-Branche bekanntlich von Bedeutung sind. Ich bin in der vergangenen Stunde etwas in mich gegangen und nun wieder bereit, das Steuer zu übernehmen. Jawoll.

Mein Gott – dieses bedauernswerte Ding wird wohl nur noch von Klebeband zusammengehalten

„Nicht schon wieder eine Baustelle vor dem Hotel, die uns den Weg versperrt“, entfuhr es uns, als wir uns in Avignon dem im Navi eingegebenen Ziel näherten. Doch eine Seitenstrasse weiter fanden wir dann den Eingang zum Parkplatz, so dass wir ohne grosse Mühe zu unserem letzten Hotel fanden, das sich erfreulicherweise in den Gemäuern eines ehemaligen Klosters aus dem 18. Jahrhunderts befand.

Der Papstpalast erschlägt einem fast, wenn man beeindruckt vor diesem steht

Die Koffer verstaut machten wir uns direkt zum Papstpalast auf, den wir mit Audioguide im Ohr ausführlich besuchten. Der Palast stammt aus dem 14. und 15. Jahrhundert, als sich mehrere französisch stämmige Päpste statt in Rom lieber in Avignon niederliessen und es zeitweise sogar zu zwei oder drei parallel gewählten Päpsten kam.

Das nenne ich mal eine Küche – 18 Meter hoher „Dampfabzug“

Es hatte schon zuvor in der kirchlichen Geschichte Gegenpäpste gegeben, doch drohte in dieser Zeit eine dauerhafte Spaltung der Kirche, die im Konzil von Konstanz 1415 jedoch verhindert werden konnte. Nach „nur“ neun Päpsten war somit in Avignon schon bald Schluss. Fun fact: Der letzte Gegenpapst, Felix V., während des Konzils von Basel gewählt, wirkte um 1440 aus Basel, Lausanne und Genf (Quelle: Wikipedia). Womit auch „aus der Schweiz“ einmal einen Papst gewirkt hätte. Jawohl.

Aus der päpstlichen Zeit ist ausser den gewaltigen Türmen und Mauern nur wenig erhalten geblieben, da in den folgenden Jahrhunderten die Räumlichkeiten viele Zwecke gedient und dadurch manchen Umbau erlebt hatten. Im 19. Jahrhundert wurden weite Teile der Anlage jedoch restauriert und in den ursprünglicheren Zustand zurückgeführt. Beeindruckend waren jedoch das mit gotischen Ornamenten reich verzierte Papstgemach und das mit Jagdszenen geschmückte Arbeitszimmer Chambre du Cerf.

In dieser Halle liessen sich gewiss fulminante Bankette geben

Gotische Stimmung unter dem Himmel von Avignon

Mit dem Kombiticket begaben wir uns alsdann zum Pont de Saint Bénézet oder besser bekannt als Pont d’Avignon. Wir liessen den Blick von der abgebrochenen Brücke über sanften Wogen der Rhone und die Altstadt von Avignon wandern. Am Horizont war der Mont Ventoux zu erblicken. Wir konnten es natürlich nicht sein lassen, wie es das Volkslied weiss, ein kleines Tänzchen auf der Brücke abzuhalten.

Von der berühmten Brücke eröffnet sich eine wunderbare Sicht auf den Papstpalast

Sur le pont d‘Avignon …

… on y danse, on y danse

Den letzten Abend unserer Reise liessen wir schliesslich in der malerischen Rue des Teinturiers im Restaurant Offset ausklingen, in dessen Innern wir sogar eine alte Linotype Maschine entdeckten. Durch die verwinkelten Gassen der Altstadt suchten wir schliesslich den Weg zurück in unser Kloster.

Abendstimmung in Avignon

Nächtliche Gargoyls in der Stadt

Gotik wohin das Auge schaut

Stimmungsvolles Ambiente im Hof unseres Hotels

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