Exploring the world

Stefan & Steffu's travels

In den Tunneln der Vietcong

Kilometerweit und gefühlte Stunden lang schlängelte sich heute Morgen unser Fahrer durch den dichten Verkehr von Saigon nach Củ Chi. Schliesslich standen wir in tropischer Hitze vor den Toren der Tunnelanlagen der Vietcong. In den 70-ern erwarteten hier keine Parkplätze die Besucher, sondern Booby Traps, doch dazu etwas unten mehr.

Nach einem kurzen Dokumentationsfilm, oder eher Propagandafilm, führte unsere Reiseleiterin in das Thema detaillierter ein. Aber natürlich brannten wir darauf, die Anlagen selber zu sehen.

Als die Amerikaner im Vietnamkrieg ganz in der Nähe ihre Hauptbasis aufschlugen, ahnten sie nicht, dass die Vietcong quasi bereits unter ihren Füssen auf sie warteten. Die Fähigkeit der Vietcong aus dem Nichts unerkannt aufzutauchen, zuzuschlagen und ebenso rasch wieder unerkannt zu verschwinden ist legendär. Dass sie dazu allein in dieser Gegend ein 200 km langes, verzweigtes Tunnelsystem auf drei Ebenen angelegt hatten, wurde erst allmählich bekannt. Aber auch dann gelang es den Amerikanern nicht, das mit einfachsten Mitteln raffiniert angelegte System auszuheben, weder mit exzessiven Bombardierungen, noch mit dem Suchen mit Spürhunden, noch mit dem Einleiten von Giftgas.

Rein in den Tunneleingang, Deckel über dem Kopf mitnehmen und weg ist Stefan

Rein in den Tunneleingang, Deckel über dem Kopf mitnehmen und weg ist Stefan

Relativ erfolgreich war der Einsatz der „Tunnelratten“, einzelne Soldaten, die ihre gesamte Ausrüstung ablegten und lediglich mit einer Pistole bewaffnet in entdeckte Tunnel einstiegen. Ging etwas schief, ging lediglich ein Mann verloren. Konnte er erfolgreich infiltrieren, vermochte er mit einer Handgranate grossen Schaden anzurichten. Einfach war das nicht, denn die Tunnel waren sehr klein, nämlich gerade mal 60 cm breit und 80 cm hoch. Für die kleinen, schlanken und flinken Vietnamesen machbar, für die grösseren und schwereren Amerikaner nicht einfach.

 

Eng und stickig

Verdammt eng und drückend heiss

Wir konnten uns selber davon überzeugen. Selbst der eigens für die Touristen etwas vergrösserte Tunnel war dermassen klaustophobisch eng, dass wir uns die restlichen 60 Meter schenkten und froh waren, nach gerade mal 20 Metern wieder einen Ausgang nehmen zu können. Also wir haben ja grundsätzlich kein Problem mit beengenden Räumen, aber also naja …

Die Vietnamesen waren jedenfalls auch sehr erfinderisch mit dem Anlegen von Gegenmassnahmen gegen die Tunnelratten. Sie schufen Scheintunnel, legten Verzweigungen an, welche in die Irre führten, irritierten die Hunde mit dem Ausstreuen von Chili und vor allem erschufen sie mit einfachsten Mitteln sehr effektive Fallen, die bereits erwähnten Booby Traps: Gegnerische Soldaten fielen in eine mit angespitzten Bambus bewehrte Grube, sie standen auf ein Blech, worauf zeitgleich aus vier Rohren Stahldornen in ein Bein eindrangen oder sie wurden von stachelbewehrten Holzkugeln getroffen.

Booby Trap

Booby Trap

Blindgängerverwertung

Blindgängerverwertung

In Werkstätten zerlegten die Vietcong herangeschaffte Bomben der Amerikaner, welche nicht detoniert sind, zerlegten diese, verwerteten die Metalle, die Zünder und den Sprengstoff und bauten daraus Minen. Mancher amerikanische Soldat wurde also von den eigenen Waffen geschlagen, im wortwörtlichsten Sinne.

Auf das Schiessen auf einer Shooting Range verzichteten wir. Daneben stand ein Kiosk und auf dessen Vitrine schlief ein kleines Kätzchen. Selbstredend, dass wir da nicht vorbeikonnten, ohne dass ich dieses anfasste. Bei dem kriegerischen Thema des heutigen Tages tat ein tierliebender Kontrapunkt doch ganz gut.

Eine Schnur und man hat einfach jedes Katzenbussy am Wickel

Eine Schnur und man hat einfach jedes Katzenbussi am Wickel

Dreckig und völlig verschwitzt traten wir nach dem Besuch der Tunnel von Củ Chi den Rückweg an. Auf der Fahrt zurück outete sich unser ansonsten schweigsamer Fahrer und erklärte, dass er damals selber Sprengstoff von Nordvietnam über den Ho-Chi-Minh-Pfad in den Süden geschafft hatte. Unser Fahrer war ein Vietcong …

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

3 Kommentare

  1. 🐙i 25. November 2016

    Krass…

  2. Manu 25. November 2016

    Wow! Sehr eindrücklich!

  3. Megie 25. November 2016

    KLAUSTROPHOBISCH!!!! Bähhh isch das grüselig – dert brächtisch mich bi all minere Neugier nid ine – goht gar nid, nei nei nei!!!!!!!!
    Isch mir jetzt erst rächt glich, han ich die Azahl erträglicher Usruefzeiche überschritte – das isch nid nur schlimm, das isch sehr schlimm, was dert abgange isch! Mir het ja scho d’Normandie und de Grabechrieg glängt, aber das übertrifft das alles!!! Kei wunder, sind d’Amis traumatisiert gsi! Bin ich jo scho nume vom aluege vo dene Bilder, geschwiege de, ich wär dert gsi! Hei bin ich froh, bin ich so wohlbehüetet und in „Watte“ polsteret do deheim i de Schwiiz. Bi sälber halb traumatisiert vo dene Bilder :-o. De Chrieg isch eifach uf de ganze Wält brutal und wie Dir schribet – e kei Option!
    Das Chatzebussi zum Schluss isch richtig wohltuend und isch soooo schnüsig. Zumidest jungi Bussi’s sind uf de ganze Wält härzig :-)))
    Ich wünsche en gueti Nacht und uf wiederläse
    Megie

Schreibe einen Kommentar zu 🐙i Antworten abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2019 Exploring the world

Thema von Anders Norén

%d Bloggern gefällt das: